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Was ist Altenhilfe? Drucken

Inhalt
Was ist Altenhilfe?
Was sagt das Gesetz zur Altenhilfe?
Altenplanung und Altenhilfe
Struktur der Altenhilfe
Träger der Altenhilfe
Stationäre Altenhilfe
Teilstationäre Altenhilfe
Offene Altenhilfe


 Was ist Altenhilfe? nach oben

Die hohe Lebenserwartung und der Geburtenrückgang bedingt eine große Zahl von alten Menschen. Im Kontrast zu der Zahl an jungen Personen ergibt sich daraus ein Ungleichgewicht und die Idee "Jung-hilft-Alt" wird nicht nur innerhalb der Rentenpolitik problematisch, sondern ebenfalls innerhalb der privaten Fürsorge. Die Zahl derjenigen, die alte Menschen innerhalb des Familienkontextes versorgen, nimmt ab.
Altenhilfe setzt genau an diesem Punkt an. Ziel ist dabei zunächst, die Selbständigkeit alter Menschen zu erhalten. Bedingung vor allem, die stationäre Versorgung als letze Möglichkeit anzusehen. Dies bedingt natürlich zugleich, daß in den stationären Einrichtungen vermehrt pflegebedürftige Menschen zu finden sind.

 Was sagt das Gesetz zur Altenhilfe? nach oben

Die gesetzliche Rahmenbedingung für die Altenhilfe bildet das BSHG (Bundessozialhilfegesetz).
§ 75, Abs.1: Altenhilfe soll dazu beitragen, "Schwierigkeiten, die durch das Alter entstehen, zu verhüten, zu überwinden oder zu mildern und alten Menschen die Möglichkeit zu erhalten, am Leben in der Gemeinschaft teilzunehmen."
§ 14: "Als Hilfe zum Lebensunterhalt können auch die Kosten übernommen werden, die erforderlich sind, um die Voraussetzungen eines Anspruchs auf eine angemessene Alterssicherung oder auf ein angemessenes Sterbegeld zu erfüllen."
Dieses Gesetz verpflichtet den Staat, Angebote bereitzustellen, die den alten Menschen ihre Existenz, nicht nur in finanzieller, sondern ebenso in sozialer Hinsicht, sichern helfen. In § 75 heißt es daher weiter (Abschnitt 2):

"Als Maßnahmen der Hilfe kommen vor allem in Betracht:

1. Hilfe bei der Beschaffung und zur Erhaltung einer Wohnung, die den Bedürfnissen des alten Menschen entspricht,
2. Hilfe in allen Fragen der Aufnahme in eine Einrichtung, die der Betreuung alter Menschen dienst, insbesondere bei der Beschaffung eines geeigneten Heimplatzes,
3. Hilfe in allen Fragen der Inanspruchnahme altersgerechter Dienste,
4. Hilfe zum Besuch von Veranstaltungen oder Einrichtungen, die der Geselligkeit,
der Unterhaltung, der Bildung oder den kulturellen Bedürfnissen alter Menschen dienen,
5. Hilfe, die alten Menschen die Verbindung mit nahestehenden Personen ermöglicht,
6. Hilfe zu einer Betätigung, wenn sie vom alten Menschen gewünscht wird."

 Altenplanung und Altenhilfe nach oben

Um innerhalb der Altenhilfe eine Planung gewährleisten zu können, werden gerontologische Forschungen durchgeführt. Diese Forschungen beziehen sich z.B. auf die Lebensverhältnisse älterer Menschen oder untersuchen Institutionen und Dienstleistungen. Vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wird der Bundesaltenplan bereitgestellt. Die Ergebnisse des Berichts sollen dazu beitragen zur Förderung der Selbständigkeit und der gesellschaftlichen Beteiligung älterer Menschen Unterstützung hilfs- und pflegebedürftiger älterer Menschen im Hinblick auf ihre Selbständigkeit, zur Angleichung der Lebensverhältnisse im vereinten Deutschland und zum Ausbau der internationalen Seniorenpolitik.

Ein Beispiel für eine Forschung zur Altenplanung stammt aus dem Jahr 1986. Herausgeber ist das Ministerium für Arbeit, Gesundheit, Familie und Sozialordnung des Landes Baden-Württemberg. Es handelt sich dabei um eine Repräsentativerhebung im Bundesland Baden-Württemberg zum Thema: "Ältere Menschen in den Großstädten". Die untersuchte Altersgruppe war zwischen 65 und 85 Jahren alt, der Untersuchungszeitraum der August-November 1985.
Die Datenerhebung erfolgte mittels schriftlicher Befragung von 833 selbständig lebenden älteren Menschen aus vier Städten ab 100000 Einwohnern (Ulm, Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe). Untersuchungsschwerpunkte waren der sozio-ökonomische Status, Wohnverhältnisse, Gesundheitszustand, persönliche und hauswirtschaftliche Versorgung, Sozialbeziehungen, Freizeitverhalten, Informationsverhalten. Die Ergebnisse der Studie lassen sich in folgenden Stichpunkten zusammenfassen: überwiegende Wohnzufriedenheit, gute gesundheitliche Selbsteinschätzung, Dokumentation der schlechten häuslichen Versorgungssituation in Großstädten als auf dem Lande, Abhängigkeit von persönlicher und hauswirtschaftlicher Versorgungsgewährleistung und Heimübersiedlung, zahlenmäßig geringere Sozialbeziehungen in Großstädten als auf dem Land, familiäre Kontaktintensität wurde als gut beurteilt, Medienkonsum häufigste Freizeitbeschäftigung, schwach ausgeprägtes Informationsbedürfnis.
Diese Informationen sind entnommen aus: Beate Schwichtenberg: Empirische Erhebungen zur Altenplanung in den alten Bundesländern. Annotierte Bibliographie. Berlin, DZA 1992. (Beiträge zur Gerontologie und Altenarbeit Bd. 85)

 Struktur der Altenhilfe nach oben

Altenhilfe unterteilt sich in
  • stationäre Altenhilfe (Altenwohnheim, Altenheim, Altenpflegeheim, Altenkrankenheim)
  • teilstationäre Altenhilfe (Tagespflegeheim, Tagesklinik, Altenbetreuungszentrum)
  • offene Altenhilfe (Einrichtungen wie z.B. Altenclubs, ambulante und soziale Dienste)

Offene Altenhilfe dient zunächst der Unterstützung von alten Menschen in ihren privaten Wohnungen. Ist die Unterstützung nicht ausreichend durch die offene Altenhilfe gewährt, bieten teilstationäre Einrichtungen Hilfe v.a. tagsüber an. Stationäre Einrichtungen betreuen und versorgen alte Menschen 24 Stunden medizinisch und sozial.

 Träger der Altenhilfe nach oben

Die Einrichtungen sind meist organisiert von der freien Wohlfahrtspflege. Diese werden als "freie Träger" bezeichnet. Eine geringere Zahl nehmen Einrichtungen kommunaler (öffentliche Träger) und privater (gewerbliche Träger) Dienste ein.

Das BSHG (§ 93) sieht vor, daß zur Gewährung von Sozialhilfe die Träger der Sozialhilfe eigene Einrichtungen nicht neu schaffen sollen, sofern geeignete Einrichtungen der Träger der freien Wohlfahrtspflege vorhanden sind, ausgebaut oder geschaffen werden können.
Im BSHG ist festgelegt (§ 10), daß die Träger der Sozialhilfe mit den Kirchen, Religionsgesellschaften des öffentlichen Rechts sowie den Verbänden der freien Wohlfahrtspflege zusammenarbeiten sollen.

Altenhilfe bedeutet daher aus einer Bedarfsermittlung heraus, Konzepte zu erstellen und diese durch einzelne Träger zu realisieren. Der Staat verlangt von den freien Trägern, daß diese einen Teil der entstehenden Kosten selbst finanzieren. Freie Träger sind z.B.:
  • Arbeiterwohlfahrt (gegründet 1919)
  • Diakonisches Wert der EKD (gegründet 1848)
  • Deutsches Rotes Kreuz (gegründet 1863)
  • Deutscher Caritasverband der kath. Kirche (gegründet 1897)
  • Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband (gegründet 1924)
  • Zentrale Wohlfahrtspflege der Juden (gegründet 1917)
Die Wohlfahrtsverbände haben sich zur BAG (Bundesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege) zusammengeschlossen, um ihre gemeinsamen Interessen kollektiv dem Staat gegenüber vertreten zu können.

 Stationäre Altenhilfe nach oben

Stationär bedeutet zunächst, daß die Menschen, die in den Einrichtungen der stationären Altenhilfe leben, dies unter Aufgabe der eigenen Wohnung tun. Die Unterbringung in einem Pflegeheim ist daher dauerhaft. Sie ist dann notwendig, wenn alte Menschen ständiger oder regelmäßiger Pflege, Betreuung oder ärztlicher Hilfe bedürfen.

Stationäre Einrichtungen bieten neben der (aktivierenden) Pflege und Betreuung eine wirtschaftliche Versorgung. Zudem entstehen dort Mölgichkeiten des Kontakts und somit eine Vermeidung von Isolation.

Vier von fünf Altenheimbewohnern sind Frauen. Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Frauen in der Gesamtpopulation ("Feminisierung des Alters"). Statistisch gesehen leben nur etwa 4% der alten Menschen (über 65 Jahre) in Einrichtungen der stationären Pflege. Die genauen Zahlen (Stand 1994) stellen sich wie folgt dar:

Anteil der älteren Menschen in Heimen

  1,2%  60-70jährige
  1,5%  70-75jährige
  3,6%  75-80jährige
15,0%  85-90jährige
22,0%  über 90jährige


Für den Umzug in eine stationäre Einrichtung sind gesundheitliche Gründe maßgeblich. Daneben können soziale Bedingungen (Tod des Ehepartners, Konflikte oder Überlastungen durch Versorgung in der Familie) dazu führen.

Man spricht von einem "Institutionalisierungseffekt", wenn der Umzug in eine stationäre Pflegeeinrichtung negative Folgen hat. Durch den plötzlichen Bruch in der Lebenssituation und die vermeintliche Aufgabe der Selbständigkeit können Depressionen auftreten, das Selbstbild wird negativ eingeschätzt, die Motivation sich zu bewegen und selbst aktiv zu sein läßt nach. Meist kann man jedoch davon ausgehen, daß diese Effekte bereits vor dem Umzug in ein Heim vorhanden waren und lediglich durch die neue Situation sichtbar werden.

 Teilstationäre Altenhilfe nach oben

Teilstationäre Einrichtungen sollen den Verbleib in der eigenen Wohnung/Familienverband sichern. Stundenweise verbringen alte Menschen ihre Zeit in Tages-Einrichtungen. Beispiel für teilstationäre Einrichtungen ist z.B. eine Tagesklinik.

©: W. Voges: Soziologie des höheren Lebensalters. Augsburg 1993
Tagesklinik
Angebot, Funktion Die Tagesklinik verfügt über eine personelle, räumliche und apparative Ausstattung für die Behandlung und Pflege der Patienten während des Tages. Sie kann sowohl die stationäre Unterbringung ersetzen als auch Patienten vor oder nach der stationären Behandlung aufnehmen. Sie soll Krankheiten, Leiden oder Körperschäden feststellen, heilen, lindern bzw. das Fortschreiten durch ärztliche und pflegerische Hilfestellung sowie rehabilitative Maßnahmen verhindern.
Zielgruppe kranke, ältere Menschen, nach ärztlicher Einweisung
Leistungen Therapie, pflegerische Maßnahmen im Zusammenhang mit Arztverordnungen, spezielle Krankenpflege, aktivierende Pflege, medizinische und pflegerische Rehabilitation, ärztliche Überwachung der Pflege, Körperpflege, Teilversorgung, Notruf, allgemeiner Service, Fahrtdienste, Hilfen zur Kommunikation, Beratung, Veranstaltungen
Organisation sind in der Regel geriatrischen oder gerontopsychiatrischen Fachabteilungen des Krankenhauses angegliedert
Finanzierung Baufinanzierung: Freie Träger, Wohlfahrtsverbände, Kirchen, Gemeinden, Krankenhausgesellschaften, KHG; laufende Finanzierung: 1/2 Krankenhauspflegesatz (nicht einheitlich geregelt)
Gesetzliche Grundlagen SGB V


 Offene Altenhilfe nach oben

Da ein Großteil der alten Menschen nicht in Heimen, sondern in der eigenen oder der Wohnung von Familienangehörigen lebt, werden diese im Falle einer Pflegebedürftigkeit mittels ambulanter Dienste versorgt. Zur häuslichen Pflege gehören zuvorderst die "Grundpflege, die Behandlungspflege, persönliche Betreuung, gerontopsychiatrische Pflege, Information und Anleitung von Pflegebedürftigen und Angehörigen" (Nomenklatur der Altenhilfe 1992)

Neben der ambulanten Altenpflege gehört in den Bereich der offenen Altenhilfe die ambulante Krankenpflege, die Haus- und Familienpflege (Haushaltsdienste, Besuchsdienste, Beratung), die Altenberatung (Beratung durch Ämter und Beratungsstellen), die Mahlzeitendienste, u.a.

Ambulante Dienste können im Falle einer dauerhaften Pflege- oder Hilfebedürftigkeit dauerhaft in Anspruch genommen werden. Im Krankheitsfall besteht die Möglichkeit der vorübergehenden Inanspruchnahme.

Beispiele für ambulante Dienste sind: Sozialstationen, Essen auf Rädern, Mobile Soziale Hilfsdienste (MSHD), Individuelle Schwerstbehindertenbetreuung (ISB), Haus-Notrufsysteme, Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen, Gemeindedienste, u.a.