::CareLounge
www.pflegeberufe.de
www.sozialberufe.de
www.altenarbeit.de
Mitglied werden
   
   Wissen
  Klassiker

Jean-Jacques Rousseau: Emile oder über die Erziehung Drucken

Zusammenfassung
Erstes Buch
Zweites Buch
Drittes Buch
Viertes Buch
F�nftes Buch



Drittes Buch

   
 

Kräfte und Bedürfnisse

  Obwohl Emile bis zum Alter von 12 Jahren schwach ist, sind seine Bedürfnissen dennoch noch nicht so groß, daß seine Kraft nicht ausreichen würde. Menschliche Schwäche ist also das Ungleichgewicht zwischen Wünschen/Bedürfnissen und Kräften. Es gilt nun, die Bedürfnisse niedrig zu halten, damit sie die Kräfte nicht übersteigen. Die Entwicklung der Bedürfnisse beginnt mit 12/13 Jahren.

Arbeitende Kinder

Betrachtet man die arbeitenden Jungen auf den Feldern, so könnte man sie für Männer halten. Sie sind stark. Der Unterschied liegt allein in den vorhandenen Bedürfnissen.

Zeit der Studien

Das Kind hat einen Überschuß an Kräften. Ein starkes Kind kann diese Kräfte sozusagen speichern. Daher beginnt Rousseau hier mit der Arbeit, dem Unterricht und den Studien.

Verstand und Kenntnisse

Dem Verstand sind natürliche Grenzen gesetzt. Ein Mensch kann nicht alles wissen. Daher muß man eine Auswahl dessen treffen, was gelernt werden soll und wann es gelernt werden soll. Gelernt werden soll was nützlich ist.

Begrenzung der Kenntnisse

Man soll sich davor hüten, alles wissen zu wollen. Unwissenheit hat noch niemandem geschadet. Man läuft sonst Gefahr, Unwahrheiten zu lernen.

Geometrie

Emiles Umgang mit der Geometrie hat gezeigt, daß er Nützliches vom Unnützen unterscheiden lernt.

Wißbegier

Wißbegier ist ein Trieb. Der Geist will sich bilden. Das Urprinzip der Wißbegier ist, daß sich die Wißbegier im Verhältnis der Leidenschaft mit den Einsichten entwickelt.
 

Erd- und Himmelskunde

  Sind die Menschen schwach, so konzentrieren sie sich nur darauf, sich selbst zu erhalten. Sind sie stark, so ergründen sie die Welt.
  Für die Erziehung bedeutet dies, daß Sinneswahrnehmungen zunächst in Begriffe umgewandelt werden müssen. Man kann die Welt nicht mittels eines Buches erkunden, man muß sie erfahren. Emile soll Fragen zu Naturereignissen stellen und selbst nach einer Antwort suchen.

Geographie

Dies gilt auch für die Geographie: Erfahrung statt Globen, Karten und Bücher.

Beobachtung des Sonnenauf- u. untergangs

Rousseau beobachtet mit Emile Sonnenauf- und untergänge. Dies rührt die Seele und vermittelt eine Vorstellung von der Sonne.

Naturschauspiele und Empfindungen

Auch Emile soll Naturereignisse empfinden. Der Erzieher soll ihm seine nicht mitteilen, um ihn nicht zu beeinflussen. Er soll seine eigene Vorstellung davon entwickeln.

Beobachtung des Sonnenaufgangs

Emile soll darüber nachdenken, warum die Sonne auf- und untergeht. Wenn er nicht will, soll er nicht gezwungen werden. Wenn er etwas fragt, so kann man ihm helfende Antworten geben. Dann wird er irgendwann Tag und Nacht begreifen

Die Sonnenbahn

Das Prinzip der Sonnenbahn wird an einfachen Dingen, wie einem Bratenspieß erklärt. Dies ist eine Ausnahme, weil es nicht anders möglich ist. Emile wird daraufhin die Sterne beobachten wollen.

Heimatkunde

Emile lernt Geographie anhand seines Umfeldes (Orte, Flüsse, Sonne). Er wird eine Karte erstellen. Es geht hier nur um die Mittel, mit denen man eine Karte erstellt.

Rousseaus Methode

Rousseau will nicht viel Wissen beibringen, sondern deutliche Begriffe. Die Wahrheit vermittelt er, damit Emile keine Irrtümer kennenlernt. Vernunft muß sich langsam entfalten, damit Emile keine Vorurteile entwickeln kann.

Zeit zum Studium

In der ersten Kindheitsphase ging es darum, sich Zeit zu nehmen. Nun hat der Erzieher wenig Zeit, Vernunft beizubringen, da Emile in das Alter kommt, indem er Leidenschaften entwickelt. Der Grundsatz lautet hier: erst muß Emile die Wissenschaften mögen, dann findet man auch die Methode, sie ihm beizubringen.

Beobachtung

Emile gewöhnt sich daran, einem Gegenstand länger Aufmerksamkeit zu schenken. Er darf sich dabei nicht langweilen oder die Lust verlieren. Er darf nicht gegen seinen Willen lernen. Wenn er Fragen hat, so darf man zwar antworten, aber nur so viel, daß seine Neugier noch nicht befriedigt ist. Der Erzieher muß immer auf das Motiv achten, nachdem Emile etwas tut.

Verkettung der Erkenntnisse

Eine Erkenntnisse sind miteinander verbunden. Z.B. Das Erstellen von Karten: setzt ein Augenmaß voraus, Entfernungen messen zu können, zeichnen zu können, rechnen zu können, ect.

Elektrizität

Spiele mit Magneten und Eisen haben Emile sich schon auf spielerische Art mit Elektrizität befassen lassen.

Beispiel der magnetischen Ente

 

Physikalische Kenntnisse

  Der Erzieher muß unbedingt auf die Anzeichen von Eitelkeit bei seinem Zögling achten.

Die Entwicklung des Kompaß

Emile hat nun das Prinzip des Magneten kennengelernt. Da die Ente in Ruhestellung sich ebenfalls immer in eine Richtung bewegt, lernt Emile das Prinzip des Kompasses kennen.

Die Luft als Körper

Flüssigkeiten reagieren auf Temperaturen durch ausdehnen oder zusammenziehen. Luft spürt man, daher ist sie eine Flüssigkeit. Drückt man ein Glas auf eine Wasseroberfläche, füllt es sich nicht mit Luft: Luftwiderstand. Sie kann komprimiert werden und ist elastisch (Ball). Dies kann man ganz einfach erfahren, man braucht dafür kein wissenschaftliches Labor.

Geräte

Rousseau will, daß Emile die Geräte selbst herstellt. Dadurch werden sie zu klaren Begriffen. Statt einer Waage nimmt Rousseau einen Stock, der über eine Stuhllehne gelegt wird. So begreift Emile das Prinzip des Gleichgewichts. Er lernt auf diese Art Beziehungen zu entdecken, Vorstellungen zu verknüpfen und Geräte zu erfinden.

Werkzeuge und Organe

Der Vorteil den das Selbstherstellen von Geräten hat ist der, daß Körper (Gelenke, Sinne, Muskeln) und Geist in Bewegung bleiben.

Maschinen

Stellt man Maschinen selber her, so gewinnt man nicht nur das Endprodukt, sondern auch an Geschicklichkeit und Scharfsinn. Rousseau nennt dies "philosophische Spiele". Emile ist Philosoph, während er glaubt Arbeiter zu sein. Er wird systematisch in die Physik eingeführt.

Erforschung der Natur- gesetze

Naturgesetze können auch anhand der Erfahrung gelehrt werden: Warum fällt ein Stein zu Boden? Dies ist "systematische Physik", denn Emile antwortet, daß der Stein schwer ist, weiß aber nicht, warum er nicht nach oben fällt.

Voraussicht

Je älter Emile wird, desto deutlicher wird auch sein Empfinden für Arbeit und Spiel (Erholung). Er lernt dadurch auch das zu tun, was ihm nicht gefällt, um dem vorzubeugen, was ihm noch weniger gefällt.
 

Was nützt das?

Was ist Glück?

Um glücklich zu sein, müßte man wissen, was Glück ist. Glück bedeutet für den natürlichen Menschen, nicht zu leiden.

Reife des Verstandes

Wenn Kinder beginnen, ihre Bedürfnisse vorauszusehen, fangen sie an, den Wert der Zeit kennenzulernen. Dann muß man ihnen beibringen, ihre Zeit sinnvoll zu nutzen. Auch hier gilt: das Kind muß den Nutzen verstehen können, ansonsten soll man es bleiben lassen.

Gehorsam

Tut das Kind etwas, so muß es verstehen, welchen Nutzen dies hat. Es muß den gesunden Menschenverstand entwickeln. Dies kann es nicht, wenn es gehorsam ist und Befehlen folgt, die es nicht versteht.

Wissen und Vorstellungen

Ein Kind soll nur das lernen und begreifen, was seinem Alter entspricht. Da es durch Erfahrung und Gefühl lernt, und durchaus weiß, daß es mal erwachsen sein wird, soll es alles nach und nach lernen. Nichts darf sein Auffassungsvermögen übersteigen.

Nützlichkeit

Wenn Emile den Begriff "nützlich" kennengelernt hat, so hat der Erzieher ein neues Erziehungsmittel. Es beeindruckt Emile. "Wozu ist das nützlich?" wird nun die entscheidende Frage von und v.a. an Emile werden.

Der Wert der Kenntnisse

Der Zögling muß es selber wünschen, etwas zu lernen. Der Erzieher soll nur geschickt den Wunsch wecken. Er darf nur wenige, gut durchdachte, Fragen stellen. Weiß auch der Erzieher auf Emiles Fragen keine Antwort, so soll er dies zugeben, ansonsten macht er sich unglaubwürdig. Oder er fragt, worin der Nutzen Emiles Frage besteht.
  Es ist egal, was Emile im großen und ganzen lernt, wichtig ist allen, daß er es begreift und den Nutzen einsieht.

Erklärungen

Rousseau verachtet Vorträge und lange Erklärungen. Sie beinhalten Begriffe und Vorstellungen, die der Zögling noch nicht entwickelt hat. Man kann sie ihm verbal nicht vermitteln.

Im Wald von Montmorency

  Emile erkennt den Nutzen der Geographie und der Astronomie, indem er die Erfahrung macht, daß er sich ohne sie schlechter zurechtfindet.

Das Beispiel im Unterricht

Erfahrungen sind wichtig, da das Kind wirklich verstehen soll. Die größte Gefahr liegt in dem, was das Kind lediglich zu verstehen glaubt.

Das Beispiel vom Wein

Überredung und Überzeugung

Überredung (Vorträge) sind sinnlos. Das Kind versteht die Begriffe noch nicht. Dem Kind soll nur das gezeigt werden, was es auch verstehen kann. Von anderen Dingen kann man es nicht überzeugen. Emile soll keine Eitelkeit oder Eifersucht kennen. Den einzigen Rivalen, den er hat, ist er selbst.
 

Bücher, Robinson

Bücher

Rousseau: "Ich hasse Bücher".

Die natürliche Erziehung

Das erste Buch, das Emile liest, ist die beste Abhandlung über die natürliche Erziehung. Es wird lange Zeit das einzige Buch sein.

Robinson als Vorbild

Robinson Crusoe ist allein auf einer Insel, ohne Beistand und Werkzeug. Emile wird unterhalten und gelehrt. Er prüft Robinsons Verhalten und vergleicht es mit dem Verhalten von anderen Menschen.
 

Kunstfertigkeiten

  Ein Mann kann sich allein ernähren. Hundert Männer können zweihundert Männer ernähren.

Gesellschaftliche Beziehungen

Emile soll die moralische Seite der Gesellschaft noch nicht kennenlernen. Er soll jedoch das Helfende der Menschen untereinander verstehen. Daher beobachtet er sie bei der Arbeit. Er geht in die Werkstätten und probiert selbst das Handwerk auszuüben.

Kunstfergig-keiten

Kunst hängt auch von der Nüztlichkeit ab. Sie ist unnütz und das ist ihr Sinn. Der wahre Künstler ist der, der nichts verdient, denn der arbeitet nicht für die Reichen.

Wertigkeit des Handwerks

Emile soll das Handwerk als wertvoll ansehen, daß einen Nutzen hat, nicht das, für das man am meisten Geld verlangt. So entwickelt er keine Vorurteile. Emile darf keine Erfahrung mit der öffentlichen Meinung machen, er versteht sie noch nicht, bzw. er konnte sich noch keine eigene Meinung bilden.

Beziehungen zum anderen

Rousseau hat mit Emile noch nicht über die Menschen gesprochen. Emile kennt erst mal nur sich und seinen Platz.

Beziehungen zum eigenen Nutzen

Emile soll die Dinge der Natur und die Arbeiten der Menschen nach dem Nutzen, der Sicherheit, dem Wohlbefinden und der Erhaltung, die sie für ihn selber haben beurteilen. Eisen ist somit wertvoller als Gold. Auch die Uhrmacherei ist zählt für Emile nicht viel: er lebt nicht abhängig von der Zeit.

Einteilung der Künste

Künste sind um so wertiger, desto weniger sie von anderen abhängen. Schafft man etwas herzustellen, ohne das es von jemand anderem vorher behandelt werden mußte, so ist dies als wertvoller anzusehen, als wenn das Material vorher durch viele Hände gegangen ist. Das ist der Maßstab, um Kunst und Handwerk einzuschätzen. Die "erste und ehrwürdigste" Kunst ist der Ackerbau. Dies lernt er auch im Robinson.

Werkzeuge

Emile will alles von Grund auf begreifen. Er will alle einzelnen Schritte begreifen, die die Dinge so sein lassen, wie sie sind. Bsp.: Eine Kiste: Baum>Säge>Bretter>Kiste.
 

Gewerbe, Handel, Geldverkehr

  Das Gewerbe ist der Austausch von Gütern. Der Handel ist der Austausch von Ware. Das Bankwesen ist der Austausch von Geld. Die Grundbegriffe hat Emile z.B. beim Gärtner Robert kennengelernt. Nun muß man sie verallgemeinern.

Gleichheit

Keine Gesellschaft existiert ohne Tausch. Es muß ein Maß existieren, an dem man sich orientiert. Dies kann nicht ohne Gleichheit geschaffen werden. Die konventionelle (also nicht die natürliche) Gleichheit zwischen den Menschen erfordert eine Regierung und Gesetze. Emile soll wenig davon wissen. Von der Regierung weiß er erst mal nur etwas über das Eigentumsrecht.

Tauschmittel

Die Vereinbarung über die Gleichheit unter den Dingen führt zur Erfindung des Geldes. Geld ist im Prinzip ein Vergleichsmittel für Werte. Mit Geld werden verschiedene Güter (Bsp. Stoff und Getreide) gemessen und verglichen. Emile soll der Gebrauch des Geldes vertraut gemacht werden. Die moralische Komponente des Mißbrauchs soll außer Acht gelassen werden.

Beispiel vom Festessen

  Emile betrachtet Luxus, als die Fülle von Dingen, die durch unzählige Hände erschaffen wurden. Er erkennt, daß der Aufwand keinen Nutzen hat, denn ein einfaches Mahl sättigt ebenso.

Moralpredigt

Man hat nur dann einen persönlichen Gewinn (Vergnügen) von einer Mahlzeit, wenn man sie selbst zubereitet hat, oder wenn man sie extra für einen zubereitete. (erst die Arbeit, dann das Vergnügen).

Emiles Wahl

Emile würde, wenn man ihm das bäuerliche und das luxuriöse Mahl zur Wahl geben würde, das bäuerliche wählen, da er nicht eitel und nicht geschwätzig ist.
  All dies hat mit der Verkettung von Erkenntnissen zu tun. Emile lernt, alles zu überblicken, er erkennt die Verbindungen und Beziehungen der Dinge zueinander. Er entwickelt ein gesundes Urteil.

Methoden und Beispiele

Die Methode ist einfach: sie orientiert sich an den Fähigkeiten des Kindes. Danach erst wählt man die Beispiele aus.
 

Beziehungen zu anderen

  Während der zweiten Erziehungsphase ging es um Physik und Geometrie, ect. Nun, zu Beginn der dritten Periode geht es um uns selber. Es gilt das Wissen aus den Studien und die Werkzeuge nun anzuwenden. Hierbei gilt es, die eigenen Bedürfnisse und die der anderen Menschen zu kennen, um Werkzeuge austauschen zu können.

Der Mensch allein

Ein Mensch, der in seinem Naturzustand bleiben will (alleine bleiben) würde gegen den Selbsterhaltungstrieb verstoßen. Denn nach dem Prinzip des "Mein und Dein" besäße er nur einen Körper.

Gesellschaftliche Beziehungen

Nach dem "Mein-Dein-Prinzip" entwickelt Emile langsam eine Vorstellung von gesellschaftlichen Beziehungen. Er erkennt den Nutzen und die Notwendigkeit des Tauschens.
  Sobald Emile erkennt, was leben heißt, muß er sich seinen Lebensunterhalt verdienen. Rousseau unterscheidet auch hier nicht zwischen den Menschen (Rang, Güter, Stand). Mensch ist Mensch, da alle die gleichen Grundbedürfnisse haben (essen, schlafen, ect.) und alle die gleichen Mittel, sie zu befriedigen. Der Mensch muß zum Menschen erzogen werden (denn ein verarmter Reicher wirkt nur noch lächerlich).

Gesellschaftsordnung

Die Menschen (zu Rousseaus Zeiten) verlassen sich blind auf die bestehende Gesellschaftsordnung und vergessen, daß Schicksalsschläge die Dinge ändern können (reich wird arm, Monarch wird Untertan, ect.). "Wir nähern uns einer Krise und dem Jahrhundert der Revolutionen." (Anm.: was für eine Voraussicht: er hat völlig Recht behalten!) Die Natur allein ist unvergänglich: sie bringt allein Menschen hervor. Rousseau verachtet diejenigen, die nur durch den Stand und den Status existieren.

Was der Mensch der Gesellschaft schuldet

Der Mensch und Bürger kann der Gesellschaft nur sich selbst geben, denn die Güter, die er besitzt gehören ohnehin der Gesellschaft. Man existiert zudem unabhängig von der Leistung der Eltern. Wenn ein Vater reich ist, hat der Sohn dennoch zu arbeiten, ansonsten wäre er ein nutzloses Mitglied der Gesellschaft und ein Dieb, da er auf Kosten der anderen lebt. "Arbeiten ist also eine unerläßliche Pflicht des Menschen innerhalb der Gesellschaft."

Handarbeit

Handarbeit ist die natürlichste Beschäftigung, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen. Man ist am unabhängigsten von der Leistung anderer Menschen. Man ist frei, da man nur von sich und seiner Arbeit abhängt. Ein Bauer ist z.B. stets abhängig von seinem Ertrag. Dies macht ihm zum Sklaven. Er ist von der Willkür anderer abhängig, die ihm sein Feld nehmen können. Handwerkern kann man schlecht die Hände nehmen. Trotzdem ist Ackerbau der ehrenhafteste (nützlichste) Beruf. Emile muß den Ackerbau nicht lernen, da er ihn schon kann. Er soll ein Handwerk lernen.
 

Das Handwerk

  Ein Handwerker ist mehr Mensch als ein Fürst, da er arbeiten kann, um zu leben. Dies beinhaltet Arbeit um der Ehre willen. Wer also das Glück und die Güter der Welt unterwerfen will, muß sich zunächst ihnen unterwerfen.

Wahl des Handwerks

Handwerk bedeutet, daß die Hände mehr arbeiten, als der Geist. Im Notfall soll man immer den Lebensunterhalt selbst verdienen können.

Künstler

Es geht nicht darum, sich gut verkaufen zu können. Dadurch bleibt man ein Dummkopf. Wer ein Handwerk erlernt hat, kann immer darauf zurückgreifen. So bleibt man von den Reichen unabhängig und muß sich nicht vor ihnen erniedrigen.

Handwerke

Emile soll ein nützliches Handwerk erlernen (also nicht Juwelier oder Goldschmied oder Schauspieler oder Musiker). Abgesehen von den genannten, darf Emile frei wählen.

Wahl für Emile

Da Emile eine natürliche Abneigung gegen alles Unnütze hat, wird er das ehrbare Handwerk wählen.

Nachahmung

Der Nachahmungstrieb läßt die Menschen Dinge tun, von denen sie nicht wissen, ob sie gut und nützlich sind. Wichtig ist allein das Talent, das einen zu einem Beruf hintendieren läßt.

Der malende Kammerdiener

  Beharrlichkeit und Ausdauer können zum Teil das Talent ersetzen. Das Beispiel zeigt, daß es einen wichtigen Unterschied gibt zwischen Talent und Freude an der Arbeit. Daher muß man das Kind gut beobachten. Dann findet man heraus, welche Wünsche und welche Anlagen es hat.

Emiles Vertrautheit mit den Handwerkstechniken

Emile ist auf jede Art des Handwerks vorbereitet. Er kann mit Werkzeugen umgehen und kennt die Materialien. Er hat außerdem einen trainierten Körper und geübte, scharfe Sinne. Es fehlt ihm lediglich an Übung.

Handwerke für Männer und Frauen

Kein junger Mann will ein sitzendes Handwerk ausüben (Schneidern). "Wenn ich Herrscher wäre dürften nur Frauen und Gelähmte nähen und schneidern". "Warum schämen sich Männer nicht, Frauenberufe ausüben zu wollen?" Männer sollen ein Handwerk ausüben, zudem sie Kraft brauchen.

Handwerke, die in die Wahl kommen

Das Handwerk muß nützlich, sauber und geistreich sein. Für Emile käme daher das Tischlern in frage. Es ist eine saubere, nützlich Arbeit und sie kann zu Hause ausgeführt werden. Wenn der Zögling wissenschaftlich begabt ist, so kann er auch Optiker werden.

Jean-Jaques lernt mit

Der Erzieher und sein Zögling müssen gemeinsam lernen. Sie werden beide wie Lehrlinge behandelt werden.

Einteilung der Lehrzeiten

Man kann nicht seine ganze Zeit als Lehrling verbringen, denn es gilt auch noch andere Dinge zu lernen. Daher soll man jede Woche ein bis zwei ganze Tage beim Tischlermeister verbringen. Man steht mit ihm auf und ißt am Abend mit ihm.

Wert der Handarbeit

Wichtig ist allein, daß seine Arbeit gut ist. Er soll nicht eitel werden. Wenn er etwas gut gemacht hat, sagt man, daß es gut ist. Wer es vollbracht hat, ist dabei egal. Wenn er die Eitelkeit und die Vorurteile überwunden hat, so soll er nicht stolz darauf sein, denn auch das wäre eitel.

Kein Schein, sondern Wirklichkeiten

Über Emiles Wissen soll nicht gesprochen werden. Er soll im stillen lernen. Er wird erst Meister, wenn er alles kann, was ein Meister kann. Ansonsten wäre er ein Dilettant.

Körperliche und geistige Arbeiten

Emile wird den Unterschied der Stände, den er zuvor bemerkt hat, empfinden. Er wird wissen wollen, was Rousseau für die Gesellschaft tut, da er sieht, daß er reich ist. Rousseau wird antworten, daß er Emile und den Armen das gibt, was er zu viel hat und jede Woche einen Tisch (oder ähnliches) herstellen, damit er nützlich ist.
 

Vom Urteilen; Rückblick

  Emile hat gelernt seinen Körper und seine Sinne zu gebrauchen. Er hat Urteilsfähigkeit erlernt. Er ist ein denkendes Wesen. Er ist bereit die Kindheit zu verlassen und eine Persönlichkeit zu werden. Daher muß er nun zu einem liebenden und fühlenden Menschen werden, d.h. durch das Gefühl die Vernunft vervollkommnen.

Sinneswahrnehmungen

Erst hatte Emile nur Sinneswahrnehmungen, jetzt hat er Vorstellungen. Erst empfand er, jetzt urteilt er. Aus dem Vergleich von (mehreren aufeinanderfolgenden und gleichzeitigen) Sinneswahrnehmungen und dem darüber gefällten Urteil entstehen (gemischte/zusammengesetzte) Vorstellungen, die Rousseau Begriffe nennt.

Begriffe

Ein solider Geist bildet seine Begriffe nur aus realen Beziehungen. Er vergleicht sie, dies verleiht ihm Geist.

Sinnestäuschung

Nicht die Empfindungen können täuschen (eiskaltes als heiß empfinden), sondern das Urteil, das man darüber fällt. Vergleicht man, zieht man Schlüsse so urteilt man aktiv. Man kann sich täuschen. Man braucht Erfahrungen, um Irrtümer zu verbessern.

Die Brechung

Ein Stock, der zur Hälfte in Wasser eingetaucht wird, sieht aus wie ein gebrochener Stock. Es ist die Wahrheit, wenn das Kind sagt, daß es einen gebrochenen Stock sieht (wahrnimmt). Sagt es, der Stock sei wirklich gebrochen, so sagt es nicht mehr die Wahrheit. Es glaubt dann, daß das Urteil, daß ein Sinn fällt, von den anderen bestätigt wird.

Irrtümer

Irrtümer entstehen aus Urteilen. Daher müssen wir lernen. Je mehr die Menschen wissen, um so mehr irren sie. Unwissenheit vermeidet Irrtümer. Wer nicht urteilt, irrt nicht. Der Mensch will jedoch lernen und urteilen. Dies ist nicht gegen seine Natur.

Urteile

Emile wird beigebracht, richtig zu urteilen. Erfahrungen müssen daher möglichst einfach sein. Lernt man die Beziehung der Sinne untereinander zu prüfen, so kann man einen Sinn prüfen, ohne die anderen zur Hilfe zu nehmen. Somit wird jede Sinneswahrnehmung zu einer Vorstellung, die der Wahrheit entspricht.

Beispiel der Brechung

  Es geht darum, Emile zu zeigen, wie man die Wahrheit herausfinden kann, nicht darum, sie ihm auf direktem Wege zu vermitteln.

Verstand

Emile ist gezwungen, selber zu lernen. Er gebraucht seinen eigenen Verstand. Dies stärkt seinen Geist. Sein Gedächtnis ist voll von seinen Erfahrungen und nicht von der anderer.

Kenntnisse

Emile hat wenig Kenntnisse. Die, die er hat, sind seine eigenen. Alles, was er weiß, weiß er gründlich. Er kann Kenntnisse erwerben und das macht seinen universellen Geist aus (nicht, daß er sie hat). Noch mal: Rousseaus Ziel ist es nicht, wissen zu vermitteln, sondern Emile beizubringen, wie er es erwerben kann. Er will Emile lehren, die Wahrheit zu lieben. Emile hat nur natürliche und rein physische Kenntnisse. Er kennt das Wort "Geschichte" nicht. Er kennt die Bezüge zwischen Menschen und Dingen, aber nicht, die moralischen Beziehungen von Mensch zu Mensch. Er kennt Begriffe, kann diese jedoch nicht verallgemeinern und nicht abstrahieren. Er betrachtet nur sich selbst und verlangt nicht von anderen ihn zu betrachten. Er hat keine falschen Meinungen. Nun ist er 15 Jahre.



©Carmen Bremen 2000

Quellen:
Rousseau, J.J.: �mile oder über die Erziehung. Stuttgart: Reclam. 1998.
Rousseau, J.J.: Emil oder über die Erziehung. Paderborn: Sch�ningh. 1995.
Fetscher, I.: Rousseaus politische Philosophie. Neuwied: Luchterhand.