Wissen Qualitative Sozialforschung |
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| Wissenschaft und Forschung |
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Zusammenfassung der Artikel
„Der vorkonstruierte und bereits interpretativ aufgeladene Charakter der Sozialwelt bringt es mit sich, daß Sozialforscher wie Laien auf den gleichen Wissensstand zurückgreifen und ihre Erkenntnisse aus den gleichen Quellen schöpfen. Soziologische Begriffe beruhen auf dem laienhaften Vorverständnis der Alltagsbegriffe, weshalb Sprache als Medium und Voraussetzung von Interaktion im Mittelpunkt steht.“[64] Publikationen über qualitative Sozialforschung beschäftigen sich überwiegend mit den Verfahrensweisen der Datenerhebung- und auswertung. Dies liegt sicherlich darin begründet, daß, auch aufgrund der Vielfalt der Methoden, ein großer Bedarf an Übersichten und Anleitungen besteht. In den Hintergrund gerät dabei die theoretische und vor allem die philosophische Basis, aus der sich die Konzeption des qualitativen Paradigmas begründet. Einer der Leitgedanken der Hermeneutik ist die unbedingte Option, daß Verstehen möglich ist. Qualitative Forschung muß daher von der Möglichkeit des Verstehens ausgehen. Die Betrachtung der hermeneutischen Lehre ist insofern wichtig, als daß sie die Grundgedanken und -ziele der Forschung beinhaltet. Eine Rückbesinnung auf den philosophischen Ursprung bedeutet, reflexiv mit den Forschungsprozessen umzugehen oder auch nur eine gewisse Inspiration zu erhalten. Die Option des Verstehens ist nicht minder wichtig als das Beobachten und Erklären. Zu Beginn wurde die Behauptung aufgestellt, daß qualitative Verfahren nicht nur eine Berechtigung, sondern auch eine Notwengikeit besitzen. Betrachtet man die vorangegengenen Ausührungen, so erschließt sich die Notwendigkeit für ein solches Paradigma vor allem in den Begriffen Ganzheitlichkeit und Intersubjektivität. Dies sind zwei Aspekte, die bis dato in der wissenschaftlichen Forschung fast nonexistent waren. Empirische Forschung setzte ihren Fokus eher auf einen eine erfaßbare Exaktheit, einen repräsentativen Aspekt. Dabei war die Forderung nach Objektivität und mathematischer Gewißheit oberstes Gebot. Sozialwissenschaft gilt als Wissenschaft von der Veränderung des Menschen und seiner gesellschaftlichen Verhältnisse in der Zeit. Historisch-hermeneutische Verfahren müssen dabei mit sozialwissensschaftlich-analy-tischen Forschungsinstrumentarien verknüpft werden. Ein solches Verfahren stellt Qualitative Forschung dar. Einflüsse des Forschers und des Erhebungsinstruments müssen zwar weitgehendst ausgeschaltet werden, doch verlangt qualitative Erforschung der Lebenswelten Intersubjektivität, die Involviertheit des Forschers Vorautssetzung ist für den Forschungsprozeß. Das quantitative Paradigma mit seiner stringenten Herleitung von Hypothesen aus Thorien und deren statistischer Prüfung hat den Aspekt der Hypothesengewinnung ebenso systematisch vernachlässigt, wie die Bedeutung des Einmalig-Besonderen in Relation zum Statistisch-Allgemeinen. Das
Interesse der Gesellschaft hat sich gewandelt. Im Zusammenhang mit gesamtgesellschaflichen,
politischen und ökonomischen Veränderungen stehen geschichtliche Prozesse im
Fokus des Aufmerksamkeit und nicht mehr nur eine
Momentaufnahme. Dies bezieht sich sowohl auf die Geschichte eines Staates oder
einer Kultur, wie auf die Geschichte von einzelnen Gruppen oder Menschen. Die
Geschichtswissenschaft hat sich lange lediglich an Politik- und
Staatsgeschichte orientiert. Gesellschaftliche Klassen-, Schicht-, oder Gruppenstrukturen
wurden nur am Rande behandelt oder als Bedingung für die Entwicklung der
Staatsgeschichte. Erst nach 1945 konnte sich dies neu gestalten. Es änderte
sich das Selbstverständnis und das Interesse. Entstanden ist dies durch das
Bemühen die eigene Beteiligung und die Ursachen am Nationalsozialismus und
dessen Folgen herauszukristallisieren. Geschichte wird nun als Sozialgeschichte
bezeichnet. Dies bedeutet eine Umorientierung hinsichtlich des wissenschaftlichen
Fokusses, der sich bis dato primär auf Staatsgeschichte richtete und sich
nunmehr dem Kollektiv (Verhältnisse,
Zustände, Bedingungsfelder, Entwicklungsprozesse) zuwendet. Sozialgeschichte hat nunmehr die Chance sich
als Bereich und nicht als Randbereich der Geschichtswissenschaft oder
Wirtschaftsgeschichte zu manifestieren. Geschichte wird nicht mehr in Auszügen,
sondern in ihrer Gesamtheit betrachtet. Dazu sind Langzeitstudien notwendig, um
generalisierbare und charakterisierende Aussagen machen zu können.
„Jede Wissenschaft beschäftigt sich vor
allem mit zwei Tätigkeiten: mit dem Entdecken und dem Erklären. Nach der ersten
dieser Tätigkeiten beurteilen wir, ob wir es mit einer Wissenschaft zu tun
haben, nach der zweiten wie erfolgreich eine Wissenschaft ist.“
G.C. HOMANS
Fussnoten [1] K. Treumann: Zum Verhältnis von qualitativer und quantitativer Forschung. Mit einem Ausblick auf neuere Jugendstudien. In: HEITMEYER, W. (Hrsg.): Interdisziplinäre Jugendforschung. Weinheim; München: Juventa-Verlag, 1986, S.199 [2] K. Treumann: Zum Verhältnis von qualitativer und quantitativer Forschung. Mit einem Ausblick auf neuere Jugendstudien. In: HEITMEYER, W. (Hrsg.): Interdisziplinäre Jugendforschung. Weinheim; München 1986 [3] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988; S. 32ff [4] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988, S.32 [5] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 15 [6] Kunzmann/Burkard/Wiedmann: dtv-Atlas zur Philosophie, München 1991, S.99 [7] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 16 [8] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 18 [9] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S. 117 [10] Kunzmann/Burkard/Wiedmann: dtv-Atlas zur Philosophie, München 1991, S.193 [11] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S. 119 [12] F. Banki: Wege der pädagogischen Forschung. Bad Heilbrunn/Obb. 1979, S.22 [13] F. Banki: Wege der pädagogischen Forschung. Bad Heilbrunn/Obb. 1979, S.23 [14] F. Banki: Wege der pädagogischen Forschung. Bad Heilbrunn/Obb. 1979, S.29 [15] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 23 [16] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S.109 <[17] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S.108 [18] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.58 [19] Treibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart.Opladen 1994, S. 112 [20] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S.114 [21] H. Garfinkel: Studien über die Routinegrundlagen von Alltagshandeln. In: H. Steinert (Hg.): Symbolische Interaktion. Arbeiten zu einer reflexiven Soziologie. Stuttgart 1973, S. 290 [22] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 22 [23] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 23 [24] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 26 [25] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988 [26] W. Wolf: Qualitative versus quantitative Forschung. In: E. König, P. Zedler (Hg.): Bilanz qualitativer Forschung. Bd I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 309-329 [27] Vgl. S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988 [28] W. Wolf: Qualitative versus quantitative Forschung. In: E. König, P. Zedler (Hg.): Bilanz qualitativer Forschung. Bd I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 315 [29] aus: K. Treumann: Zum Verhältnis von qualitativer und quantitativer Forschung. Mit einem Ausblick auf neuere Jugendstudien. In: HEITMEYER, W. (Hrsg.): Interdisziplinäre Jugendforschung. Weinheim; München: Juventa-Verlag, 1986 [30] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988 [31] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1 Methodologie. Weinheim 1988, S.21 [32] B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.33ff [33] E.König u. A. Bentler: Arbeitsschritte im qualitativen Forschungsprozeß - ein Leitfaden. In: B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.90 [34] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 118 [35] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 118 [36] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 138 [37] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 431 [38] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 121 [39] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 147 [40] P. Atteslander: Methoden empirischer Sozialforschung. Berlin; New York 1984, S.145 [41] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 434 [42] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 433 [43] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 441 [44] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 163 [45] P. Atteslander: Methoden empirischer Sozialforschung. Berlin; New York 1984, S.84 [46] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 190 [47] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 189ff [48] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 202 [49] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.212 [50] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.220 [51] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.226/27 [52] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.231 [53] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.248 [54] K.-E. Rogge (Hg.): Methodenatlas. Berlin Heidelberg 1995, S.143 [55] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 255 [56] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.280 [57] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.283 [58] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.285 [59] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 287 [60] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988; S. 32ff [61] B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.36 [62] B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.36 [63] H. Weishaupt: Qualitative Forschung als Forschungstradition. Eine Analyse von Projektbeschreibungen der Forschungsdokumentation Sozialwissenschaften (FORIS). In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 75ff [64] H-P. Müller: Sozialstruktur und Lebensstile. Der neuere theoretische Diskurs über soziale Ungleichheit. Frankfurt/M 1993, S.159 |











