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  Soziologie des Alterns

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Soziologie ist eine Wissenschaft. Gegenstand der Soziologie sind formale und inhaltliche Lebenszusammenhänge von Gesellschaftsformen. Dabei geht es um heutige und historische Gesellschaftsformen. Die soziale Stellung und Versorgung älterer Menschen ist nicht nur ein ganz persönliches Problem, sondern ein gesellschaftliches. Soziologie untersucht nun die formalen Zusammenhänge (Arbeit, Rente, Wohnsituation, Finanzen) und die inhaltlichen Aspekte (abweichendes Verhalten, Familienbeziehungen) der Lebensphase "Alter".

Familie

Bei der Bewältigung der Altersphase spielen Familien- und Haushaltsstrukturen und die soziale Beziehung zu den Kindern/anderen Angehörigen des sozialen Netzwerkes eine entscheidende Rolle. 85% der pflegebedürftigen Alten wird im Familienverband versorgt und betreut, 10% (der 95% zu Hause lebender pflegebedürftiger Menschen) werden durch ambulante Dienste versorgt. Wenn man von pflegenden Angehörigen spricht, so handelt es sich dabei meist um Frauen (Töchter, Schwiegertöchter, Ehefrauen). Erst wenn die Möglichkeiten zur Unterstützung nicht ausreichen findet der Übergang in ein Heim statt.

Pflegende Angehörige

Sozialer Kontakt im Familienverband ist durch gegenseitige Hilfeleistung gekennzeichnet: erst helfen die Eltern den Kindern, dann helfen die Kinder den Eltern. Die Versorgung älterer Menschen durch die Kinder kann durch folgende Punkte bedingt sein:

1. Tod des Partners
2. geringe finanzielle Mittel
3. chronische Krankheiten
4. hohes Lebensalter

Dies kann soweit führen, daß ältere Menschen ihren eigenen Haushalt aufgeben, um bei den Kindern zu leben.

Aus soziologischer Sicht läßt sich die häusliche Altenpflege dadurch charakterisieren, daß

die Helferpersonen meist unvorbereitet in die Helferrolle kommen,
Unterstützungsbedürftigkeit der Pflegenden die Frauen entweder als Ehefrauen selber alt und unterstützungsbedürftig sind oder als Tochter bzw. Schwiegertochter bereits im Alter zwischen 50 und 60 Jahren sind,
Erhebliche Aufwendungen die oft erheblichen zeitlichen, physischen und psychischen Aufwendungen für die Pflege neben der alltäglichen Haus und Familienarbeit geleistet werden müssen,
Isolation pflegende Angehörige damit in eine gesellschaftliche Isolation geraten und Bekannte und Freunde verlieren,
Fehlende Fachausbildung pflegende Angehörige Leistungen der Grund- und Behandlungspflege erbringen, die eigentlich einer spezialisierten Fachausbildung bedürfen,
die Pflege unter unzureichenden räumlichen und technischen Bedingungen geleistet werden muß,
Abhängigkeit pflegende Angehörige selbst in eine Abhängigkeit durch die völlige Vereinnahmung des pflegebedürftigen Menschen geraten,
Sorge um die Zukunft pflegende Angehörige, gerade auch wenn sie selbst schon älter sind, sich in ständiger Sorge befinden, ob sie den Anforderungen auf Dauer gewachsen sind. Die Sorge bezieht sich auch auf die Frage, was geschehen wird, wenn durch eigene Krankheit oder Hinfälligkeit die Fortsetzung der häuslichen Pflege unmöglich wird. Dies gilt besonders für die pflegenden Angehörigen, die alleine mit dem Hilfebedürftigen zusammenleben,
Fehlende Entlastung pflegende Angehörige, durch unzureichende oder fehltende Entlastung in eine dauerhafte Überforderungssituation geraten und keine Zeit mehr für eigene Interessen bleiben,
Rollenmuster die Pflegebedürftigkeit, besonders unter dem Eindruck demenieller Veränderungen, manchmal bisherige Rollenmuster auflöst oder gar umkehrt (Ehefrau-Ehemann; Eltern-Kind; Großeltern-Enkelkin),
Gewalt es auf Dauer zu einer Erschöpfung in der Hilfemotivation kommen kann und bei mangelnder Hilfe für den Helfer eine latente Gefahr der Gewaltanwendung gegen den Pflegebedürftigen entsteht,
Überlastung die Wahrscheinlichkeit einer eigenen Erkrankung durch die Überlastung bei der Pflegeperson steigt,
die Beziehungen zu den übrigen Familienmitgliedern in eine Krise geraten können,
die umfangreichen Leistungen weder sozial noch finanziell honoriert werden.

Quelle: © A. Stracke-Mertes: Soziologie. Hannover 1994, S.114ff.