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Übergänge in den Ruhestand Drucken

In westlichen Industriegesellschaften ist die Stellung eines berufstätigen Menschen innerhalb des gesellschaftlichen Umfeldes weitgehend durch seinen Beruf bestimmt. Und dies nicht nur innerhalb des Berufsfeldes, sondern auch im privaten Bereich. Der Beruf ist auch prägend, wenn es z.B. um die Ausübung der Hobbys geht, die entweder eine Fortsetzung der Berufstätigkeit darstellen oder als Ausgleich dienen. Die Zufriedenheit im Beruf korreliert außerdem mit der Zufriedenheit im privaten Bereich. Daher gibt es keine strikte Trennung zwischen Berufs- und Privatwelt.

Inhalt
Psychologische Aspekte des Alterns
Pensionierung als Prozeß
Auswirkung der Pensionierung auf Lebensbereiche
   (a) Sozialkontakte
   (b) Freizeit
   (c) Finanzen
   (d) Gesundheit
Individuelle Unterschiede
   (a) Bedeutung
   (b) Erwartungen
   (c) Vorbereitung
   (d) Auswirkungen
   (e) Einstellung
Alternstheorien und Ruhestand
    Aktivitätstheorie
    Disengagementtheorie
    Erfolgreiches Altern
    Defizitmodell
    Die Theorie der Bonner Schule
    Selektive Optimierung durch Kompensation
Ergebnisse einer Studie
Zusammenfassung und Perspektiven


Psychologische Aspekte des Alterns nach oben

Die Psychologie, speziell die Entwicklungspsychologie, setzt sich mit den psychischen Veränderungen und deren Entwicklung vor dem Hintergrund der Konstanz eines Lebenslaufs auseinander. In Bezug auf alte Menschen wird daher vor allem der Frage nachgegangen, "wie sich der älterwerdende Mensch verhält, wie er seine Situation erlebt, und was die möglichen inneren und äußeren Gründe für dieses Erleben und Verhalten sind." Die Psychologie sollte Hinweise und Ratschläge geben, inwieweit Maßnahmen das Wohlbefinden im Alter verbessern können. Dies wird Interventionsgerontologie genannt und stützt sich auf folgende Erkenntnisse:
(1) Altern ist nicht gleichbedeutend mit dem Nachlassen von geistigen und sozialen Fähigkeiten;
(2) auf den Prozeß des Alterns wirken verschiedene Faktoren ein: biologische, soziale, ökologische, ökonomische, epochale und biographische;
(3) das subjektive Erleben ist entscheidend für den Alterungsprozeß. Zusammenfassend ergibt sich daraus die Theorie, daß Alternsprozesse spezifisch und individuell ablaufen und die Entwicklung nicht unbedingt Abbau und Minderung der Leistungs- und Anpassungsfähigkeit bedeuten muß.

Pensionierung als Prozeß nach oben

Die Beendigung der Berufsrolle findet in der Regel bis zum 65. Lebensjahr statt. In den letzten Jahren verschiebt sie sich nach unten. Die Pensionierung erfolgt meist abrupt. Der Eintritt in den Ruhestand stellt eine Krisensituation dar. Sie wird sehr unterschiedlich bewältigt. Der Ruhestand stellt einen ökonomischen, sozialen und psychischen Bruch dar. Die wirtschaftliche Situation ist ungünstiger als vorher. Die Tätigkeiten, die einen den Großteil des Tages beschäftigten fallen plötzlich weg, ebenso wie die Kontakte zu den Berufskollegen. Andere Kontakte müssen nun intensiviert werden. Berufliche Arbeit befriedigt nicht nur finanzielle Bedürfnisse, sondern hat noch vielschichtigere Motive wie Verantwortung, Selbstbestätigung, Tagesrythmusgestaltung, Kontakte, Kreativität und Freude. Mit der Pensionierung ist man gezwungen, die Befriedigung dieser Motive woanders zu erlangen.

Atchley legt 1982 eine Phasentheorie zur Anpassung an den Ruhestand vor:
1 Indifferente, positive Einstellung zum Ruhestand im mittleren Erwachsenenalter
2 Ängste und Befürchtungen kurz vor der Pensionierung
3 Euphorie und Geschäftigkeit in der ersten Phase nach dem Berufsaustritt
4 Ernüchterung und Niedergeschlagenheit
5 Neuorientierung
6 Alltag und Routine

Die Anpassung an den Ruhestand wird erleichtert durch: höhere Intelligenz, bzw. höheres Maß an Flexibilität, eine ausgeprägte soziale Integration, eine großes Interessensspektrum. Höhere Bildung scheint die Anpassung an den Ruhestand zu erleichtern. Dies ist durch die Bildung und die berufsbedingt trainierte Intelligenz gegeben und durch die aktiven Freizeitbetätigungen. Wer also während der Berufstätigkeit "viel gedacht" hat, in seiner Freizeit aktiv war und seine Tages- und Wochenrythmus aktiv gestaltet hat, der wird auch im Ruhestand seine freie Zeit sinnvoll nutzen können und ist besser auf den Ruhestand vorbereitet. . Andere Faktoren für eine gute Anpassung an den Ruhestand sind die Gesundheit, die Freiwilligkeit des Eintritts, die Geschlechtszugehörigkeit (Frauen passen sich besser an), die finanzielle Situation, die affektive Bindung zwischen den Ehepartnern, die familiäre Situation (Bsp. Kinder - Intimität auf Abstand) und die Qualifikation des Berufes und v.a. die Zufriedenheit mit der gegenwärtigen beruflichen Lage (unvollendete Aufgaben wollen vollendet werden = Zeigarnik-Effekt) und nicht zuletzt die (positive) Einstellung dem Ruhestand selbst gegenüber. Hinzu kommt die Beschaffenheit der sozialen Interaktionen. Ist sie nicht gut, so besteht die Gefahr der Isolation und Vereinsamung.

Auswirkungen der Pensionierung auf Lebensbereiche nach oben

a) Sozialkontakte

Pensionierung führt fraglos zu einem Verlust an Kontakten mit Kollegen. Pensionäre sind also mehr oder weniger gezwungen sich stärker der Privatsphäre zuzuwenden. Dort spielen verwandtschaftliche Primärgruppenbeziehungen eine große Rolle. Sie stellen einen Ausgleich für den Verlust beruflicher rollen dar. Sind die Familienbeziehungen instabil, so können alte Menschen einen doppelten Statusverlust erleiden: den der Familie und den des Berufs.
Alternativen zu den Verwandtschaftsbeziehungen stellen Freunde und Nachbarn dar. Diese sind von den Wohnbedingungen und von der Beweglichkeit abhängig, sowie natürlich von der individuellen Kontaktfähigkeit und -willigkeit. Bei einem Umzug gilt: je größer die Entfernung zwischen der neuen Altersheim/Wohnstätte und der früheren Wohnung, um so geringer ist die Kontakthäufigkeit.
Familienkontakten wird dennoch größere Bedeutung zugesprochen. Altersisolierung tritt daher v.a. bei fehlenden Familienbeziehungen auf. Denn Nachbarschaftskontakt tendiert meist zu "Freundlichkeit auf Distanz". Sonstige Institutionen, die die Möglichkeit zur Kommunikation bieten (Altenclubs, Altenzentren, Altengruppen, etc.) werden meist nur von denen genutzt, die ohnehin kontaktfreudig sind. Das "Alleinesein" wird bei alleinstehenden älteren Frauen eher und häufiger zu einem Problem.
Kommunikation erfordert also nicht nur ein entsprechendes Kommunikationsniveau, sondern auch bestimmte technische Voraussetzungen. Das Telefon ist daher schon mal von großer Bedeutung. Es steht sogar an erster Stelle, gefolgt von öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Privatwagen. Telekommunikation eröffnet für ältere Menschen neue Freiräume und Kontaktmöglichkeiten auf Distanz, sie kann sogar zu einer Freizeitbeschäftigung werde, da sie wenig körperliche Anstrengung erfordert.
"Insulation" bezeichnet den Zusammenschluß von Betagten in homogene Gruppen nicht nur gleichen Alters, sondern auch gleicher Lage und ähnlichem Schicksal. Insulation wird in Altenheimen begünstigt. Manche Gerontologen (z.B. Rosow) sind der Ansicht, daß das Insulationskonzept eine der besten Möglichkeiten ist, alten Menschen das Bewußtsein der Gruppenidentität zu vermitteln. Insulation auf freiwilliger Grundlage kann außerdem einen Ausgleich für fehlende oder verlorengegangene oder auch problematische Familien- und Verwandtschaftsbeziehungen darstellen. Sie bietet einen neuen Bezugspunkt, neue Rollen und Aufgaben und v.a. Kommunikation auf gleichem Kommunikationsniveau.

b) Freizeit

Freizeit ist eigentlich ein Aspekt der Erwerbsarbeit. Arbeit und Freizeit stehen in Wechselbeziehung zueinander. Freizeitbeschäftigungen dienen zur Erholung und zum Ausgleich. Im Ruhestand spricht man von "freier Zeit". Diese muß mehr als einen Ausgleich darstellen. Sie muß sinnvoll genutzt werden.
Beschäftigungen von Rentnern sind: Medienkonsum (Zeitunglesen, Fernsehen), Spaziergang und Kulturkonsum (Kino, Theater, Konzerte, Kirchgang), Besuche (v.a. bei den erwachsenen Kindern) und Garten- und Heimarbeiten. Diese Tätigkeiten werden negativ (Medienkonsum) und positiv (Kultur und Geselligkeit) bewertet. Sie sind abhängig von sozioökonomischen und sozialen Faktoren wie Einkommen, Beruf, Bildung, Familienstand u.a. Außerdem werden sie beeinflußt von personalen Faktoren wie Alter, Geschlecht und Gesundheit.
Vor allem US-amerikanische Untersuchungen ergaben, daß bezüglich Freizeitbeschäftigungen mit der Pensionierung eine Umstrukturierung und eine Konzentration auf diese einsetzt, nicht aber von einer globalen Unzufriedenheit gesprochen werden kann. Die Aktivitten nehmen nicht ab, wandeln sich lediglich oftmals hinsichtlich ruhigerer oder berufsähnlichen Aktivitäten. Medien spielen ebenfalls eine nicht untergeordnete Rolle. Massenkommunikationsmittel können die Einschränkungen der direkten Kommunikation stellenweise ausgleichen. Medien, insbesondere das Fernsehen, sind für ältere Menschen von Bedeutung, da es drei Funktionen hat: Information, Unterhaltung, Ablenkung. Aus Interviews mit alten Leuten hat man erfahren, daß Fernsehen ein Ersatz für primäre Kommunikation darstellt durch "parasoziale Interaktion mit den "Fernsehfreunden", das es eine Vermittlungsinstanz darstellt zur lokalen Umwelt, es dienst der Zeitstrukturierung und der Aufrechterhaltung von Alltagsrythmen und nicht zuletzt dem Nacherleben der eigenen Vergangenheit. Nachrichtensendungen stehen an oberster Stelle, Naturfilme, Serien, Volkstücke, Unterhaltungsshows und Spielfilme werden außerdem primär gesehen. Den Medien bietet sich also prinzipiell die Möglichkeit alte Menschen mit Hilfe aktivierender Medienarbeit zu motivieren.

c) Finanzen

Die Pensionierung führt zu finanziellen Einbußen. Heute bedeutet die Pensionierung im Durchschnitt einen Rückgang der Einnahmen um 25%, dies wird sowohl von deutschen als auch von US-amerikanischen Studien belegt. Ein Gefälle zwischen ökonomisch sehr gut gestellten Rentnern und jenen, die im Bereich des Existenzminimums leben ist dennoch vorhanden. Schlechter gestellt sind eher Frauen, aufgrund der niedrigen Gehälter und der geringeren Anzahl an Berufsjahren. Die Untersuchungen ergaben weiterhin, daß bei durchschnittlichen Einnahmen die finanziellen Einbußen als nicht belastend empfunden wurden, da mit dem Berufsende Ausgaben wie Fahrtkosten für den Beruf wegfallen.

d) Gesundheit

Untersuchungen, die sich den Auswirkungen der Pensionierung auf die Gesundheit widmen, weisen Ergebnisse vor, die abhängig vom Analyseverfahren sind. So ergeben Querschnittsuntersuchungen einen Zusammenhang von Gesundheitlichen Verschlechterungen und dem Ruhestand, dies ist bedingt durch die Tatsache, daß viele aus gesundheitlichen Gründen in Rente gehen. Längsschnittuntersuchungen oder mulitvariate Analysetechniken ergeben statt dessen, daß kein Zusammenhang zwischen der Berufsaufgabe und der Verschlechterung des Gesundheitszustandes existiert. Der subjektive Gesundheitszustand wird dabei als schlechter empfunden als der objektiv, ärztlich diagnostizierte. Verschlechterungen der Gesundheit sind unabhängig von der Pensionierung und lediglich altersbedingt.

Individuelle Unterschiede nach oben

a) Bedeutung der Pensionierung

Probleme, die aufgrund der Pensionierung entstehen, sind ein charakteristisches Merkmal von Industrie- oder Leistungsgesellschaften. Relevant dafür sind Faktoren wie die steigende Lebenserwartung und die Trennung von Wohn- und Arbeitsplatz. In der vorindustriellen Gesellschaft hatte der alte Mensch Funktionen innerhalb der Familie und war durch diese auch finanziell abgesichert. Die finanzielle Absicherung wird heute von staatlicher Seite organisiert, den Funktionsverlust muß der alte Mensch individuell bewältigen. Das Ausscheiden aus dem Berufsleben bedeutet: Aufgabe der Tätigkeit, Übernahme einer anderen Rolle mit modifizierten Verhaltenserwartungen, Umstrukturierung des Tagesablaufs, Umstrukturierung des sozialen Umfeldes (Familie, Kollegen), Finanzielle Veränderungen, Verlagerung der Freizeit, nicht kontrastierend zur Arbeit.

b) Erwartungen an die Zeit nach der Berufsaufgabe

Eine positive Einstellung zum Berufsaustritt symbolisieren Auffassungen vom Ruhestand als "wohlverdient" oder als "Ziel". Negative Einstellungen werden hingegen von Ängsten unterstrichen, die sich v.a. in Befürchtungen vom Überflüssigsein manifestieren. Auf die Zufriedenheit oder Unzufriedenheit der Baufgbe wirken folgende Variablen ein:
Alter: je nächer die Pensionierung rückt, desto weniger wird sie herbeigesehnt
Berufsfeld: in Abhängigkeit von dem Einsatz physischer Kräfte wird die Pensionierung umso mehr herbei gesehnt, desto größer der körperliche Arbeitseinsatz ist
Berufssituation: die Berufszufriedenheit ist abhängig von Schicht, Geschlecht und Alter. Je zufriedener die über 60jährigen mit ihrer beruflichen Situation sind, desto positiver wird die Berufsaufgabe bewertet. Begründbar ist dies mit dem psychologischen Gesetz des "Nachwirkens unvollendeter Handlungen" (Zeigarnik-Effekt).
Finanzen: finanzielle Einbußen oder Probleme verursachen eine negative Einstellung zum Berufsaustritt.
Kohorte: einerseits wird der Berufsaustritt individuell sehr verschieden empfunden, andererseits existieren kohortenspezifische biographische Abläufe, die auf eine ganze Gruppe von Menschen in kognitiver und emotionaler Weise Einfluß nehmen.
Privatheit: die Lebenssitutation und Zukunftsorientiertheit im privaten Bereich wirkt auf die Einstellung zur Berufsaufgabe ein. Dabei spielt vor allem die Intensität familiärer Kontakte eine Rolle.

c) Vorbereitung auf den Ruhestand

Positive Erwartungen an die Pensionierung hängen ab von: konkreten Plänen (Zukunftsorientiertheit), Informiertheit (Verdienst, Versicherungsfragen, Wohnungsfragen, etc.), Kohortenschicksalen (Kinheitserlebnisse einer Kohorte prägen diese, z.B. 1929). // Untersuchungen von Olvier 1960, Anderson 1966 und Ash 1966 ergaben, daß ein signifikanter und unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Pläne und Vorbereitungen auf und der Einstellung zur Pensionierung besteht. Diese Erkenntnis hat zur Einrichtung sogenannter "Vorbereitungskurse auf die Pensionierung" geführt. // Häufig ist der Einzelne auf die Rollenanforderungen, die sich aus Pensionierung ergeben nicht vorbereitet. Der Rollenwechsel erfolgt zudem abrupt und übergangslos. Daher ist es sinnvoll, sich schon früh gedanklich auf den Ruhestand zu konzentrieren und sozusagen für das Alter lernen, d.h. sich systematisch darauf vorzubereiten. Amerikanische Firmen bieten z.B. Vorbereitungskurse auf den Ruhestand an, um den Phasen der Anpassung an den Ruhestand gerecht zu werden, diese beinhalten 1. Verluste an Sozialkontakten sollen kompensiert werden, 2. Vorbereitung auf neue Aktivitäten , 3. Neugestaltung des Tages- und Wochenrythmus und 4. Anregungen.

d) Auswirkung der Pensionierung

Entgegen verbreiteter Annahmen hat der Ruhestand keine oder nur sehr geringe Auswirkungen auf den Gesundheitszustand. Dies wurde in sechs unterscheidlichen Langzeitstudien aus Amerika festgestellt (Lehr). Berufsaufgabe bedeutet den Wechsel in eine andere Rolle mit gänzlich anderen Handlungsmustern (von der Berufsrolle zur Rentnerrolle). Die Pensionierung wird daher als ein sozialer Abstieg, verbunden mit der Übernahme einer negativ bewerteten Rolle empfunden. Neben dem Problem des Verlusts von sozialen Kontakten (Arbeitskollegen) tritt das Problem des Funktionsverlustes auf. Er kann nun einerseits die Rollen innerhalb der Familie mehr wahr nehmen, oder aber er findet keinen "Ersatz" und befindet sich in der Situation der "roleless role". Ein weiterer Verlust ist der des Status mit dem neuen Status "Rentner" und der Prestigeverlust. Außerdem kann es zu einem Verlust an Autorität kommen, v.a. dann, wenn er die Rolle eines "Entscheidungsträgers" innehatte.

e) Einstellung zum Ruhestand

Untersuchungen ergaben, daß mittlerweile dort, wo die Wahlmöglichkeit besteht früher oder später in den Ruhestand zu gehen, die Mehrheit den frühen Eintritt in den Ruhestand wählt. Die Einstellung zur Pensionierung hängt vom Alter und anderen Variablen ab, wie z.B. die Art der Tätigkeit, das Betriebsklima, die Selbständigkeit im Beruf, körperliche Anstrengung, ect. Frührente kann positiv eingeschätzt werden, da man sich auf seinen "wohlverdienten" Ruhestand freut oder negativ, da man sich nunmehr überflüssig vorkommt. Die Einstellung zur Frührente ist abhängig von der Berufssituation (Zufriedenheit, mehr erreichen wollen), der beruflichen Sozialisation, dem Gesundheitszustand, der finanziellen Situation und den Zukunftsperspektiven. Selbständige stehen der Rente negativer gegenüber als Arbeitnehmer. Die Zufriedenheit nach der Pensionierung ist auch abhängig von der Qualifikation des Berufes. Höhergestellte sind fähiger in der Gestaltung der nachberuflichen Phase.

Alternstheorien und Ruhestand nach oben

Aktivitätstheorie:

Zufriedenheit im Alter und Anpassung an den Ruhestand ist das Ergebnis der fortgesetzten Aktivität des Berufs innerhalb der Zeit des Ruhestandes. Der Verlust an Rollen, Kontakten und Funktionen wird durch zusätzliche Kontakte und Beschäftigungen kompensiert. Für alte Menschen sind nach dieser Theorie drei Faktoren im Alter bestimmend: 1. die Beziehung zur Familie, 2. das Verhältnis zu Beruf und Arbeit, 3. die Beschäftigung in der Freizeit

Disengagementtheorie:

(von Cumming und Henry 1961) Disengagement ist Voraussetzung für erfolgreiches Altern. Der Verlust von Kontakten und Aktivitäten wird positiv angesehen. Disengagement entsteht demnach aufgrund von gesellschaftlichen und individuellen Interessen und der Rückzug erscheint als ein unvermeidbarer Prozeß. In diesem Prozeß werden Beziehungen gelöst und verbleibende Beziehungen verändert. Es wird angenommen, daß der Prozeß von der Gesellschaft und vom Individuum ausgelöst wird und beiden gleichermaßen dient. Altern wird hier als biologischer Vorgang angesehen, der nicht korrigierbar ist. Er führt zu einer Verminderung geistiger, seelischer und körperlicher Kräfte. Diese Verminderungen führen zu dem sozialen Rückzug aus den unterschiedlichen Lebensbereichen. Dies wird von der Gesellschaft regelrecht erwartet (Pensionierung; Einsetzen Jüngerer). Disengagement wird auch als das Bedürfnis älterer Menschen betrachtet. Der soziale Rückzug wird hier dargestellt als ein natürliches Verfahren, das alte Menschen wünschen, der von innen heraus entsteht und den sie akzeptieren (Ruhebedürfnis; Selbstentfaltungsbedürfnis).

Erfolgreiches Altern:

Havighurst weist darauf hin, daß wer immer aktiv war, dies auch im Alter sein wird. Wer dagegen überwiegend passiv war, braucht auch im Alter keine Aktivität zu entwickeln um zufriedener zu sein.

Defizitmodell:

Altwerden wird nach diesem Modell mit dem Abbau und Verlust der geistigen, emotionalen und körperlichen Fähigkeiten gleichgesetzt. An diesem Modell orientieren sich negative Altersstereotype. Bonner Schule: Die Bonner Theorie stützt sich vor allem auf die Persönlichkeits- und Entwicklungspsychologie von THOMAE. Die Theorie der Bonner Schule orientiert sich vor allem daran, daß der Alternsprozesse individuell verläuft und in erster Linie abhängig ist von persönlichen Variablen. Somit können nur sehr schwer generalisierbare Aussagen über das Alter gemacht werden. Die Entwicklung der Persönlichkeit nach THOMAE ist geprägt durch grundlegende Situationen: die berufliche und wirtschaftliche Situation, die familiale Situation, Realisierung der Unzulänglichkeiten des Lebens, Auseinandersetzung mit der Monotonie des Lebens, Auseinandersetzung mit dem Tod, Der Ruhestand kann demnach erfolgreich erlebt werden in Abhängigkeit von der Auseinandersetzung mit den o.g. Punkten während des gesamten Lebens.

Selektive Optimierung durch Kompensation:

Seit Ende der 60er Jahre setzt eine Neuorientierung in der gerontologischen Forschung ein, die ihren Ursprung in der Entwicklungspsychologie hat. Hier wendet man sich insbesondere gegen die automatische Verknüpfung von Altern und Abbau und postuliert, daß "Entwicklung über die gesamte Lebensspanne gleichzeitig die Aspekte Wachstum oder Gewinn und Abbau oder Verlust enthält". BALTES & BALTES entwickelten das Modell der "Selektiven Optimierung durch Kompensation". Grundlage dieser Theorie ist die Annahme, daß die Funktionen und Wertigkeiten, die soziale Beziehungen im Lebensverlauf einnehmen, Veränderungen unterworfen sind. Im Alter gewinnen emotionale Kontakte an Relevanz, im Jugendalter waren es vielmehr instrumentelle Kontakte. Eine Erweiterung der sozialen Beziehungen ist nach dieser Theorie im Alter daher nicht nötig, da der Verlust von sozialen Kontakten im Alter kompensiert werden kann durch die emotionale Qualität bestehender Kontakte. Dieses Modell steht dem Defizitmodell gegenüber und wird auch als "Kompetenzmodell" bezeichnet, da alte Menschen anstreben in individuell jeweils spezifischen Bereichen ihre Handlungsmöglichkeiten zu optimieren und Kompetenzen zu erwerben oder zu verbessern, mit Hilfe derer sie die (potentiellen und faktischen) Verluste, die sie in anderen Bereichen erleben, ausgleichen könnten. Diese Theorie wendet sich gegen die Kriterien, die dem Alter aufoktroyiert werden: Irreversibilität, Universalität und Finalität.

Ergebnisse einer Studie nach oben

Die im folgenden dargestellte Studie stellt eine Befragung mit dem Titel "Übergänge in den Ruhestand". Sie begann 1994 und wurde 1996 abgeschlossen. Befragt wurden 677 Personen, die ca. 6 Monate vor ihrer Pensionierung standen. Im Mittelpunkt der Befragung, die sowohl anhand von Fragebögen als auch mittels Interviews durchgeführt wurde, standen Fragen nach dem Erlebens des Übergangs in den Ruhestand, der Probleme, die mit diesem entstehen, den Anpassungsmöglichkeiten und den Unterschieden in den objektiv oder subjektiv wahrgenommenen Lebenssituationen. Die Befragung erfolgte in drei Stufen: ein halbes Jahr vor der Pensionierung, ein halbes Jahr danach und wiederum ein Jahr später.
  • die Pensionierung löst keine globalen Befindlichkeitsverschlechterungen aus
  • Lebenszufriedenheit, Glück und Freude bleiben konstant
  • Am Ende der Untersuchung wurden weniger Sorgen und Kümmernisse geäußert
  • die finanzielle Zufriedenheit fällt stetig ab
  • eine leicht abfallende gesundheitliche Zufriedenheit
  • die Freizeitzufriedenheit steigt stetig an
  • der gesellschaftliche Status sinkt deutlich ab
  • von Risikofaktoren (Unzufriedenheit, Bedingungsverschlechterung) sind überwiegend Frauen betroffen, Personen geringeren sozioökonomischen Status und Personen, die über ein kleineres soziales Netz verfügten
  • 25% gaben an, sich auf den Ruhestand nicht vorbereitet zu haben, in erster Linie wurde sich auf Fragen wie "Geld, Freizeitgestaltung und Gesundheit" vorbereitet, weniger auf "den Sinn des Lebens, Wohnsituation, juristische Fragen und Sozialkontakte".
  • Für die Vorbereitung auf den Ruhestand spielen Persönlichkeitsmerkmale wie Extraversion, emotionale Stabilität und Selbstwirksamkeitserwartungen keine Rolle.
  • die Motivation zur Vorbereitung und das Wohlbefinden vor der Pensionierung korrelieren. Auseinandergesetzt wird sich überwiegend mit der Frage der Finanzierung und der Beziehung zum Ehe-/Lebenspartner. Für die Bewältigung der Pensionierung ist das Vorhandensein eines sozialen Stützsystems wichtig. Dies können neben Lebenspartner auch Freunde, Nachbarn oder Verwandte darstellen.
  • Allgemeine Kompetenzen und Ressourcen, die während des gesamten Lebens die Bewältigung von Schwierigkeiten und Anforderungen erleichtern, fördern auch im Alter das Wohlbefinden. Der Erwerb von sozialen Kompetenzen und von Sozialpartnern während des Lebens ist eine günstige Voraussetzung für Zufriedenheit im Ruhestand.
  • Diese Kompetenzen können auch im Alter noch gelernt werden, eine Vorbereitung auf den Ruhestand bedeutet daher Verhaltensdispositionen wie Selbstwirksamkeit und Optimismus zu vermitteln.
  • Mit der Pensionierung nimmt das Einkommen ab, die Zufriedenheit mit dem Einkommen nimmt ebenfalls ab, die Einschätzung der finanziellen Veränderung erfolgt überwiegend realistisch, die finanzielle Situation wird im Laufe des Untersuchungszeitraums als belastend erlebt, bezüglich der Antizipation würden sich die Befragten rückblickend gleich verhalten, sich lediglich etwas besser informieren
  • die Bewertung der Pensionierung als positiv oder negativ ist abhängig vom letzten Erwerbseinkommen und vom Einkommen im Ruhestand
  • die objektive Gesundheit steht in keinem Zusammenhang zur finanziellen Situation
  • die Zufriedenheit mit der Freizeit nimmt nach der Pensionierung, erwartet wurde eine Verbesserung, es wurden nach der Pensionierung mehr Freizeitaktivitäten durchgeführt.
Zusammenfassung und Perspektiven nach oben

Gleitender Übergang in den Ruhestand beinhaltet zwei positive Aspekte: die Selbstbestimmtheit des Zeitpunktes und des Ausmaßes der Arbeitsreduktion. Freizeit und Arbeit können kontinuierlich aufeinander abgestimmt werden. Die Arbeitskraft kann den Kompetenzen und Kräften entsprechend eingesetzt werden, was auch den Unternehmen zu gute kommt. "Langlebigkeit verpflichtet zu einer Kompetenzerhaltung, zu der eine maßvolle berufliche Tätigkeit zweifellos beiträgt". Die Einführung einer flexiblen Altersgrenze würde vielen den Übergang in den Ruhestand erleichtern. Denn in erster Linie wäre eine flexible Altersgrenze eine Grenze, die man selbst kontrollieren könnte. Die Tendenz geht dahin, möglichst früh pensioniert zu werden. Die Gefahr der flexiblen Altersgrenze liegt darin, daß nicht jeder die Situation des Ruhestandes abschätzen kann und eventuell voreilig in Rente geht
Nachdem frühere gerontolgoische Pensionierungsstudien von einer Krisentheorie gekennzeichnet sind, so haben demgegenüber US-amerikanische Studien aus den 70er und 80er Jahren ein überwiegend positives Pensionierungsbild ergeben. Ergebnisse dieser Studien in den USA war ein Heraufsetzen des Pensionierungszeitpunktes von 65 auf 70 Jahre. Die Pensionierung bedeutete für die am Ende des 19. Jh. Geborenen einen Verslust für die Selbstdefinition und den Lebenssinn und somit eine persönliche Krise, da sie in der Hauptpahse ihrer Berufstätigkeit am Wiederaufbau Deutschlands teilnahmen und Arbeit daher einen großen selbstdefinitorischen Stellenwert einnahm. Die Verschiebung des Wertewandels hin zur Freizeitorientierung in den 70er Jahren wirkte sich bereits auf die in den 70/80er Jahren durchgeführten Studien aus. Die finanzielle Situation wurde besser. Heute kann die Pensionierung nicht mehr als das krisenhafte, negative Lebensereignis betrachtet werden, für das es noch vor 40 Jahren galt
Der Prozeß der Pensionierung läuft individuell ab. Allgemeingültige Aussagen und Prognosen über einen individuellen Pensionierungsprozeß können daher nicht getroffen werden. Es spielen sowohl Kohorten- wie auch interindividuelle Unterschiede eine Rolle. Die vorgestellte Studie legt folgende Schlußfolgerungen nahe: ideale Voraussetzungen für eine optimale Bewältigung des Ruhestandes sind während des gesamten Lebens erworbene Aspekte wie persönliche Merkmale, Sozialpartner und materielle Mittel. Sie bieten die Möglichkeit zur Entwicklung angesehener sozialer Rollen und die Schaffung eines Selbstbildes, das unabhängig vom Beruf ist. Als Vorbereitung auf den Ruhestand müßte daher allgemeine Kompetenzförderung dienen und zwar während des gesamten Lebenslaufs.