Wissen Qualitative Sozialforschung |
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| Wissenschaft und Forschung |
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Historischer Kontext
Die Tradition, die der qualitativen Forschung zu Grunde liegt, ist zurückzuführen auf die Zeit der Renaissance. Die wissenschaftlich-geistige Haltung dieser Zeit ist die des Humanismus. Der Humanismus verfolgte das Bestreben um Humanität. Durch Erziehung und Bildung sollte das Leben des Menschen und auch die Gesellschaft neu gestaltet werden und zwar im Sinne der antiken humanitas. Entfaltung und Individualisierung des Menschen, Menschenwürde und freie Persönlichkeitsentfaltung wird als das Ziel der Menschlichkeit angesehen. Erforderlich dazu ist die Schaffung der dafür notwendigen Lebens- und Umweltbedingungen. Humanismus kann demnach als Bildungsbewegung verstanden werden. „Die Humanisten des 16. Jahrhunderts waren ebenso gewiß die Begründer der modernen Geisteswissenschaften, wie die Naturphilosophen des 17. Jahrhunderts die Begründer der modernen Naturwissenschaft und Philosophie waren.“ [5] Als Begründer des Humanismus gilt F. PETRARCA (1304-74). Aufgrund der starren Universitätsbildung des Mittelalters, wandte sich PETRARCA den Werken der klassichen antiken Philosophie und Literatur zu. Aus der Beschäftigung mit der Literatur, Sprache und Wissenschaft (Quellenstudien) der Griechen und Römer fand eine Wiederbelebung des antiken Gedankenguts statt, welches den Einzelmenschen aus den festen Gesellschaftsformen des Mittelalters herauslösen und im Sinne der Menschlichkeit, der Individualität und Entfaltung neu bilden sollte. „Das Ideal des Humanismus ist der uomo universale, der über den Ständen stehende Mench, der in der Erweiterung seiner Kenntnisse seine Bestimmung als lernfähiges Wesen erfüllt.“ [6] Verdrängt und dominiert wurde der Humanismus vom Rationalismus, der mit der Epoche der Aufklärung im 17. Jh einsetzte. Dieser strebt nach der Eindeutigkeit der Darstellung, nach Gewißheit, Exaktheit und Logizität. Die Wissenschaft orientiert sich an dem Modell wissenschaflticher Erkenntnis. Ohne Berücksichtigung sozialer Zusammenhänge wird Wissen formalisiert und quantifiziert. Der Rationalismus folgt folgenden Annahmen: Wissenschaftlichkeit hat sich lange am Modell des Rationalismus und der naturwissenschaftlichen Erkenntnis orientiert. Lebensweltliche Relationen blieben unberücksichtigt. Möglich wurde dieser Prozeß durch die Reduktion der Erkenntnisvermittlung durch Gespräche. Statt dessen wurde Wissen mittels schriftlich dargelegten Beweisführungen weitergegeben. Des weiteren stand nicht mehr der Einzelfall im Mittelpunkt des Interesses, sondern vielmehr Massenerscheinungen, die verallgemeinbar und nachvollziehbar waren. Verallgemeinbarkeit spielte auch bei der Auswahl der Forschungsgegenstände eine Rolle. Wissenschaft sollte zeitlose Ergebnisse liefern, „d.h. die Verabschiedung des Praxisbezuges“. [7] Vor allem im 19. Jahrhundert widmete sich jedwede Wissenschaft der Empirie. Empirisierung ist in diesem Kontext das Schlagwort, welches besagt, daß nur die Wissenschaft als Realwissenschaft anerkannt wird, die empirisch und erkenntnisbezogen arbeitet. Methodische Exaktheit dominiert die wissenschaftliche Landschaft, das Subjekt verliert an Bedeutung. „Für die Sozialwissenschaften, die Psychologie und weite Teile der Philosophie entstand durch die Erfolge der Naturwissenschaften ein Anpassungsdruck, der kaum Raum für Alternativen ließ. Beharrten sie auf ganzheitlichen, eigenständigen (z.B. geisteswissenschaftlichen) Verfahren, geschah dies um den Preis des Herausfallens aus dem Kanon der ‘wirklichen’, d.h. empirischen Wissenschaften.“ [8] Die Relevanz der wissenschaftlichen Anerkennung ist demnach nicht zu unterschätzen. Der Versuch z.B. der Erziehungswissenschaften Anerkennung durch Empirisierung zu erlangen, bedeutet eine Abwendung von qualitativen Orientierungen, die den Sozialwissenschaften prinzipiell widersprechen dürfte. Dies wird deutlich durch die erneute, bzw. nicht aufgegebene Hinwendung zum Subjekt durch Strömungen, die am Anfang des 20. Jahrhunderts in Amerika eingeleitet wurden durch die Soziologen der Chicagoer Schule. Verfasser: © Carmen Wingenbach, 2000 Fussnoten [1] K. Treumann: Zum Verhältnis von qualitativer und quantitativer Forschung. Mit einem Ausblick auf neuere Jugendstudien. In: HEITMEYER, W. (Hrsg.): Interdisziplinäre Jugendforschung. Weinheim; München: Juventa-Verlag, 1986, S.199 [2] K. Treumann: Zum Verhältnis von qualitativer und quantitativer Forschung. Mit einem Ausblick auf neuere Jugendstudien. In: HEITMEYER, W. (Hrsg.): Interdisziplinäre Jugendforschung. Weinheim; München 1986 [3] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988; S. 32ff [4] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988, S.32 [5] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 15 [6] Kunzmann/Burkard/Wiedmann: dtv-Atlas zur Philosophie, München 1991, S.99 [7] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 16 [8] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 18 [9] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S. 117 [10] Kunzmann/Burkard/Wiedmann: dtv-Atlas zur Philosophie, München 1991, S.193 [11] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S. 119 [12] F. Banki: Wege der pädagogischen Forschung. Bad Heilbrunn/Obb. 1979, S.22 [13] F. Banki: Wege der pädagogischen Forschung. Bad Heilbrunn/Obb. 1979, S.23 [14] F. Banki: Wege der pädagogischen Forschung. Bad Heilbrunn/Obb. 1979, S.29 [15] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 23 [16] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S.109 <[17] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S.108 [18] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.58 [19] Treibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart.Opladen 1994, S. 112 [20] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S.114 [21] H. Garfinkel: Studien über die Routinegrundlagen von Alltagshandeln. In: H. Steinert (Hg.): Symbolische Interaktion. Arbeiten zu einer reflexiven Soziologie. Stuttgart 1973, S. 290 [22] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 22 [23] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 23 [24] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 26 [25] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988 [26] W. Wolf: Qualitative versus quantitative Forschung. In: E. König, P. Zedler (Hg.): Bilanz qualitativer Forschung. Bd I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 309-329 [27] Vgl. S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988 [28] W. Wolf: Qualitative versus quantitative Forschung. In: E. König, P. Zedler (Hg.): Bilanz qualitativer Forschung. Bd I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 315 [29] aus: K. Treumann: Zum Verhältnis von qualitativer und quantitativer Forschung. Mit einem Ausblick auf neuere Jugendstudien. In: HEITMEYER, W. (Hrsg.): Interdisziplinäre Jugendforschung. Weinheim; München: Juventa-Verlag, 1986 [30] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988 [31] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1 Methodologie. Weinheim 1988, S.21 [32] B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.33ff [33] E.König u. A. Bentler: Arbeitsschritte im qualitativen Forschungsprozeß - ein Leitfaden. In: B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.90 [34] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 118 [35] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 118 [36] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 138 [37] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 431 [38] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 121 [39] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 147 [40] P. Atteslander: Methoden empirischer Sozialforschung. Berlin; New York 1984, S.145 [41] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 434 [42] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 433 [43] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 441 [44] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 163 [45] P. Atteslander: Methoden empirischer Sozialforschung. Berlin; New York 1984, S.84 [46] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 190 [47] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 189ff [48] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 202 [49] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.212 [50] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.220 [51] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.226/27 [52] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.231 [53] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.248 [54] K.-E. Rogge (Hg.): Methodenatlas. Berlin Heidelberg 1995, S.143 [55] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 255 [56] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.280 [57] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.283 [58] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.285 [59] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 287 [60] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988; S. 32ff [61] B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.36 [62] B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.36 [63] H. Weishaupt: Qualitative Forschung als Forschungstradition. Eine Analyse von Projektbeschreibungen der Forschungsdokumentation Sozialwissenschaften (FORIS). In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 75ff [64] H-P. Müller: Sozialstruktur und Lebensstile. Der neuere theoretische Diskurs über soziale Ungleichheit. Frankfurt/M 1993, S.159 |











