Kostenlose Stellenanzeige - Angebote und Gesuche für die Altenpflege in der CareLounge Jobbörseanzeige
::CareLounge
::PflegeBerufe
::SozialBerufe
::AltenPflege
Mitglied werden
   
   Wissen
  Soziologie des Alterns

Entberuflichung Drucken

Soziologie ist eine Wissenschaft. Gegenstand der Soziologie sind formale und inhaltliche Lebenszusammenhänge von Gesellschaftsformen. Dabei geht es um heutige und historische Gesellschaftsformen. Die soziale Stellung und Versorgung älterer Menschen ist nicht nur ein ganz persönliches Problem, sondern ein gesellschaftliches. Soziologie untersucht nun die formalen Zusammenhänge (Arbeit, Rente, Wohnsituation, Finanzen) und die inhaltlichen Aspekte (abweichendes Verhalten, Familienbeziehungen) der Lebensphase "Alter".

Der Beruf

Ein Beruf ist nicht einfach ein Beruf. Menschen definieren sich über ihren Beruf. Auf die Frage "Wer bist Du?" folgt meist der Name und dann die berufliche Tätigkeit. Beruflich tätig zu sein heißt nicht in erster Linie 'Geld verdienen', der Beruf dient dem Selbstwertgefühl, dem Status und dem Lebensstil.

Beendigung der Erwerbsphase

Es gibt Unterschiede in der Beendigung der Erwerbsphase. In der ehemaligen DDR war die Pensionierung ein langer Prozeß, auf den man sich vorbereiten konnte. Für die Bevölkerung in den neuen Bundesländern ist die „Entberuflichung" des Alters eine neue Erscheinung. Die Erwerbstätigkeit älterer Menschen ist in den alten Bundesländern auch heute zu einer Ausnahme geworden. In der DDR war das Beschäftigungssystem auf lebenslange Erwerbstätigkeit ausgerichtet. Nun sind kaum noch Beschäftigungsmöglichkeiten für ältere Arbeitnehmer vorhanden. Die angespannte Arbeitsmarktlage hat dazu geführt, daß Frühpensionierungen zum Normalfall und Beendigung der Erwerbsphase mit 65 Jahren zur Ausnahme geworden ist. Die Entwicklung zur Frühverrentung nimmt zu.

Das Negativbild vom alternden Menschen

Da in unserer Arbeits-Gesellschaft Begriffe wie Leistung, Aktivität und Jugendlichkeit von großer Bedeutung sind, entsteht ein negatives Bild vom alternden Menschen. In Betrieben geht man daher davon aus, daß ältere Arbeitnehmer geistig-intellektuell und körperlich weniger leisten und die Arbeitsproduktivität senken. Daher gibt es oft eine innerbetriebliche Altersgrenze (Baubranche), in der es zum Vorruhestand kommen kann (funktionsabhängige Altersgrenze). Ursachen für betriebliche Altersgrenzen sind der Stand des technischen Wandels im Produktionsprozeß, für den jüngere Arbeitnehmer besser qualifiziert sind und konjunkturelle Einbrüche. Untersuchungen belegen jedoch, daß mit zunehmendem Alter das Leistungsvermögen nicht nachlassen muß. Berufliche Leistungsfähigkeit hängt eher ab von dem Bildungsniveau, den Belastungen am Arbeitsplatz und von der Möglichkeit zu einer individuellen Gestaltung des Arbeitsplatzes. In manchen Berufen kann Routine und Erfahrung die körperlichen Leistungsmängel ausgleichen. Probleme, die durch ältere Arbeitnehmer entstehen sind Aufstiegsprobleme, Vorgesetztenproblematik und Konkurrenz mit jüngeren Kollegen. Im übrigen sind Probleme am Arbeitsplatz abhängig von privaten Problemen.

Frührente

Frührente kann positiv eingeschätzt werden, da man sich auf seinen „wohlverdienten" Ruhestand freut oder negativ, da man sich nunmehr überflüssig vorkommt. Die Einstellung zur Frührente ist abhängig von der Berufssituation (Zufriedenheit, mehr erreichen wollen), der beruflichen Sozialisation, dem Gesundheitszustand, der finanziellen Situation und den Zukunftsperspektiven. Selbständige stehen der Rente negativer gegenüber als Arbeitnehmer. Einkommensverluste treten nicht immer erst mit der Pensionierung auf. Rückstufungen werden teilweise schon früher durchgeführt und zwar nicht aufgrund von abnehmender Leistung, sondern aufgrund des Stigmas „älterer Arbeitnehmer". Die Zufriedenheit nach der Pensionierung ist auch abhängig von der Qualifikation des Berufes. Höhergestellte sind fähiger in der Gestaltung der nachberuflichen Phase.

Berufsaufgabe

Berufsaufgabe bedeutet den Wechsel in eine andere Rolle mit gänzlich anderen Handlungsmustern (von der Berufsrolle zur Rentnerrolle). Die Pensionierung wird daher als ein sozialer Abstieg, verbunden mit der Übernahme einer negativ bewerteten Rolle empfunden. Neben dem Problem des Verlusts von sozialen Kontakten (Arbeitskollegen) tritt das Problem des Funktionsverlustes auf. Er kann nun einerseits die Rollen innerhalb der Familie mehr wahr nehmen, oder aber er findet keinen „Ersatz" und befindet sich in der Situation der „roleless role". Ein weiterer Verlust ist der des Status mit dem neuen Status „Rentner" und der Prestigeverlust. Außerdem kann es zu einem Verlust an Autorität kommen, v.a. dann, wenn er die Rolle eines „Entscheidungsträgers" innehatte. Um all diese Verluste bewältigen zu können müßte sich der Betroffene schon früh auf die nachberufliche Phase vorbereiten, indem er neue Kontakte knüpft und neue Tätigkeiten sucht.

Freizeit

Freizeit ist eigentlich ein Aspekt der Erwerbsarbeit. Arbeit und Freizeit stehen in Wechselbeziehung zueinander. Freizeitbeschäftigungen dienen zur Erholung und zum Ausgleich. Im Ruhestand spricht man von „freier Zeit". Diese muß mehr als einen Ausgleich darstellen. Sie muß sinnvoll genutzt werden. Beschäftigungen von Rentnern sind: Medienkonsum (Zeitunglesen, Fernsehen), Spaziergang und Kulturkonsum (Kino, Theater, Konzerte, Kirchgang), Besuche (v.a. bei den erwachsenen Kindern) und Garten- und Heimarbeiten. Diese Tätigkeiten werden negativ (Medienkonsum) und positiv (Kultur und Geselligkeit) bewertet. Sie sind abhängig von sozioökonomischen und sozialen Faktoren wie Einkommen, Beruf, Bildung, Familienstand u.a. Außerdem werden sie beeinflußt von personalen Faktoren wie Alter, Geschlecht und Gesundheit. Mit zunehmendem Alter ist die Intensivierung von religiösen Aktivitäten festgestellt worden. Dies ist abhängig vom Beruf. Angestellte und Beamte gehen eher dem Kirchbesuch nach, als Arbeiter.

Bildungsniveau und Ruhestand

Höhere Bildung scheint die Anpassung an den Ruhestand zu erleichtern. Dies ist durch die Bildung und die berufsbedingt trainierte Intelligenz gegeben und durch die aktiven Freizeitbetätigungen. Wer also während der Berufstätigkeit „viel gedacht" hat, in seiner Freizeit aktiv war und seine Tages- und Wochenrythmus aktiv gestaltet hat, der wird auch im Ruhestand seine freie Zeit sinnvoll nutzen können und ist besser auf den Ruhestand vorbereitet.

Anpassung an den Ruhestand

Andere Faktoren für eine gute Anpassung an den Ruhestand sind die Gesundheit, die Freiwilligkeit des Eintritts, die Geschlechtszugehörigkeit (Frauen passen sich besser an), die finanzielle Situation, die affektive Bindung zwischen den Ehepartnern, die familiäre Situation (Bsp. Kinder - Intimität auf Abstand) und die Qualifikation des Berufes und v.a. die Zufriedenheit mit der gegenwärtigen beruflichen Lage (unvollendete Aufgaben wollen vollendet werden = Zeigarnik-Effekt) und nicht zuletzt die (positive) Einstellung dem Ruhestand selbst gegenüber. Hinzu kommt die Beschaffenheit der sozialen Interaktionen. Ist sie nicht gut, so besteht die Gefahr der Isolation und Vereinsamung.