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Fachbuchautor Friedhelm Henke
Lehrer für Pflegeberufe
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30.01.2006  Pflegeausbildung

Ärger mit dem Körpergewicht?

Um Ernährungsfehler wie ernährungsbedingte Gewichtsprobleme zu vermeiden, bedarf es keinerlei komplizierter Diäten. Ein abwechslungsreicher Speiseplan mit wertvollen Nährstoffen ist entscheidend. Das rechte Maß zur rechten Zeit ist gesund. Dabei ist vor allem Vielseitigkeit gefragt. Einseitige Kostformen sind auf die Dauer unerträglich.

Optimalerweise sollte ein Viertel der Kalorienzufuhr von Früchten, Salaten und Milch gestellt werden. Höchstens ein Viertel der Nahrung sollte aus Fleisch bestehen. Das Fleisch beansprucht sehr stark die am Stoffwechsel beteiligten inneren Organe wie die Leber und die Nieren, welche die Aufgabe haben, die unverbrennbaren Schlacken des Eiweißes, Harnstoffs und der Harnsäure auszuscheiden. Ein akuter Magenkatarrh (Gastritis) ist jedem bekannt, der sich einmal den Magen verdorben hat. Ursache dafür kann eine Überladungen des Magens mit zu schweren, zu fetten oder zu stark gewürzten Speisen oder der Missbrauch von Alkohol und Nikotin, aber auch eine Vergiftung sein. Der Betroffene hat dann einen sehr druckempfindlichen Magen, eine belegte Zunge, einen schlechten Geschmack, Mundgeruch und leidet unter Übelkeit, Schwindel und Erbrechen. Eine häufige Fortsetzung der beschriebenen Magenschleimhautentzündung ist der Darmkatarrh (Darmschleimhautentzündung / Enteritis).

Der gesunde Mensch ernährt sich vielseitig, isst viel frisches Obst und Gemüse (Rohkost), Getreide und Milchprodukte und braucht keine Vitaminergänzungen. Vitamintabletten und andere Nahrungsmittelergänzungen können kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung mit vielen frischen, naturbelassenen Nahrungsmitteln sein. Sie liefern zwar essentielle Nährstoffe, enthalten jedoch keine Ballaststoffe. Während der Schwangerschaft oder bei bestimmten chronischen Erkrankungen sind Nahrungsmittelergänzungen dagegen empfehlenswert.

Empfehlungen für die Zusammenstellung einer Rohkost
Eine Rohkost wird jeweils in kleinen Portionen gereicht. Dazu kann man wählen zwischen zartem Salat aller Art, rohgeriebenen Karotten, rohgeriebenen Blumenkohl, feingehacktes, ungekochtes Sauerkraut, geriebene rote Beete mit Apfel. Gedämpftes, zartes Gemüse wie Möhren, Blumenkohl, Tomaten, Gurken, Schwarzwurzeln, Spargelspitzen, Mangold, Spinat, junger Wirsing und gelbe Wachsbohnen stehen ebenso auf den Kostplan. Auf Mehlschwitzen verzichtet man und fügt statt dessen etwas frische Butter oder gute Pflanzenmargarine hinzu. Außerdem kann man die Gemüsebrühe mit Sojamehl oder mit einem Eigelb binden. Milde Salate bereitet man mit etwas Sahne, Joghurt, einem Teelöffel Öl oder Dickmilch zu und würzt sie nur mit wenig Essig oder Zitrone. Als Beilagen sind Kartoffelbrei, Reis und Nudeln zu empfehlen.

Ernährung bei Übergewichtigen
Übergewicht entsteht immer dann, wenn unserem Körper mehr Energie in Form von Nahrung und Getränken zugeführt wird, als er benötigt. Die überschüssige Energie wird in Fett umgewandelt und an Bauch, Gesäß, Brust und Oberschenkeln usw. gespeichert. Essen als Ersatz für emotionale Zuwendung ist in unserer Gesellschaft keine Seltenheit! Schon in der Kindheit wird Essen als Erziehungsmittel benutzt. War das Kind besonders folgsam oder ist es traurig, weil es sich verletzt hat, bekommt es Schokolade. Wenn das Kind am Abend ungehorsam ist, wird angedroht, es ohne Abendbrot zu Bett zu schicken. Hieraus erwächst schließlich ein Teufelskreis, den es viele Erwachsene später verdanken, dass sie übergewichtig sind. Entscheidend dafür, ob jemand Übergewicht hat, ist die individuelle Erscheinung des Menschen. So wird z. B. das Gewicht von kleinen und großen Menschen oft besonders ungünstig beurteilt. Mit Hilfe der nebenstehenden Tabelle lässt sich der sogenannte Body-Mass-Index (BMI) ermitteln. Er bestimmt das Verhältnis des jeweiligen Körpergewichtes in kg zum Quadrat der Körperlänge in Metern.

Body-Mass-Index =

Gewicht (kg)
__________________
Körperlänge in m zum Quadrat

Richtwerte:
Starkes Übergewicht bei: BMI > 30
Mäßig Übergewicht bei: BMI 25 - 29
Normalgewicht bei: BMI 20 - 24
Untergewicht bei: BMI < 20


Berechnung laut nachfolgender Tabelle:
Waagerecht: Körpergröße in Meter
Senkrecht: Körpergewicht in Kilogramm


Oberstes Gebot bei Übergewichtigen, die eher dem pyknischem (kräftig gebauten) Körperbau entsprechen, ist das Maßhalten im Essen und Trinken. Aufgrund der Neigung zur Wasserzurückhaltung und der Quellfähigkeit der Gewebe sollte man eine Flüssigkeitszufuhr von 1 Liter pro Tag nicht überschreiten. Aus demselben Grund sollte das Kochsalz möglichst sparsam verwendet werden. Auf schärfere Gewürze, die Durst verursachen sollte man weitgehend verzichten. Nimmt der Übergewichtige tendenziell weiter zu, sollte die Aufnahme von Kohlenhydraten und Fetten eingeschränkt werden.
Dass gerade den leichtlöslichen Kohlenhydraten, wie allen Konfitüren, Konfekt, Bonbons, Schokoladen, Pralinen usw. entsagt wird, ist auch deshalb angebracht, weil der gewohnheitsmäßige Verbrauch solcher leicht löslichen Kohlenhydrate zu Zuckerüberhäufungen im Blut führt. Dies führt vor allem beim pyknischen Körperbau dazu, dem Organismus einen Anreiz zur Umwandlung in Fett, also zum Gewichtsansatz geben.

Zurückhaltung ist ebenfalls angezeigt, beim Genuss aller Fette, bei Schmalz, Speck, fettem Fleisch, vor allem Schweinebraten, Gans und Ente, fetter Wurst und fetten Soßen. Ferner stehen auf der Liste der einzuschränkenden Nahrungsmittel alle dicken Suppen, Sahne, fettreiche Milch, Bananen, Nüsse, Mandeln, Feigen und Datteln. Bei einer Diätkur ist zu berücksichtigen, dass eine langsame Gewichtsabnahme schonender ist und eher einem Dauererfolg verspricht als ein rapider Gewichtsverlust. Für die richtige Ausnutzung der Nahrung und für einen störungsfreien Verdauungsablauf ist eine ausgeglichene Stimmungslage wichtig. Ein heiteres, leichtes Tischgespräch ist angebrachter als tiegründige, spitzfindige Unterhaltungen. Der verfügbare Blutüberschuss ist zu dieser Zeit für den Verdauungsapparat nötiger als für das Gehirn. Ebenso ist es eine unentschuldbare Unsitte, beim Essen zu lesen oder fern zu sehen.

Vor allem aber gilt: „Zeit lassen beim Essen“, denn ein hastig verschlungenes Mahl hat nur den halben Wert! Wer dauernd gegen diese Gebote verstößt, wird dies früher oder später durch Störungen der Magen- und Darmtätigkeit zu büßen haben. Eines der wichtigsten Gebote der richtigen Ernährung, zumal in Wohlstandszeiten, lautet: „Maßhalten in allen Dingen!“. Sokrates hat gesagt, man lebe nicht um zu essen, sondern man esse um zu leben.

Tabelle zur Berechnung des BMI
» Download der Tabelle (PDF)

Hilfen für die Ernährung bei Übergewicht:

  • Der Patient soll langsam essen und gut kauen. So wird das Sättigungsgefühl schon nach kleineren Mengen erreicht.
  • Bei einer Reduktionsdiät sollten die kleineren Portionen auf kleinen Tellern angerichtet werden. So wirken sie etwas größer, als sie sind.
  • Auf Diätprodukte sollte man verzichten, da sie zum Mehrverzehr verleiten.
  • Vollkornprodukte sind zu bevorzugen, da sie besser sättigen und wertvolle Nährstoffe enthalten.
  • Keine strikten Verbot aufstellen (bewußt kleine Leckereien einplanen)
  • Nicht zu große Ziele stecken. Schießt auch das Fernziel (z. B. 5, 10 oder noch mehr Kilo zu verlieren) immer wieder durch den Kopf, so sollte man zunächst das Nahziel (z. B. erstmal das Gewicht halten und nicht weiter zunehmen) im Auge behalten. Danach kann man sich kleine Ziele stecken (z. B. pro Woche ½ - 1 Kilo-gramm abnehmen). Die Gewichtskontrolle sollte nicht täglich sondern maximal alle 2-3 Tage erfolgen, damit man sich von eventuellen „Rückfällen“ nicht zu sehr entmutigen lässt.
  • Statt drei große Mahlzeiten pro Tag, sollten fünf bis sechs kleinere Mahlzeiten pro Tag angeboten werden.
  • Die Mahlzeiten sollten regelmäßig und immer am selben Ort serviert werden.
  • Am Abend sollte mit dem Patienten eine kurze Reflexion über sein Eßverhalten des Tages erfolgen. Dabei hat die Pflegekraft die Funktion, die Vertrauensperson immer wieder zum Durchhalten zu ermutigen.
  • Zur Ablenkung von den ständigen Gedanken ans Essen sollten interessante Beschäftigungen angeboten werden (Gesellschaftsspiele, Geschichten vorlesen, Fotos ansehen).


Ernährung bei Untergewichtigen
Untergewichtige gehören in der Regel dem schlankwüchsigen Körperbau (Leptosomen) an. Klassische Kennzeichen sind neben der starken Abmagerung kalte Hände und Füße, ein niedriger Blutdruck sowie Kraftlosigkeit. Oft ergibt sich Untergewicht als Folge einer Protesthaltung todkranker oder chronisch kranker Menschen. Es können psychosoziale Ursachen vorliegen (Streß, Schicksalschläge, soziale Isolation). Hier ist eine intensive Beziehungspflege gefragt, die individuelle Wünsche des Patienten in den Vordergrund stellt. Nur so kann die Ursache bekämpft werden. Eine Zwangsernährung würde die Abneigung des Betroffenen gegenüber Nahrungsmittel nur noch verstärken. Bei der Zusammenstellung der Kost gilt auf jeden Fall der Grundsatz der ausgewogenen Ernährung. Natürlich dürfen Untergewichtige ausgiebiger Fleisch, reinen Speck, Schinken und Schmalz geniessen, doch sollten Gemüse, Kartoffeln und Obst in der Nahrung überwiegen. Mehlspeisen sind durchaus erwünscht. Die Gemüsegerichte sollte man mit viel Fett zubereiten. Die Mehl- und Nudelspeisen sowie Obstgerichte, Puddings usw. süßt man besser mit Traubenzucker anstelle des gewöhnlichen Haushaltszuckers. Als Brotaufstrich sind dem Schlankwüchsigen neben Honig, Fruchtmarmeladen und Gelees zu empfehlen. Gegen Süßigkeiten ist nichts einzuwenden. Der Genuss von Eiern sollte nicht übertrieben werden. Von den Milchprodukten wirken sich Buttermilch und Jogurt besonders günstig aus.

Hilfen für die Ernährung bei Untergewicht:

  • Dem Patienten ausreichend Zeit zum Essen lassen.
  • Ihn niemals zum Essen zwingen.
  • Individuellen Wünsche des Patienten in jedem Fall den Vorrang geben.
  • Eine vitamin-, mineralstoff- und eiweißreiche Kost (z. B. unterstützt mit viel Obst- und Gemüsesäften) anbieten.
  • Kalorienreiche, aber leicht verdauliche Speisen (fettreich, aber nicht ausschließlich Fett, sondern ausgewogene Kost) bevorzugen.
  • In Extremfällen kann die Nahrung angereichert werden (z. B. Quarkspeise mit Sahne, Kartoffelbrei mit etwas Butter).
  • Der Patient sollte langsam an die erhöhte Nahrungszufuhr gewöhnt werden.