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Einsamkeit und Isolation Drucken

Die Begriffe Einsamkeit und Isolation sind nicht identisch. Unter Einsamkeit versteht man die subjektive Beurteilung der eigenen sozialen Situation (einsam ist, wer sagt, er sei es), unter Isolation die tatsächliche, objektiv faßbare Einschätzung der Sozialkontakte. Man spricht meist dann von Isolation, wenn die Sozialkontakte sich auf bloße Begrüßungsfloskeln beschränken und kein qualitativer Austausch stattfindet.

Einflußfaktoren:

  • Verwitwung (hier sind mehr Frauen als Männer betroffen)
  • Familienbeziehungen (hier handelt es sich um die leichteste Form des Sozialkontaktes, 70% der alten Menschen leben in der Nähe der Kinder oder mit den Kindern zusammen, 90% werden von den Kindern versorgt, erwünscht wird hier in den meisten Fällen die sogenannte "Intimität auf Abstand")
  • Heimunterbringung (der Wohnortwechsel, bzw. die Heimunterbringung wird meist als Belastung empfunden, dies muß nicht in allen Fällen zur Isolation führen. Wenn sich Gruppen von alten Menschen in Altenheimen zusammenschließen spricht man von "Insulation". Fakt ist, dass Personen in Heimen überrepräsentiert sind, denen ein familiäres Netzwerk fehlt.)
Anpassung an Heimsituation wird beeinflußt durch:

  • die Zufriedenheit mit dem bisherigen Schicksal
  • den Zeigarnik-Effekt (unerledigte Aufgaben wollen vollendet werden)
  • Persönlichkeitsvariablen: höhere Intelligenz, höhere Aktivität und ein besserer Gesundheitszustand erleichtern die Anpassung
  • Kontaktfreudigkeit


  • 3-5% der Personen über 65 Jahre stellten sich in einer Befragung als sozial isoliert heraus.

    Typologie älterer Menschen nach ROSOW im Hinblick auf Sozialkontakte:

  • Kosmopoliten (sozial interessiert, emotional unabhängig von engeren Beziehungen)
  • Phlegmatiker (sozial weniger interessiert, eher gleichgültig)
  • Gesellige (sozial aktiv, aber ohne Wunsch nach Ausweitung der Beziehungen)
  • Untersättliche (sozial sehr aktiv, Wunsch nach weiterer Ausweitung derBeziehungen)
  • Isolierte (Wunsch nach Sozialkontakten, ohne ihn realisieren zu können.)


  • Ergebnisse bzgl. der Einsamkeit alter Menschen:

    1. Frauen klagen häufiger über Einsamkeitsgefühle als Männer
    2. Über 75jährige klagen häufiger als 65-74jährige
    3. Personen, denen es gesundheitlich schlechter geht klagen mehr als jene, denen es gut geht
    4. Je inaktiver, je "langweiliger" das Leben, desto größer die Einsamkeit im Alter
    5. Ein eingeschränkter Interessenradius begünstigt Einsamkeit im Alter
    6. Geringe Zielgerichtetheit begünstigt Einsamkeit im Alter
    7. Eingeschränkte Zukunftsorientierung begünstigt Einsamkeit im Alter
    8. Geringes Selbtvertrauen begünstigt Einsamkeit im Alter


    Einsamkeit korreliert mit:

  • Langeweile als Folge fehlender Rhytmisierung des Tages- Wochen- und Jahresablaufs
  • der Erwartungshaltung an Sozialkontakte und der Tagesgestaltung
  • Abhängigkeit: Abhängigkeit bedeutet hier die Angewiesenheit auf andere Personen und verminderter Sozialkontakt. Abhängigkeit kann in vier Aspekten vorliegen:
    1. ökonomische Abhängigkeit (von der Generation im Generationenevertrag)
    2. physiologische Abhängigkeit (durch Bewegungsapparatdefizite)
    3. seelisch-geistge Abhängigkeit (durch Gedächtnis und Orientierungsdefizite)
    4. soziale Abhängigkeit (Rollenverlust, Isolation)


  • Viele alte Menschen nehmen ihre eigentliche Situation oft als Stillstand wahr. Daraus folgt das Einstellen der Aktivitäten. Aktivität geht in Passivität und damit in Abhängigkeit über. Je mehr die soziale Umgebung als unfreundlich erlebt wird, desto weniger entwickelt man eigene Aktivitäten und begibt sich in eine Abhängigkeit.

    Alterseinsamkeit wird kaum selbst gewählt und ist eher direkt/indirekt aufgezwungen. TEWS bezeichnet Einsamkeit als einen "inneren Zustand der Individuen". Einsamkeit hat jeder schon einmal erlebt und ist daher ein klarer Begriff. Dennoch kann man nicht erwarten eine einheitliche Antwort auf die Frage der Einsamkeit zu bekommen, da sie von jedem Einzelnen unterschiedlich empfunden wird. Es kommt auf die Persönlichkeit und die Situation des Befragten an. Einsamkeit und Isolation zu untersuchen ist daher schwierig, da es keine eindeutigen Identifikationsfaktoren gibt und auch durch Befragungen nur schwer Vereinsamung festzustellen ist.

    Alleinstehende stellen den höchsten Anteil an Vereinsamten dar. Frauen dominieren ebenfalls. BLUME stellte fest, dass doppelt soviel Frauen wie Männer unter Vereinsamung leiden. Meist sind es verwitwete Frauen, gefolgt von den Ledigen und einem geringen Prozentsatz Verheirateter. Vereinsamung war auch dort festzustellen, wo Kinder im Haushalt leben. Bei alten Menschen zeigte sich, dass Vereinsamte eher sagen, ihr Verhältnis zu den Kindern sie nicht gut und dass daraus der Wunsch alleine zu leben entsteht. Je besser das Verhältnis zu den Kindern ist, desto weniger tritt Vereinsamung auf.

    Vereinsamung steht in Wechselbeziehung mit einem schlechten Gesundheitszustand. Vereinsamte haben einen schlechteren Gesundheitszustand, sind häufiger bettlägerig und gehen öfter zum Arzt.

    Einsamkeit tritt v.a. bei kürzlich Verwitweten auf. Die Umstellung der Lebenssituation wird als Krise empfunden, auf die man häufig mit Vereinsamung reagiert. Dies gilt auch für den Tod anderer Nahestehender. Für Ältere ist der Verlust schwerer zu bewältigen, da es an "Ersetzbarkeit" eher mangelt. Etwa doppelt soviel Witwen als Ledige sind vereinsamt. "Desolation" bezeichnet die Vereinsamung, die aus dem emotional-psychischen Verlust von Personen resultiert. Sie ist um so mehr mit Vereinsamung verbunden, je stärker die Partnerverbindung war und je kürzer der Verlust zurückliegt.

    BLUME und TEWS fanden heraus, daß je höher das Einkommen ist, um so weniger tritt Vereinsamung auf. Dies gilt auch für die Schulbildung. Daraus ergibt sich auch ein Zusammenhang mit der Schichtzugehörigkeit. Je niedriger die Schicht, um so geringer der Kontakt, der besonders bei Alleinstehenden durch niedriges Einkommen bedingt wird. Vereinsamte haben nach BLUME den Wunsch nach mehr Freunden und Bekannten. Je größer die Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität ist, um so stärker tritt Vereinsamung auf. Vereinsamte sind zudem weniger zufrieden mit ihrem Leben. Je vereinsamter die Individuen sind, um so eher wünschen sie sich eine Veränderung der Lebenssituation. Hinzu kommen Persönlichkeitsmerkmale: fühlt man sich alleine wohl, tritt seltener Vereinsamung auf.

    Vereinsamung läßt sich also erklären durch:

    1. Desolation (Zeitpunkt des Partnerverlustes, Stärke der Partnerverbindung)

    2. Das Verhältnis zu den Kindern oder/und anderen

    3. Gesundheitszustand

    4. Schichtzugehörigkeit

    Als vereinsamt galt "wer sagt, er sei es". Bei der Isolation ist dies anders. Personen mit wenigen Kontakten gelten als isoliert. Ab einer bestimmten Stufe der Kontakthäufigkeit gelten die Personen als "integriert". Isolation kann über fehlende Kontrolle zur "Normlosigkeit" führen und zu abweichendem Verhalten (affektive Störungen, Selbstmord).

    TOWNSEND & TUNSTALL führen 4 Formen der Manifestation von Isolation auf:

    1. Isolation von Individuen im Vergleich zu anderen (peer contrasted isolation): Gruppen von älteren Personen werden miteinander verglichen

    2. Isolation, die sich aus dem Vergleich von Jüngeren und Älteren ergibt (generation con-trastd isolation): Ältere haben weniger kulturellen Kontakt, dafür ist aber je nachdem die Familieneinbindung stärker.

    3. Isolation, der Individuen im Vergleich zu einem früheren Zeitpunkt ihres Lebens ausgesetzt sind (Jugend, altersspezifische Isolation und Desolation): Isolation ist auf den Lebenszyklus zu beziehen. Individuen, die ihr ganzes Leben isoliert waren (lebenslange Isolation) haben sich dem angepaßt. Es wurde zum Lebensstil, ohne daß daraus Probleme resultieren. Isolation kann eine vorübergehende Erscheinung sein (Tod des Partners). Isolation kann aus Disengagement resultieren, als selbstgewähltes Verhalten in der Lebensendphase (Altersisolation).

    4. Isolation, die sich aus den Vergleichen von verschiedenen Generationen älterer Leute ergibt: (Isolation im Verhältnis zu vorhergehenden Kohorten): Im Verhältnis zu den Alten früherer Generationen sind ältere Personen heute isolierter.

    Verwendete Literatur zu diesem Beitrag:

    Lehr, Ursula: Psychologie des Alterns. Wiesbaden 1996.

    Reimann, Horst; Reimann, Helga: Das Alter. Stuttgart 1994.

    Oswald, Wolf D.; Fleischmann, Ulrich M.: Gerontopsychologie. Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1983.

    Voges, Wolfgang: Soziologie des höheren Lebensalters. Augsburg 1994.

    Baltes, Paul; Mittelstraß, Jürgen; Staudinger, Ursula: Alter und Altern. Ein interdisziplinärer Studientext zur Gerontologie. Berlin 1994.

    Voges, Wolfgang: Soziologie des höheren Lebensalters. Augsburg 1994.

    Tews, Hans Peter: Soziologie des Alterns. Kap. Heidelberg 1979.

    Stracke-Mertes, Ansgar: Soziologie. Hannover 1994.