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  Wissenschaft und Forschung

Die Re-Etablierung der qualitativen Forschung in Deutschland Drucken

Seit der Mitte der 60er Jahre konstituierten sich qualitative Forschungsansätze innerhalb der Sozialforschung und der Pädagogik. GARZ argumentiert in seinem Aufsatz, daß diese Re-Etablierung der qualitativ-empirischen Sozialforschung möglich geworden ist durch folgende Faktoren >[22]:

Die Opportunität, welche der Konstituierung der qualitativen Forschung zugrunde liegt, präsentiert sich in drei Dimensionen:

wissenschaftlich

Deutsche Soziologen stellten u.a. auf der Tübinger Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie 1961 die quantitativen Methoden in Frage „auf der Grundlage einer gesellschaftstheoretisch-gesellschaftskritischen Ausrichtung“. [23] Essenz ihrer Forderungen war, den Anspruch auf alleinige Gültigkeit von quantitativer Methodik zu hinterfragen und andere, qualitative Forschungsansätze zuzulassen. Unterstützung fanden sie durch die Vertreter des Kritischen Rationalismus.

gesellschaftlich

Die Studentenbewegung richtet sich in ihren Anfängen seit den 60er Jahren vor allem gegen schlechte Studienbedingungen. Daraus erwächst eine Revolte gegen politische und soziale Verhältnisse. In Deutschland organisieren sich Studenten und Jugendliche nach 1966 zur außerparlamentarische Opposition unter Führung des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes. Sie protestieren gegen vorherrschende Lebensformen und hinterfragen gesellschaftliche, politische und soziale Strukturen. Alltagshandlungen wurden hinterfragt.

theoretisch-methodisch

Anfang der 70er Jahre wurden qualitativ orientierte Schriften v.a. aus den USA in der Tradition des Symbolischen Interaktionismus publiziert. Die Konzentration (der wissenschaftstheoretischen und methodologischen Diskussion) auf qualitative Ansätze und Verfahren setzte ein und verhalf qualitativ-empirischen Verfahren zu einer Präsenz, die zu einer Akzeptanz qualitativer Forschungsprojekte führte. „Darüber hinaus kam es in der Pädagogik zu einer Vielzahl von Projekte, in deren Mittelpunkt die Handlungs- bzw. Aktionsforschung stand.“ [24]

Qualitative Forschungsmethoden können sich neben der tradierten quantitativen Forschung etablieren, da ein Bedarf be- bzw. entsteht. Auf die Ziele, die Methoden und die Theorie des qualitativen Paradigmas wirken staatliche, kulturelle, ökonomische und juristische Bedingungen ein, die eine Ausbreitung des Forschungsansatzes sowohl zu ermöglichen als auch zu verhindern befähigt sind. Die Publikationen über qualitative Sozialforschungen in den Vereinigten Staaten waren Wegbereiter für Veröffentlichungen in Deutschland. In erster Linie handelte es sich dabei um Texte, die das qualitative Paradigma theoretisch darlegten und stets gegen quantitative Methodologie abgrenzten. Dieser Methodenstreit legte sich im Laufe der 70er Jahre und damit begann die Diskussion der qualitative Forschung über qualitative Forschung. Die Methodendiskussion erlangt eine neue Qualität aufgrund der Auseinandersetzung mit sich selbst und der Suche nach der Begründbarkeit des eigenen Paradigmas. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung standen methodologische Schwierigkeiten und die Besonderheiten des qualitativen Paradigmas. „Erst mit Beginn dieser zweiten Entwicklungsphase kam es zu einer vollen Entfaltung des qualitativen Paradigmas und zum Umsetzungsversuch der theoretischen Ansprüche auch in die Forschungspraxis.“ >[25] Zur endgültigen Etablierung der qualitativen Forschung kam es Mitte der 80er Jahre. Qualitative Forschung wird als Methodenerweiterung betrachtet. Es geht nicht mehr darum, ob sie überhaupt zur Anwendung kommt, sondern vielmehr, wie sie angewandt wird (bzgl. alternativer Methoden, Gütesicherung, Darstellung in Publikationen).



Verfasser: © Carmen Wingenbach, 2000
Fussnoten

[1] K. Treumann:  Zum Verhältnis von qualitativer und quantitativer Forschung. Mit einem Ausblick auf neuere Jugendstudien. In: HEITMEYER, W. (Hrsg.): Interdisziplinäre Jugendforschung. Weinheim; München: Juventa-Verlag, 1986,  S.199

[2] K. Treumann: Zum Verhältnis von qualitativer und quantitativer Forschung. Mit einem Ausblick auf neuere Jugendstudien. In: HEITMEYER, W. (Hrsg.): Interdisziplinäre Jugendforschung. Weinheim; München 1986

[3] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988; S. 32ff

[4] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988, S.32

[5] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 15

[6] Kunzmann/Burkard/Wiedmann: dtv-Atlas zur Philosophie, München 1991, S.99

[7] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 16

[8] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 18

[9] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S. 117

[10] Kunzmann/Burkard/Wiedmann: dtv-Atlas zur Philosophie, München 1991, S.193

[11] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994,  S. 119

[12] F. Banki: Wege der pädagogischen Forschung. Bad Heilbrunn/Obb. 1979, S.22

[13] F. Banki: Wege der pädagogischen Forschung. Bad Heilbrunn/Obb. 1979, S.23

[14] F. Banki: Wege der pädagogischen Forschung. Bad Heilbrunn/Obb. 1979, S.29

[15] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 23

[16] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S.109

<[17] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S.108

[18] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.58

[19] Treibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart.Opladen 1994, S. 112

[20] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S.114

[21] H. Garfinkel: Studien über die Routinegrundlagen von Alltagshandeln. In: H. Steinert (Hg.): Symbolische Interaktion. Arbeiten zu einer reflexiven Soziologie. Stuttgart 1973, S. 290

[22] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 22

[23] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 23

[24] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 26

[25] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988

[26] W. Wolf: Qualitative versus quantitative Forschung. In: E. König, P. Zedler (Hg.): Bilanz qualitativer Forschung. Bd I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 309-329

[27] Vgl. S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988

[28] W. Wolf: Qualitative versus quantitative Forschung. In: E. König, P. Zedler (Hg.): Bilanz qualitativer Forschung. Bd I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 315

[29] aus: K. Treumann: Zum Verhältnis von qualitativer und quantitativer Forschung. Mit einem Ausblick auf neuere Jugendstudien. In: HEITMEYER, W. (Hrsg.): Interdisziplinäre Jugendforschung. Weinheim; München: Juventa-Verlag, 1986

[30] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988

[31] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1 Methodologie. Weinheim 1988, S.21

[32] B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.33ff

[33] E.König u. A. Bentler: Arbeitsschritte im qualitativen Forschungsprozeß - ein Leitfaden. In: B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.90

[34] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 118

[35] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 118

[36] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 138

[37] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 431

[38] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 121

[39] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 147

[40] P. Atteslander: Methoden empirischer Sozialforschung. Berlin; New York 1984, S.145

[41] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 434

[42] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 433

[43] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 441

[44] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 163

[45] P. Atteslander: Methoden empirischer Sozialforschung. Berlin; New York 1984, S.84

[46] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 190

[47] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 189ff

[48] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 202

[49] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.212

[50] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.220

[51] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.226/27

[52] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.231

[53] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.248

[54] K.-E. Rogge (Hg.): Methodenatlas. Berlin Heidelberg 1995, S.143

[55] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 255

[56] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.280

[57] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.283

[58] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.285

[59] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 287

[60] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988; S. 32ff

[61] B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.36

[62] B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.36

[63] H. Weishaupt: Qualitative Forschung als Forschungstradition. Eine Analyse von Projektbeschreibungen der Forschungsdokumentation Sozialwissenschaften (FORIS). In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 75ff

[64] H-P. Müller: Sozialstruktur und Lebensstile. Der neuere theoretische Diskurs über soziale Ungleichheit. Frankfurt/M 1993, S.159