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Der bildende Aspekt in Michael Endes "Momo" Drucken

Inhaltliche Zusammenfassung

Am Rande einer gro�en Stadt, in der Ruine eines Amphitheaters lebt die kleine Momo. Die Leute aus der n�heren Umgebung sind anfangs irritiert über das seltsame M�dchen. Als sie beginnen Momo zu akzeptieren, sorgen sie für Momo , indem sie ihr Nahrung bringen und eine Kammer in der Ruine einrichten. Momo hat viel Besuch, denn sie besitzt die besondere Eigenschaft zuzuh�ren. So schlichtet sie zum Beispiel einen Streit zwischen dem Wirt Nino und dem Bauarbeiter Nicola durch reines Zuh�ren. Es kommen vor allem viele Kinder zu Momo, da sie mit ihr phantasievolle Spiele entwickeln k�nnen. Sie erfinden beispielsweise ein Spiel um ein Forschungsschiff, in welches sie so vertieft sind, da� es beginnt zu regnen, ohne da� sie es merken.

Momo hat zwei besonders gute Freunde, den alten Stra�enkehrer Beppo, der die Besonderheit aufweist, alle Fragen erst nach langer überlegung zu beantworten, und den Fremdenf�hrer Gigi, der voller Ideen steckt und sch�ne Geschichten zu erfinden wei�.

Eines Tages taucht bei Fusi, dem Friseur, zum ersten Mal ein grauer Herr von der Zeitsparkasse auf, der Fusi dazu bewegt, Zeit zu sparen. Von da an ist sein Leben hektisch und freudlos, da er auch den Agenten wieder vergi�t, wei� er nicht warum. Auch sonst überall machen sich die grauen Herren bemerkbar, es werden gleichartige Stra�en und H�user gebaut und überall tauchen Zeitspar-Parolen auf.

Momo und ihre Freunde suchen nach Gründen, warum die Welt um sie herum so kalt geworden ist. Die Kinder kommen mit langweiligem Spielzeug und suchen Unterschlupf bei Momo. Sie erz�hlen, da� ihre Eltern keine Zeit mehr für sie haben. Gigi berichtet von Fusi, der nerv�s und freudlos geworden ist, wie so viele andere auch.

Momo sucht daraufhin Nicola auf, der mittlerweile die neuen H�user baut. Nachdem er erst Momo von seinem Tun überzeugen will, beichtet er ihr, da� er es nicht ertragen kann, seelenlose H�user zu bauen; er ist nicht mehr stolz auf seine Arbeit. Nicola verspricht Momo sie zu besuchen, erscheint jedoch nicht.

Momo besucht auch Nino, der sich mit seiner Frau Lilian über drei alte M�nner streitet, die Nino nicht mehr in seinem Lokal haben m�chte, da sie kein Geld einbringen. Seine Frau findet dies herzlos, schlie�lich gibt Nino jedoch zu, da� ihm sein Lokal nun kalt erscheint, und bittet die drei M�nner wiederzukommen.

Nino und Lilian besuchen Momo wieder, wie einige andere Freunde auch.

Momo erh�lt ebenfalls Besuch der grauen Herren; sie findet im Amphitheater die Puppe Bibigirl, mit der sie jedoch nicht spielen kann, da diese nur drei zusammenhanglose S�tze sprechen kann. Momo empfindet zum erstenmal Langeweile. Ein grauer Herr erscheint und gibt Momo Kleider und andere Luxusgegenst�nde für die Puppe. Er versucht Momo davon zu überzeugen, da� sie ihre Freunde nicht mehr braucht und bem�ht sich sie zum Zeitsparen zu bewegen. Als Momo ihn fragt, ob ihn denn niemand lieb habe und ihm angestrengt zuh�rt, erz�hlt er pl�tzlich vom Dasein der grauen Herren, und wie diese versuchen unerkannt an die Zeit der Menschen zu gelangen, von der sie existieren. Entsetzt von seinem Ausbruch, verschwindet der Zeitagent. Er fleht Momo an, ihn zu vergessen.

Momo berichtet Beppo und Gigi von den grauen Herren. Sie beraten, wie sie die Menschen von deren Anwesenheit überzeugen k�nnen und berufen eine Versammlung ein. Sie beschlie�en eine Kinder-Demonstration zu veranstalten, bei der sie alle Erwachsenen ins Amphitheater einladen wollen, um sie aufzukl�ren.

Obwohl hunderte von Kindern demonstrierten, war kein Erwachsener ins Amphitheater gekommen. Die Zeitagenten sorgten dafür, da� keiner die Demonstration wahrnahm. Am Abend gehen die Kinder entt�uscht nach Hause, ebenso Gigi und Beppo, da beide noch arbeiten müssen.

Auf der M�llhalde, wo Beppo arbeitet, belauscht dieser eine Richterkonferenz der grauen Herren, bei der es um den Agenten geht, welcher Momo besuchte. Der Agent wird des Hochverrats beschuldigt, da er eines der wichtigsten Geheimnisse der grauen Herren verraten hat. Sie vernichten ihn, indem sie ihm seine Zigarre entziehen.

W�hrenddessen erh�lt Momo Besuch von der Schildkr�te Kassiopeia, die sich ihr verst�ndlich macht durch Buchstaben, welche auf ihrem Panzer erscheinen. Kassiopeia bittet Momo ihr zu folgen.

In der Zwischenzeit sucht Beppo verzweifelt nach Momo, in der Annahme, die grauen Herren haben sie entf�hrt. Als Beppo Gigi aufsucht, bem�ht sich dieser ihn, trotz seiner eigenen Angst zu beruhigen. Auch die grauen Herren suchen Momo, doch finden sie die von Kassiopeia Gef�hrte nicht. Momo ahnt nichts von den Verfolgern. Kassiopeia leitet Momo durch einen seltsamen Stadtteil, der die Eigenschaft hat, da� sie um so schneller vorw�rts kommen, je langsamer sie gehen. Die Verfolger, die Momo inzwischen entdeckt haben, begreifen dieses Prinzip nicht und fallen Zurück. Momo und Kassiopeia gelangen in die Niemals-Gasse, dort müssen sie r�ckw�rts gehen, um ins Nirgend-Haus zu gelangen. Auf einer T�r des Hauses liest Momo die Inschrift: "Meister Secundus Minutius Hora".

Nach Abbruch der Verfolgung sind s�mtliche graue Herren zu einer Versammlung zusammengetreten.

Sie beraten über die erfolglose Suche nach Momo. Ein Redner erkennt, da� Momo von Meister Hora geholfen wurde. Sie planen mit Hilfe von Momo zu Meister Hora zu gelangen, indem sie ihr Beppo und Gigi entziehen, um durch die so entstandene Einsamkeit Momo zu gewinnen.

Momo ist bei Meister Hora in einem riesigen Saal voller Uhren angelangt. Sie fr�hst�ckt mit ihm und er ver�ndert im Laufe der Unterhaltung sein Alter und seine Kleidung. Er berichtet ihr, da� die grauen Herren sie suchen, da sie sich diese zu Todfeinden gemacht habe und gibt ihr sp�ter ein R�tsel auf, welches ihr verdeutlicht, was Zeit bedeutet. Meister Hora, der Zeitverwalter, bringt Momo zu den Stundenblumen in ihrem eigenen Herzen. Sie m�chte daraufhin ihren Freunden von diesen Stundenblumen und deren Musik erz�hlen, doch Meister Hora sagt ihr, da� die Worte erst in ihr wachsen m��ten. Daraufhin f�llt Momo in einen tiefen Schlaf, der, ohne da� sie es ahnte, ein Jahr dauerte. Sie erwacht im Amphitheater. Kassiopeia ist bei ihr, die ihr erkl�rt, da� sie auf ihren eigenen Wunsch hin Zurückgekehrt ist.

In diesem Jahr ist Gigi durch das Wirken der grauen Herren ein ber�hmter Geschichtenerz�hler geworden. Doch ohne Momo gehen ihm die Ideen aus, so da� er beginnt Geschichten zu wiederholen, und auch die nur für Momo bestimmten preisgibt. Als er sich entschlie�t, den Menschen von den Zeitagenten zu erz�hlen, erh�lt er einen Anruf von diesen, in welchem sie ihm erkl�ren, da� sie für seinen Erfolg verantwortlich sind und ihm diesen auch wieder nehmen k�nnen. Gigi beh�lt daraufhin die Wahrheit über die grauen Herren für sich, f�hlt sich jedoch unwohl dabei.

Beppo versucht, wie anfangs auch Gigi, Momo zu finden. Er sucht mehrere Polizeistationen auf, wo er versucht von den grauen Herren zu erz�hlen, aber keiner glaubt ihm. Schlie�lich lassen ihn die Polizisten in eine Anstalt einweisen. Dort besuchen ihn die Zeitagenten, die ihm berichten, sie h�tten Momo in ihrer Gewalt und er k�nne sie durch ein L�segeld von hunderttausend Stunden einl�sen. Beppo geht darauf ein und kehrt von nun an entgegen seiner Auffassung sehr hastig.

Um die Kinder von Momo fernzuhalten, manipulieren die grauen Herren die Erwachsenen solange, bis diese Kinder-Depots einrichten, wo die Kinder nur N�tzliches spielen k�nnen. Auf der Stra�e d�rfen sie sich nun nicht mehr aufhalten. Dadurch verändern sie sich ebenfalls und werden verdrossen, gelangweilt und feindselig.

Momo begreift langsam, da� sie lange fort war. Als sie traurig in das Amphitheater Zurückkehrt, findet sie dort einen Brief von Gigi, in dem er sie bittet zu ihm zu kommen und auf seine Kosten bei Nino zu essen.

Aufgrunddessen sucht Momo Nino auf, aus dessen Lokal nun ein Schnellrestaurant geworden ist. Zwischen den dr�ngenden Leuten gelingt es Momo kaum mit Nino zu sprechen. Sie erf�hrt, da� Gigi ber�hmt geworden ist und in einer vornehmen Gegend wohnt. Von Beppo h�rt sie, da� dieser kurzzeitig in einem Sanatorium war, aber wieder entlassen wurde. Au�erdem erf�hrt sie, da� für die Kinder die Depots errichtet wurden. Momo und Kassiopeia suchen daraufhin Gigis Haus. Doch als dieser kommt, ist er v�llig abgehetzt. Sie haben kaum Gelegenheit miteinander zu sprechen, da ein Streit ausbricht, zwischen Gigi und seiner Agentin, die Momo gern für Gigi vermarkten m�chte. Er bittet Momo zu ihm zu ziehen, doch Momo lehnt ab.

Bei all dem hat Momo Kassiopeia vergessen. Sie kehrt ins Amphitheater Zurück und sucht erfolglos Beppo und Kassiopeia.

Eines Tages begegnet Momo in der Stadt einigen Kinder-Freunden, die von ihrem Dasein im Depot erz�hlen. In ihrer Einsamkeit ist Momo bereit ihnen zu folgen, doch die grauen Herren verhindern dies. Sie erz�hlen Momo, da� alles geplant war und sie, wenn sie ihnen hilft, ihre Freunde Zurückerh�lt. Sie vereinbaren ein Treffen um Mitternacht. Erst versucht Momo dem Treffen zu entgehen und irrt durch die Stadt. Als sie sich anders besinnt, findet sie sich auf einem leeren Platz wieder und ruft die grauen Herren, die auch erscheinen. Sie m�chten, da� Momo sie zu Meister Hora f�hrt, doch sie weigert sich. Dabei erw�hnt sie Kassiopeia und die grauen Herren begeben sich sofort auf die Suche nach dieser. �ngstlich bleibt Momo Zurück. Doch pl�tzlich taucht Kassiopeia auf, die Momo erneut zu Meister Hora f�hrt. Diesmal jedoch folgen die grauen Herren ihnen unbemerkt. Als sie die Niemals-Gasse erreichen und Momo sich umwendet, um wieder r�ckw�rts zu gehen, entdeckt sie die Verfolger, die sich jedoch, sobald sie die Niemals-Gasse betreten, in Nichts aufl�sen. Momo gelangt sicher in das Nirgend-Haus.

Bei Meister Hora blickt Momo durch die Allsicht-Brille und erkennt die grauen Herren, die das Haus umstellen. Sie versuchen Meister Hora mit dem Rauch ihrer Zigarren unter Druck zu setzen, da dieser die Zeit der Menschen vergiftet. Meister Hora entwickelt einen Plan. Er gibt Momo eine Stundenblume und h�lt die Zeit an, indem er sich schlafen legt. Mit Hilfe dieser Stundenblume bleibt Momo eine Stunde Zeit, das Zeitdepot der grauen Herren zu entdecken und die geraubte Zeit zu befreien. Kassiopeia begleitet sie.

Die grauen Herren dringen in das Nirgend-Haus ein und entdecken, da� Meister Hora die Zeit abgestellt hat. Entsetzt st�rzen sie Zurück zu ihrem Depot, wobei sie sich gr��tenteils selber vernichten, indem sie sich gegenseitig ihre Zigarren entrei�en.

In der Stadt ist alles leblos. Momo verfolgt die Zeitagenten bis zu einer Baugrube. Dort sieht sie Nicola, der auf ein Rohr zeigt und schl�pft kurzerhand hinein. Sie entdeckt die grauen Herren an einem Tisch in einem unterirdischen Gew�lbe, wo sie beraten, was zu tun ist. Sie losen aus, wem sie aus taktischer überlegung (weniger graue Herren k�nnen mit dem Vorrat länger auskommen ) die Zigarren entziehen. Momo schlie�t mit Hilfe der Stundenblume die T�r zum Depot, woraufhin die grauen Herren versuchen, ihr die Stundenblume zu entrei�en. In ihrer Gier verlieren sie ihre Zigarren und l�sen sich in Nichts auf. In einem Sturm fliegen die befreiten Stundenblumen in die erstarrte Stadt und kehren in die Herzen der Menschen Zurück. Die Zeit beginnt erneut. Momo wird mitgewirbelt und erwacht bei Beppo, der glaubt, sie erl�st zu haben.

Pl�tzlich haben alle Menschen wieder Zeit zum plaudern und spielen. Alle Freunde treffen sich im Amphitheater. Sie veranstalten ein Fest und lauschen Momos Ges�ngen.

Erl�uterungen

Momo, ein kleines M�dchen, das anders ist als alle Kinder in irgendeiner Stadt, f�hrt uns durch dieses Buch, um uns zu verdeutlichen, was Zeit, in ihrem Haben und Nicht-Haben, bedeutet.

Da� sie anders ist, ohne Konventionen, fast zigeunerhaft, hilft dem Leser von jeglicher Identifikation mit Momo abzusehen. Dies f�hrt dazu, da� der Leser sich in den Einwohnern des Stadtteils wiederfindet, in dessen N�he Momo im Amphitheater haust. Denn deren Leben gleicht wesentlich mehr dem, das wir f�hren.

So wird uns verdeutlicht, wie wir mit unserer Zeit umgehen, wenn wir Fusi, den Friseur, betrachten, vor und nach seiner Begegnung mit den grauen Herren. Denn vor dieser Begegnung war er ein geselliger Mensch, der sich für jeden seiner Kunden ausgiebig Zeit nahm, seiner behinderten Mutter zur Hand ging und viele Freundschaften pflegte. Diese Werte, die sein Leben ausmachten, �nderten sich nach dem Besuch des Zeitagenten. Fusi wird m�rrisch, freudlos und gehetzt. Er hat somit die Wertvorstellungen der grauen Herren übernommen, die ihm vermitteln, es sei das einzige Lebensziel, es zu etwas zu bringen, etwas zu werden, etwas zu haben und das alles andere, wie Freundschaft, Liebe, Ehre einem zufallen.

Denn �hnelt unser Leben nicht auch immer mehr dem der Zeitsparer? Schnellrestaurants, gleichartige Stra�en und moderne Bauten sind uns auch nicht unbekannt.

Gleich dem Leben, das die Kinder nach der Ver�nderung ihrer Eltern f�hren, stellt sich auch das der heute Lebenden dar. In Kinderg�rten, Heimen oder unter Aufsicht eines Betreuers, verbringen sie die Zeit, die ihre Eltern nicht für sie er�brigen k�nnen. Auch sie spielen und besch�ftigen sich h�ufig mit Unmengen von modernem Spielzeug, das keine möglichkeit bietet, Kreativit�t in ihnen zu entwickeln. Oft werden einfach nur Filme, Comicerz�hlungen oder H�rspiele nachgespielt. Auch steht hier das moderne Spielzeug oft im Zeichen der N�tzlichkeit. So lehren uns zum Beispiel Barbiepuppen schon fr�h, unser Rollenverhalten wahrzunehmen. Denn sind sie nicht Bibigirl t�uschend �hnlich? Wecken sie nicht in den Kindern das Verlangen nach Luxus und Konsum?

All diese Kriterien unsere modernen Gesellschaft hat Momo nicht an sich. In einer Ruine lebend, ohne fürsorge durch Eltern oder �mter, mit ihrer abgetragenen Kleidung und ihrem unfrisierten Lockenkopf, widerspricht sie all dem, was die Normen unsere Gesellschaft als "lebensnotwendig" vorschreiben.

Die herausragendste Eigenschaft Momos ist die des Zuh�rens. Sie h�rt auf eine so besondere Art zu, da� Menschen, die ihr von sich und ihren Problemen erz�hlen, diese allein durch ihr Sprechen darüber selbst l�sen. Dieser therapeutische Effekt des Zuh�rens wird besonders deutlich beim Streit zwischen Nino und Nicola. Dieses selbstlose Geh�rschenken ist eine Eigenschaft, die in der heutigen Zeit mehr und mehr schwindet. Nicht umsonst gewinnt der Beruf des Therapeuten an Bedeutung. Das Zuh�ren ist somit notwendigerweise zum Beruf geworden.

Beim Lesen erschlie�t sich die Bedeutung des Zuh�rens noch auf einer anderen Ebene; Momo verdeutlicht uns, wie wichtig es ist, Freunde zu haben, mit denen man seine Zeit teilen kann. Denn das Leben wird freudlos, wenn wir Liebhaben und Geliebtwerden nicht als elementare Aspekte unseres Lebens betrachten.

Zuh�ren scheint sich immer h�ufiger auf oberfl�chliche Unterhaltungen zu beschr�nken, die so wichtig geworden sind, da man Stille immer weniger ertragen kann. Denn tritt Stille einmal auf, erliegen wir dem Zwang uns mit Medien abzulenken. Wir verdr�ngen somit die möglichkeit, uns in Ruhe mit unserem Dasein zu besch�ftigen. In diesem Zusammenhang geht ENDE auf die Angst der Menschen vor dem Tod ein, die es den grauen Herren ermöglicht, überhaupt Einflu� auf die Menschen zu nehmen.

"Wenn die Menschen w��ten, was der Tod ist, dann h�tten sie keine Angst mehr vor ihm. Und wenn sie keine Angst mehr vor ihm h�tten, dann k�nnte niemand mehr ihnen die Lebenszeit stehlen." ( S. 154 )

Momo ist in ENDEs Werk, wohl aufgrund all ihrer besonderen Eigenschaften, die einzige, die den Machenschaften der grauen Herren nicht erliegt. Kinder müssen sich der Macht der Erwachsenen beugen. Sie müssen sich f�gen, da die Erwachsenen verlernt haben zuzuh�ren. Sie haben verlernt, die Alarmrufe der Kinder ernstzunehmen, da ihr berufliches Vorw�rtskommen in den Vordergrund gelangt.

Es geht ihnen immer mehr darum, ihre Kinder besch�ftigt zu wissen ( Kinder-Depots ), und so ihrem eigenen Leben nachzugehen. Die Belange, Neigungen und Sehns�chte der Kinder, treten in den Hintergrund. So lernen Kinder fr�h das Rollenverhalten des Zeitsparers kennen, um sp�ter danach zu leben. Schon in fr�hen Jahren ist ihr Leben einem strengen Zeitplan unterworfen.

Auch Gigi stellt einen Typ unserer Gesellschaft dar, der dem Zwang der herrschenden Normen unterliegt. Der "Taugenichts" Gigi hat die ausgepr�gte Begabung , Geschichten zu erz�hlen, aus denen er sich auch finanziert. Anfangs jedoch geschieht dies aufgrund von Kreativit�t. Im Verlauf der Geschichte, nach dem Wirken der grauen Herren, eher krampfhaft und weniger ideenreich. Er ist sogar gezwungen, Geschichten in abgewandelter Form erneut zu erz�hlen, was den Menschen jedoch nicht auff�llt. Ist er anfangs fr�hlich, sorglos und unbeschwert, so entwickelt er sich, als er ber�hmt wird, zu einem abgehetzten, konsumorientierten Zeitgenossen, der, da er die Existenz der grauen Herren verschweigen mu�, auch die Achtung vor sich selbst verliert; er droht zu einer profillosen Pers�nlichkeit zu werden. Auch Beppo Stra�enkehrer ist zur Unehrlichkeit gezwungen, weil er die Wahrheit über die Zeitagenten verleugnen mu�. Dieses widerspricht v�llig seiner Lebensauffassung.

Momo schafft es jedoch mit Hilfe von Kassiopeia und Meister Hora, ihren Freunden, und somit allen Menschen, das Lebensgef�hl Zurückzubringen. Ein zentraler Satz in ENDEs Werk ist:

" Denn Zeit ist Leben und das Leben wohnt im Herzen." ( S. 72 )

Wir haben es verlernt, der Stimme unseres Herzens zu lauschen, die uns sicherlich ermahnt, uns mehr Zeit zu nehmen.

Die Frage, was Zeit ist und woher sie kommt, hat die Menschen seit jeher stark besch�ftigt. ENDE findet dafür eine symboltr�chtige Erkl�rung.

Meister Hora, der Zeitverwalter, teilt jedem Menschen seine Zeit zu. Was die Menschen damit anfangen, liegt au�erhalb seiner Verantwortung. Seine Existenz in der Niemals-Gasse und im Nirgend-Haus geben ihm eine Omnipr�senz, da er niemals auffindbar ist und nirgends existiert. In seinem Haus, in dem sich viele Uhren befinden, die die Zeit schlechthin symbolisieren, lebt er schlaflos und betrachtet durch seine goldene Allsicht-Brille die Welt. Der Aspekt des Goldes tritt hier sehr stark auf. Fast alle Gegenst�nde bestehen aus Gold, die niemals herrunterbrennenden Kerzen spenden goldenes Licht, was bedeutet, da� alles um Meister Hora herum unverg�nglich und wertvoll ist. Sein �lter- und J�ngerwerden und das zaubernde Wechseln seiner Kleidung verdeutlichen um so mehr, da� er Herr über die Zeit ist.

Als er Momo in ihr eigenes Herz f�hrt, um sie die Stundenblumen sehen zu lassen, erscheint er als alter Mann. Momo sieht nun, wo ihre Zeit herkommt. Sie findet sich in einer riesigen, goldenen Kuppel wieder, in deren Mitte sich eine Lichts�ule befindet, an der ein gro�es Pendel rhythmisch hin und her schwingt. Aus dieser Lichts�ule t�nt die Musik, welche Momo oft in der Stille des Amphitheaters wahrgenommen hat. Unter dem Pendel liegt ein kreisrunder Teich, in dem die Stundenblumen wachsen und wieder verbl�hen.

Diese Beschreibung hat ENDE mit Symbolen versehen. Der Teich tritt hier als Wasser des Lebens auf, und auch die Lichts�ule birgt die lebenspendende Kraft der Sonne in sich. Ebenso symbolisiert das Wachsen und Vergehen der Stundenblumen das Entstehen und die Verg�nglichkeit des Lebens, im Gegensatz zu dem Aspekt des Goldes, von dem Meister Hora umgeben ist, welches Unverg�nglichkeit anzeigt. Jede Stundenblume erscheint als einzigartig sch�n, was deutlich macht, das jede Stunde eines Menschenlebens einzigartig ist und das Bewu�tsein hierfür will uns ENDE vermitteln.

Momo verl��t diese St�tte gest�rkt durch den fortw�hrenden Klang der Musik, die in ihr ist.

Im krassen Gegensatz zu der obengenannten Beschreibung, steht die der grauen Herren, welche ihr Dasein aus den geraubten Stundenblumen fristen, die sie mit Hilfe ihrer K�lte einfrieren. Sie leben folglich von toter Zeit. Dies wird durch ihre graugekleidete Gestalt, ihre aschengrauen Gesichter und ihre aschenfarbenen Stimmen gekennzeichnet. Sie wirken fahl, farblos und sind nicht voneinander zu unterscheiden. Die getrockneten Stundenblumen drehen sie zu Zigarren, die sie rauchen, auf diese Weise verbrauchen sie Zeit der Menschen. Diese Stundenblumen sind zugleich ihre Macht und Ohnmacht.

Auf der einen Seite sind sie abh�ngig von ihnen und k�nnen ohne sie nicht existieren, aber sie verleihen ihnen andererseits die Macht mit dem Rauch ihrer Zigarren, die Zeit der Menschen zu vergiften, so da� diesen die Gefahr, droht an einer t�dlichen Langeweile zu erkranken. Die Zeitagenten sind aus dem Nichts entstanden, und in dieses kehren sie auch Zurück, wenn man ihnen ihren Zeitvorrat entzieht. Ein Vorgehen gegen sie ist aber nur dann möglich, wenn die Menschen sich ihrer bewu�t werden, solange sie unerkannt wirken ist ihre Macht ungebrochen. Sie sind nur entstanden, weil die Menschen ihnen die möglichkeit dazu gegeben haben.

Die Menschen übernehmen im Verlauf der Geschichte immer mehr die Wertvorstellungen der grauen Herren. So stehen Streben nach Erfolg und Leistung im Vordergrund und das Pflegen von Freundschaften tritt hinter diesem Karrierebewu�tsein Zurück. Das Fehlen der urspr�nglichen Werte wird durch materielles Denken verdr�ngt. Das Motto der grauen Herren, da� L�gen Berufsgewohnheit ist, beziehen die Menschen immer �fter auf sich selbst. Dieses wird deutlich an dem Beispiel von Nicola, der zu Beginn des Gespr�ches mit Momo noch versucht, sich selbst zu bel�gen, indem er sich vormacht, da� er mit seiner Arbeit gl�cklich ist. Im Verlauf des Gespr�chs gesteht er jedoch die Wahrheit über die Seelensilos, wie er sie wirklich empfindet. Aber auch die Ehrlichkeit zu sich selbst gelingt ihm nur in Momos Anwesenheit, ohne sie erh�lt er seine Lebensl�ge aufrecht und gestattet sich keinen Gedanken an die Wahrheit.

Die wahre Macht der grauen Herren liegt in ihrem unauff�lligen Wirken, sobald sich die Menschen bewu�t werden, was mit ihnen geschieht, k�nnen sie den Kampf aufnehmen und die grauen Herren ins Nichts Zurücksenden, wo sie herkamen.

Dadurch, da� uns beim Lesen jegliche Identifikations möglichkeit mit Momo fehlt, finden wir uns eher in den Bewohnern der Stadt wieder. ENDE versucht uns mit Momos Hilfe bewu�t zu machen, was uns entgeht, wenn wir uns nicht die Zeit nehmen, uns in Ruhe mit uns selbst zu besch�ftigen, und somit festzustellen, was uns wertvoll ist. Diese Ziele sollten wir, auch in der Schnelllebigkeit unserer Zeit, nicht aus den Augen verlieren.

Diese Werte, die das Leben lebenswert machen, macht uns ENDE deutlich, indem er sie Momo uns vorleben l��t. Das Zentrale in Momos Leben sind Freunde und das Wichtigste für sie ist es, ihre Zeit mit ihren Freunden zu teilen. Um es mit Momos Worten auszudr�cken, "liebhaben" ist der Lebenszweck.

Im Nachwort zu Momo, sagt ENDE aus, das ihm die Geschichte selbst von jemand anderem erz�hlt wurde. Diesem Jemand spricht er Eigenschaften des Meister Hora zu, da er davon spricht, da� dieser scheinbar sein Alter ver�ndert und die Geschichte als vergangen wiedergibt, obwohl er sie, nach seiner Aussage, auch als zuk�nftiges Ereignis h�tte schildern k�nnen.

Durch diesen zeitlosen Aspekt, den er der Erz�hlung beimi�t, bietet sie immerw�hrende Aktualit�t.

Verfasser: © Carmen Bremen, 1996