div>
 
::CareLounge
::PflegeBerufe
::SozialBerufe
::AltenPflege
Mitglied werden
   
   Wissen
  Soziologie des Alterns

Altern in der vorindustriellen Gesellschaft Drucken

Soziologie ist eine Wissenschaft. Gegenstand der Soziologie sind formale und inhaltliche Lebenszusammenhänge von Gesellschaftsformen. Dabei geht es um heutige und historische Gesellschaftsformen. Die soziale Stellung und Versorgung älterer Menschen ist nicht nur ein ganz persönliches Problem, sondern ein gesellschaftliches. Soziologie untersucht nun die formalen Zusammenhänge (Arbeit, Rente, Wohnsituation, Finanzen) und die inhaltlichen Aspekte (abweichendes Verhalten, Familienbeziehungen) der Lebensphase "Alter".

Vorindustriellen Gesellschaft

Man kann klar von der vorindustriellen Lebenssituation der �ltern Menschen und der der Industriegesellschaft unterscheiden. Die Industrialisierung und die damit einhergehenden sozialen Ver�nderungen setzten um 1900 ein.

Familienformen

Die vorindustrielle Wirtschaftsform war die der �Gro�familie", bzw. die des �ganzen Hauses". In dieser Lebens- und Arbeitsgemeinschaft wurden �ltere Angeh�rige mitbesch�ftigt, versorgt und gepflegt. Bei den Bauern wurde der Hof mit ca. 60 Jahren übergeben, die Haushalte der Jung- und Altbauern waren ab diesem Zeitpunkt getrennt (formal und auch teilweise lokal). Wenn der �Altenteiler" noch dazu in der Lage war, blieb er in die Produktions- und Familiengemeinschaft integriert (Feld/Hofarbeit, Betreuungspersonen für die Nachkommen). Abh�ngiger von der Gunst der Obrigkeit waren Arbeiter. Wurde z.B. das Gesinde alt und zudem leistungsunf�hig, so war es auf die Gnade der Bauern angewiesen oder geh�rte zum Armenpotential der l�ndlichen Regionen. Handwerksmeister konnten ihren Beruf meist bis zum Lebensende ausf�hren. Frauen blieb die möglichkeit bei Verwitwung wieder zu heiraten, was je nach Grad der Anerkennung des Verstorbenen und vorhandenen des Verm�gens recht einfach oder nicht minder schwierig war. Allenfalls blieb ihnen die möglichkeit bei den Kindern zu wohnen, oder sich in ein �B�rgerspital" einzukaufen. Gesellen, die die Meisterw�rde nie erreichten arbeiteten an der Armutsgrenze als Tagel�hner oder wurden von ihrem Meister im Haus behalten. Vorindustrielle Lohnarbeiter (Bauarbeiter, st�dtische Bedienstete, ect,) waren im Alter, wenn sie nicht mehr arbeiten konnten auf die �ffentliche Wohlfahrt (�Armenpflege") angewiesen oder sie bettelten.

Altenhilfe im Mittelalter

Au�erfamiliale Altenhilfe entstand bereits im Mittelalter. In den St�dten wurden kirchliche und b�rgerliche Spit�ler errichtet, in denen Altenheim und Krankenhaus zusammengefa�t waren. Hilfsbed�rftige wurden dort verpflegt (Arme, Kranke und Alte). Alte mu�ten dafür dennoch Geld bezahlen. Entweder durch eine einmalige Zahlung (Pfr�ndekauf) oder durch Almosen. Gegen Ende des MA entstanden in Form von Stiftungen Armenwohnungen, in denen meist alte Menschen unentgeltlich wohnen konnten.

Ver�nderungen aufgrund der Industrialisierung

In der vorindustriellen Zeit wurden alte Menschen gesch�tzt, aufgrund ihrer Erfahrungen und ihres eventuellen Wohlstandes und Besitzes, was sich z.B. in Funktionen wie dem ��ltestenrat" zeigte. 1.2 übergang zur Industriegesellschaft. Mit der Industrialisierung setzte das Leistungsprinzip ein. Die Gro�familie, bzw. die des "ganzen Hauses", verlor ihre Bedeutung aufgrund der Trennung des Arbeits- und Familienbereiches. Dadurch traten alte Menschen in den Hintergrund, da das Erbe an Bedeutung verlor und auch ihre Erfahrungen �veraltet" waren. �ffentliche Einrichtungen haben die Funktionen und Aufgaben der Hausgemeinschaft übernommen. Beruf und Altersversorgung sind familienunabh�ngiger geworden. Die Gesellschaft hat sich dahingehend ver�ndert, da� Altenhilfe zu einer �ffentlichen Angelegenheit wurde (Greisen-Asyl, Siechenh�user, Pfr�ndneranstalten, Hospital, Spital, B�rgerspital, B�rgerheim, ect.). Meist bezahlte man mit einmaligen Summen oder mit der Anerkennung des Erbrechts. Finanziell Minderbemittelte waren auf Armenh�user angewiesen, die meist den Ruf von Irrenh�usern hatten.

Lebenserwartung und der Alteraufbau

Die Lebenserwartung und der Alteraufbau haben sich im Zuge der Industrialisierung drastisch ver�ndert. Aufgrund des technologisch-industriellen Wandels, �konomischer und medizinischer Verbesserungen sanken die Sterbeziffern von Neugeborenen und die Lebenserwartung stieg an. Politische Ma�nahmen, wie z.B. die Sozialgesetzgebung, die Begrenzung der Arbeitszeit und die Einf�hrung des Mindestarbeitsalters, das Verbot der Kinderarbeit und die Anhebung des Bildungsniveaus trugen ebenfalls dazu bei. Die Lebenserwartung hat sich in den letzten hundert Jahren fast verdoppelt (Frau: von 28 auf 75 Jahre; Mann von 36 auf 37 Jahre). Demographisch hat sich aufgrund der h�heren Lebenserwartung und des Geburtenr�ckgangs der Anteil �lterer Menschen in der Gesamtbev�lkerung ver�ndert. Es gibt immer mehr, Tendenz steigend, alte Menschen. Aufgrund der Kriege sind mehr alte Frauen vertreten. Von Altersproblemen sind daher vor allem Frauen betroffen (biologische Singles).

Familienverlauf und Altersphase

Ebenfalls einem starken Wandel unterworfen mit Beginn der Industrialisierung waren Familienverlauf und Altersphase. In der vorindustriellen Zeit war das Heiraten strengen Normen unterworfen, eines war der Nachweis von Besitz, der das Heiratsalter hoch sein lie�. Die Liebesheirat hat sich im Grunde erst ein den Industriegesellschaften durchgesetzt. Nach dem 2. WK war das Heiratsalter niedrig, 1990 wieder h�her (26-28 Jahre). Seit 1900 ist ein Geburtenr�ckgang von 4 auf 1,3 Kinder pro Frau (1985) eingetreten. Die Kinder werden im Durchschnitt in den ersten 24 Ehemonaten gezeugt, was den Abstand zwischen den Generationen verringert. Frauen werden z.B. mit durchschnittlich 54 Jahren Gro�mutter. Auch die Familienphase hat sich dadurch verk�rzt. Die nachelterliche Phase hat sich verlängert.

Die Entstehung der modernen Kleinfamilie

Familienformen sind durch gesellschaftlichen Wandel gepr�gt. Der gr��te Einflu� auf die Ver�nderungen der Familienformen hat der Wandel der Produktionsweisen.In der vorindustriellen Zeit lebte die Familie in der Form des "Ganzen Hauses", welche eine Einheit von Produktion und Haushalt darstellte. Dies bedeutete für die Familienmitglieder in erster Linie das Nicht-vorhandensein von Privatsph�re, auch beim Adel nicht. Noch existiert der Klassenbegriff nicht, dieser entsteht erst im Kapitalismus, dennoch sind die verschiedenen Berufs- und Gesellschaftsgruppen von verschiedenen Merkmalen gepr�gt.

1.) Bauern: gepr�gt von landwirtschaftlicher Produktionsweise, wenig Emotionalit�t, Arbeitsbeziehungen vorherrschend, geringe Individualisierung, ganzes Haus statt Familie.
2.) Handwerk: r�umliche Einheit von Produktion und Haushalt, Arbeit und Freizeit nicht strikt getrennt, Selbstversorgung, Abh�ngigkeit von konjunkturellen Schwankungen, soziale Kontrolle durch Zunft, Kinderarbeit, wenig Emotionalit�t, Gesinde und Lehrlinge im Haus.
3.) Heimarbeiter: Arbeiten und Wohnen, materielle Not und Unsicherheit, Tendenz zur Individualisierung bei Partnerwahl, Zeitmangel bei Erziehung, fehlende Zuneigung.
4.) B�rgertum: Intimisierung der Ehebeziehung, Arbeits- und Wohnbereich trennen sich, Leben im Kontrast zum Adel (anfangs), Ideale Ver�nderung in Liebes- und Eheauffassung und Kindererziehung (kindorientierter, Lerninhalte, Emotionalit�t, R�ckzugsmöglichkeiten, Intimisierung s�mtlicher Bezie-hungen), soziale Isolierung, Aufl�sung der tradierten Hauswirtschaft, Entstehung der Kindheit, Abset-zung gegen den Adel, Liebesheirat (vern�nftige Heirat), Struktur der Ehebeziehung, Ver�nderung der Geschlechtercharaktere.
5.) Proletariat: Trennung Wohn- Arbeitsst�tte, unbefriedigendes Arbeitsverh�ltnis, wenig Emotionalit�t.

Die Familie, wie wir sie heute kennen, entstand im Laufe des 19. Jahrhunderts. Im 18. Jahrhundert wurde die Familie noch gepr�gt von der Einheit von Produktion und Haushalt und von den verschiedenen Produktionsweisen. Es existierten also unterschiedliche Familienformen nebeneinander. Im 19. Jahrhun-dert beginnt sich dies zu ändern. Das zahlreiche Proletariat und das B�rgertum gewinnt an Bedeutung. Erwerb und Wohnen trennen sich zunehmend aufgrund von kapitalistischen Produktionsweisen. Pro-duktionsst�tte war nicht mehr gleichzusetzen mit Wohnst�tte. Einige Familienformen verschwinden vollst�ndig, wie z.B. die der Heimarbeiterfamilie und andere verändern sich (Handwerker). B�uerliche Familienformen bleiben zun�chst unver�ndert, obwohl auch diese sich an den Idealen und Leitbildern des B�rgertums zu orientieren beginnen. Sofern die materielle Situation es erlaubt, flie�en diese Ideale (Kindzentriertheit, Privatheit, Individualisierung) in s�mtliche Familienformen ein. Die Vorstellung von der Gleichheit Aller ist Voraussetzung für die übernahme der b�rgerlichen Ideale und da in jeder gesell-schaftlichen Schicht Familien existieren k�nnen sich auch Normen (allgemeiner Charakter) durchsetzen. Diese Vergesellschaftung wird möglich aufgrund von st�dtebaulicher Erschlie�ung und dem zentrali-sierten deutschen Nationalstaat, mit dessen einheitlichem Recht und der Pr�misse der staatsb�rgerlichen Gleichheit. Stichpunktartig lassen sich die Kriterien für die Vereinheitlichung der Familienform wie folgt darstellen:

Verbesserung der allg. finanziellen Situation
Ausbau der sozialen Gesetzgebung
Reduzierung der Arbeitszeit und Urlaubsregelungen
Schulpflicht (Verlängerung der Schulzeit)
Wertevermittlung durch die Medien
Familienberatungsstellen