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  Soziologie des Alterns

Abweichendes Verhalten im Alter Drucken

Soziologie ist eine Wissenschaft. Gegenstand der Soziologie sind formale und inhaltliche Lebenszusammenhänge von Gesellschaftsformen. Dabei geht es um heutige und historische Gesellschaftsformen. Die soziale Stellung und Versorgung älterer Menschen ist nicht nur ein ganz persönliches Problem, sondern ein gesellschaftliches. Soziologie untersucht nun die formalen Zusammenhänge (Arbeit, Rente, Wohnsituation, Finanzen) und die inhaltlichen Aspekte (abweichendes Verhalten, Familienbeziehungen) der Lebensphase "Alter".

Abweichendes Verhalten

"Abweichendes Verhalten" ist zun�chst ein sehr abstrakter Begriff. Aspekte des abweichenden Verhaltens im Alter sollen daher hier kurz dargestellt werden.

Einsamkeit und Isolation

Einsamkeit und Isolation gelten bereits als abweichendes Verhalten. Es existiert ein direkter Zusammenhang zwischen Einsamkeit und Isolation. Dabei handelt es sich hier um sehr subjektive Begrifflichkeiten. Je weniger Kontakt oder Kommunikation vorhanden sind, bzw. je gr��er die Diskrepanz zwischen tats�chlichem und gew�nschtem Kontakt ist, desto gr��er ist die Isolation und die damit subjektiv empfundene Einsamkeit. Im Alter sind davon prim�r Frauen betroffen, da das Alleinsein- und leben im Alter aufgrund von Verwitwung zunimmt. Mit dem Ph�nomen der Isolation setzt oftmals eine Suchtgef�hrdung ein.

Straftaten

Bei abweichendem Verhalten denkt man zun�chst an Straftaten. Diese spielen indes bei �lteren Menschen (statistisch betrachtet) nur eine sehr geringe Rolle. Delikte betreffen zuvorderst die Stra�enverkehrsordnung und Ladendiebst�hle.

Krankheiten

Krankheiten k�nnen durchaus zu abweichendem Verhalten gez�hlt werden, sofern sie psychische Ursachen haben oder durch soziale Bedingungen hervorgerufen werden. Hypochondrie gilt mittlerweile ebenfalls als anerkannte Krankheit, da ihr psychische St�rungen zu Grunde liegen.

Morbidit�t

Der Begriff der Morbidit�t hei�t soviel wie "Anzahl von Kranken". Diese Zahl nimmt im Alter zu. Man spricht sogar von Multimorbidit�t, da auf einen alten Menschen oftmals eine Vielzahl von Erkrankungen zukommen. Krankheiten werden von somatischen (k�rperlichen), psychischen und sozialen Faktoren beeinflu�t. K�rperliche Beschwerden betreffen im Alter überwiegend das Herz-Kreislaufsystem. Ein psychischer Aspekt ist, da� Krankheit oftmals als Mittel angewendet wird, um Aufmerksamkeit zu erregen und hier der dritte Faktor wirksam wird: das soziale Umfeld kann psychosomatische Krankheiten unterst�tzen oder ihnen entgegenwirken.

Psychischen Erkrankungen

Es existiert ein Unterschied zwischen psychosomatischen und psychischen Erkrankungen. Psychische Erkrankungen �lterer Menschen k�nnen verschiedene Ursachen haben. Demenz ist eine alterstypische Erscheinung; weitere Gründe für psychische Erkrankungen sind meist in der Biographie des alten Menschen zu finden, da psychsische Erkrankungen oder Psychosen in das Atler transportiert werden k�nnen. Gerade im Alter k�nnen Ereignisse stattfinden, die psychische Erkrankungen beeinflussen k�nnen (Umzug in ein Altenpflegeheim, Tod eines Ehepartners, Konflikte mit Angeh�rigen...). Fast 90% der �lteren Menschen, die unter psychischen Erkrankungen leiden, leben alleine oder bei ihren Angeh�rigen, d.h. die Familie tr�gt die Hauptbelastung.

Tod

Der Tod ist noch immer ein Tabuthema. Tod ist in der Mehrheit Alterstod. Der Alterstod zeigt andere charakteristische Merkmale als fr�her. Fr�her war kurze Krankheit - schneller Tod typisch. Heute hat sich der Sterbeproze� verlängert. Zu 72% ist der Tod Folge von Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems und von Tumoren. Sterben und Tod wurden zudem institutionalisierter und professionaliserter, da sie überwiegend in Krankenh�usern und Pflegeeinrichtungen stattfinden. Dies bedeutet auch, da� er �unsichtbarer" geworden ist. Der Umgang mit dem Tod ist dadurch seltener und auch schwieriger geworden. Trauer der Individuen wird meist allein bew�ltigt. Tats�chlich sterben mehr Menschen in Institutionen als zu hause. (1994 starben 67-76% Menschen in Deutschland in Krankenh�usern, ca. 20-30% in Altenheimen, 8-10% zu Hause). Dies allein ist ein Grund dafür, da� Sterbegegleitung an Bedeutung gewinnt. Als sozialen Tod bezeichnet man den Proze�, des Alleingelassenf�hlens. Er geht einher mit dem Verlust der sozialen und pers�nlichen Identit�t, dem Verlust der W�rde, dem Verlust der dinglichen Identit�t (Verlust des Eigentums, Gestaltungsfreiheit), Kontaklosigkeit und Isolation. Den Tod feststellen kann nur ein Arzt. Stirbt ein Bewohner eines Altenpflegeheims, so kann der/die Altenpfleger/in nur feststellen, da� keine Vitalewerte mehr vorhanden sind.

Suizid

Suizid (Selbstmord) wird von fast doppelt soviel M�nnern als Frauen begangen. Es gibt Unterschiede in den sozialen Schichten: ab dem 65. Lebensjahr steigt die Selbstmordrate in den unteren Schichten und sinkt in den oberen. Soziale Bedingungen werden meist als Ausl�ser für den Alterssuizid genannt: Tod des Partners, Auseinandersetzungen im Familienverband, Umzug in ein Altenheim, ect. Mangelnde soziale Integration, Isolation, Einsamkeit und Angst vor einem qualvollen Tod sind die Bedingung dafür, da� Selbstmordversuche im Alter oft t�dlich enden. Fa�t man alle Ergebnisse zusammen, ergibt sich folgendes Profil für hohes Suizidrisiko im Alter:

1. Mann im hohen Alter
2. Leiden an einer leichten bis mittleren affektiven St�rung, begleitet von Hypochondrie und Schlafst�rungen
3. Alleinleben
4. Begleitende k�rperliche Erkrankung
5. K�rzliche Verwitwung
6. Suizidversuch w�hrend der letzten zwei bis drei Jahre
7. Zugang zu t�dlich wirkenden Medikamenten.
Quelle: � W. Voges: Soziologie des h�heren Lebensalters. Augsburg 1993 S.108