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  Soziologie des Alterns

Wohnsituation im Alter Drucken

Soziologie ist eine Wissenschaft. Gegenstand der Soziologie sind formale und inhaltliche Lebenszusammenhänge von Gesellschaftsformen. Dabei geht es um heutige und historische Gesellschaftsformen. Die soziale Stellung und Versorgung älterer Menschen ist nicht nur ein ganz persönliches Problem, sondern ein gesellschaftliches. Soziologie untersucht nun die formalen Zusammenhänge (Arbeit, Rente, Wohnsituation, Finanzen) und die inhaltlichen Aspekte (abweichendes Verhalten, Familienbeziehungen) der Lebensphase "Alter".

Wohnsituation

Ca. 96% der alten Menschen in Deutschland wohnen in ganz normalen Wohnungen. Die Mehrzahl (56%) wohnt alleine. Der größte Teil älterer Menschen wohnt in der Großstadt, obwohl sich die Tendenz aufs Land zu ziehen auch bei den alten Menschen durchsetzt. Auf dem Land leben alte Mensch häufiger im eigenen Haus oder in einem Mehrgenerationenhaushalt, obwohl sie sich mehr Distanz wünschen. Der Bedarf an sozialen, ambulanten Diensten ist gerade auf dem Land noch keineswegs gedeckt. Nach der Pensionierung ist der Hauptaufenthaltsort die Wohnung, die dadurch auch an Bedeutung gewinnt. Eine gute Einkommenslage ist Voraussetzung für selbständiges Wohnen. Um die Mietbelastung zu tragen, wird Wohngeld gewährt, welches sich errechnet aus dem Verhältnis von Einkommen und Mietbelastung, und von daher gerade ältere Menschen oftmals Mietzuschüsse in Anspruch nehmen können.

Wohnniveau

Das Wohnniveau steigt, wie bei der Gesamtbevölkerung, auch bei alten Menschen. Dennoch ist die Wohnsituation derart differenziert, daß man von einem Kohorteneffekt Kohorte=Gruppe Gleicher) sprechen kann. Jüngere Alte wohnen, meist mit dem Ehepartner, in recht komfortablen Häusern oder Wohnungen. Ältere Alte, zumeist Verwitwete, zählen zu der Problemgruppe, die meist in kleinen Wohnungen zur Miete wohnen. Die Wohnungen sind in schlechtem baulichen Zustand, weisen unzureichende sanitäre Einrichtungen auf und verfügen nicht immer über Heizungen.

Altersgerechte Wohnungen

Gängige Wohnungen, d.h. Standardwohnungen, sind selten 'altersgerecht', d.h. sie haben keinen Fahrstuhl, sie haben minimale Sicherheitseinrichtungen in den Bädern und Küchen und haben keine Einkaufsmöglichkeiten in direkter Nähe. Altersgerechte Wohnungen müßten demnach niedrige Stockwerke, Aufzüge, nahe Einkaufsmöglichkeiten, rutschsichere Fußböden, Zentralheizung, Türsprechanlage, sicheres Bad, Balkon besitzen.

Unzureichende Wohnungen sind es oft, die einen Übergang in ein Heim regelrecht erzwingen. Dies widerspricht der Altenhilfe-Konzeption, die die Versorgung zu Hause so lange wie möglich ermöglichen möchte. Seit 1957 werden daher vom Sozialen Wohnungsbau, Altenwohnungen gebaut. Der Bedarf ist jedoch keineswegs gedeckt und auch die Mieten noch recht hoch.

Wohnen im Altenheim

Altenheime werden von der Sozialverwaltung „Sonderwohneinrichtungen" genannt. Differenziert werden Altenwohnheime, Altenheime, Pflegeheime, mehrgegliederte Alteneinrichtungen, und Seniorenstifte. Das Altenheim wird meist von vornherein abgelehnt. Dies begründet sich auf Schlagwörter wie Massenbetrieb, Reglementierung und Altenasyl. Die Bevölkerung sieht Altenheimbewohner als zumeist isolierte, einsame alte Leute ohne Familie an. Ein weiterer negativer Aspekt ist das Endgültigkeitsempfinden. Diese Schlagwörter werden v.a. in den Medien allzu gerne verwendet, um Altenheime zu klassifizieren. Positive Aspekte des Wohnen im Heim bleiben meist unberücksichtigt.

Häufigster Grund für die Übersiedlung in ein Heim sind gesundheitliche Probleme. Dies sind nicht unbedingt langfristige Erkrankungen, sondern auch kurzfristige. Ein weiterer Aspekt sind schlecht Wohnverhältnisse, Tod des Ehepartners, finanzielle Einbußen und familiäre Probleme. Diese unterschiedlichen Gründe führen zu einer spezifischen Zusammensetzung von den Bewohnern der Altenheime. Es finden sich dort v.a. Hochbetagte und Frauen.

Die Verteilung der alten Menschen auf die verschiedenen Heimformen ist schichtabhängig, also v.a. abhängig von der finanziellen Situation und vom Bildungsniveau. Unterschichten sind meist in Heimen öffentlicher, städtischer Träger zu finden, während Mittelschichtszugehörige eher in privaten Heimem leben. Aus diesem Grunde gibt es bei den Bewohnern der unterschiedlichen Heime auch Unterschiede in den Dimensionen der Zufriedenheit, dem Interesse an der Umwelt und den Aktivitäten.

Wohnbedürfnisse

Befragungen älterer Menschen nach ihren Wohnbedürfnisse hat gezeigt, daß als wichtigste Bedürfnisse meist Sicherheit (materiell und medizinisch, Ruhe), Unabhängigkeit und Selbständigkeit genannt werden. Ein weiterer Wunsch sind kontaktfreudige Maßnahmen wie Altenclubs, Altentagesstätten und Altenzentren. Den Kindern gegenüber gilt der Wunsch durchaus in der Nähe zu wohnen, jedoch nicht unmittelbar in einem Haus.

Wohnformen

Wohnformen sind neben den Einrichtungen der Altenhilfe und den Normalwohnungen z.B. auch Alten-Wohngemeinschaften. Vom idealen Altenwohnheim erwarten alte Menschen Beratung, Haushaltshilfe, die Möglichkeit der Essensversorgung, Pflege bei Erkrankung, Entfernung von der Pflegestation, komfortable moderne Wohnungen und das Mitbringen der eigenen Möbel. Aus diesen Angaben spricht der Wunsch nach individuellem und autonomen Wohnen. Aktivität wird erwünscht (Kochen, Gartenarbeit, Tierbetreuung, ect.) und man erhofft sich die Zunahme von sozialen Kontakten inner- und außerhalb des Heimes.