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  Wissenschaft und Forschung

Qualitative versus quantitative Forschung Drucken

Der Paradigmenstreit um quantitative Verfahren im Kontrast zu qualitativen Verfahren ist der rote Faden, der die Debatte um qualitative Forschungsmethoden seit jeher begleitet. Mittlerweile können die Vertreter qualitativer Forschungsmethoden mit einer gewissen Selbstverständlichkeit der Frage nachgehen, wie sie die Methoden einsetzen und nicht ob überhaupt.

W. WOLF [26] versuchte in seinem Essay „Qualitative versus quantitative Forschung“ „einen Diskussionsbeitrag zum Thema vorzulegen“. Zuvorderst stellt er fest, daß keine einheitliche Definition von einem der beiden Ansätze existiert, was die Debatte geringfügig erschwert. Auch Gegenüberstellungen der Forschungen sind insuffizient, da „die Ergebnisse innerhalb und zwischen den Positionen oft uneinheitlich und strittig sind.“ Zu Beginn waren Vertreter qualitativer Verfahren bemüht, den vermeintlichen Kontrahenten quantitative Forschung zu demontieren.[27] Der aktuelle Trend geht nunmehr dahin, Vor- und Nachteile der einzelnen Datenerhebungs- und Auswertungsmethoden zu reflektieren. Entscheidend ist, daß Forscher begründen können, welche Methode, sei sie nun qualitativer oder quantitativer Natur, welches Verfahren sie für welche Zwecke anwenden. Ausgangspunkt eines empirischen Forschungsprojektes sollte demnach zuerst der Inhalt der Forschung sein, dann erst folgt die Wahl der Methode. Die methodische Realisierung wird „vor allem durch Erfahrungen, Interessen und Werthaltungen der Forschenden gesteuert.“>[28]

Spricht man von qualitativen Methoden, scheinen die Fragen nach den quantitativen Methoden eine Omnipräsenz zu besitzen, die es unvermeidbar machen, beide Forschungsansätze einander gegenüberzustellen.>[29]

 

Dimensionen

Qualitatives Paradigma

Quantitatives Paradigma

Realitätswahrnehmung

Dynamisch: Die soziale Realität ändert sich mit den veränderten Wahrnehmungen der Betroffenen

Statisch: Die soziale Realität konstituiert sich aus Fakten, die als invariant angesehen werden

Forschungs-perspektive

Innensicht: Sicht aus der Perspektive der Betroffenen

Außensicht: Sicht aus der Perspektive der Außenstehenden

Fokus der Untersuchung

Holistisch: Ganzheiten oder Muster werden gesucht

Partikularistisch: Ausgewählte, vorab definierte Varialblen werden untersucht

Theorie-orientierung

Entdeckung: Theorien und Hypothesen werden aus den unmittelbar gesammelten Daten entfaltet

Bestätigung: Vorher festgelegte Hypothesen werden untersucht

Daten-generierung

Subjektiv: Die Daten bestehen aus Wahrnehmungen und Deutungen der Betrofenen in ihrem sozialen Kontext

Objektiv: Die Daten entstehen in Abhängigkeit von den Untersuchungshypothesen

Untersuchungs-bedingungen

Valide: Der Brennpunkt liegt auf solchen Designs und Verfahrensweisen, die realitätsnahe, reichhaltige und tiefliegende Daten liefern

Reliabel: Der Brennpunkt liegt auf solchen Designs und Verfahrensweisen, die „harte“ und replizierbare Daten liefern



Nach TREUMANN liegen „zentrale Funktionen quantitativer Forschung“ in der Untersuchung von Merkmalen, die in Häufigkeitsverteilungen kategorisierbar sind, die eine Verallgemeinbarkeit anhand von Stichproben auf Populationen zulassen und die Zusammenhänge von Variablen anhand statistischer Verfahren deutlich zu machen. Die Funktion der qualitativen Methodik ist die Erforschung von Lebenswelten und Interaktionsprozessen, möglichst unbeeinflußt von den Forschern selbst.

Die Datenerhebungs- und Auswertungskritik der Anhänger der quantitativen Forschung an den qualitativen Verfahrensweisen, werden von den Vertretern der qualitativen Seite nicht argumentationslos hingenommen.

Kritik an qualitativer Forschung

Argumente der qualitativen Forschung

kleine Zahl von Untersuchungspersonen

50-100 Probanden sind möglich. Kosten, Zeit und Ressourcen sind Determinierungsfaktoren für eine geringe Anzahl von Untersuchungspersonen. Zudem ist eine große Zahl von Personen oftmals nicht nötig, da es primär um typsiche Fälle geht.

keine echten Stichproben, da Zufallsprinzip

Die Repräsentativität der Stichproben ist nicht das Kriterium für die Auswahl der Probanden, sondern die Angemessenheit dieser für die Fragestellung.

keine quantitativen Variablen

Das Meßniveau spielt eine untergeordnete Rolle, doch auch innerhalb der qualitativen Forschung existieren Variablen (Alter, Geschlecht, Kinderanzahl...), die in den Erhebungsmethoden festgestellt werden (Interview, Biographie, Gruppendiskussionen, ect.)

keine statistischen Analysen

Statistische Maßzahlen gelten als Begrenzung konkreter Lebenssachverhalte.



Verfasser: © Carmen Wingenbach, 2000
Fussnoten

[1] K. Treumann:  Zum Verhältnis von qualitativer und quantitativer Forschung. Mit einem Ausblick auf neuere Jugendstudien. In: HEITMEYER, W. (Hrsg.): Interdisziplinäre Jugendforschung. Weinheim; München: Juventa-Verlag, 1986,  S.199

[2] K. Treumann: Zum Verhältnis von qualitativer und quantitativer Forschung. Mit einem Ausblick auf neuere Jugendstudien. In: HEITMEYER, W. (Hrsg.): Interdisziplinäre Jugendforschung. Weinheim; München 1986

[3] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988; S. 32ff

[4] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988, S.32

[5] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 15

[6] Kunzmann/Burkard/Wiedmann: dtv-Atlas zur Philosophie, München 1991, S.99

[7] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 16

[8] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 18

[9] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S. 117

[10] Kunzmann/Burkard/Wiedmann: dtv-Atlas zur Philosophie, München 1991, S.193

[11] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994,  S. 119

[12] F. Banki: Wege der pädagogischen Forschung. Bad Heilbrunn/Obb. 1979, S.22

[13] F. Banki: Wege der pädagogischen Forschung. Bad Heilbrunn/Obb. 1979, S.23

[14] F. Banki: Wege der pädagogischen Forschung. Bad Heilbrunn/Obb. 1979, S.29

[15] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 23

[16] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S.109

<[17] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S.108

[18] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.58

[19] Treibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart.Opladen 1994, S. 112

[20] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S.114

[21] H. Garfinkel: Studien über die Routinegrundlagen von Alltagshandeln. In: H. Steinert (Hg.): Symbolische Interaktion. Arbeiten zu einer reflexiven Soziologie. Stuttgart 1973, S. 290

[22] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 22

[23] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 23

[24] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 26

[25] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988

[26] W. Wolf: Qualitative versus quantitative Forschung. In: E. König, P. Zedler (Hg.): Bilanz qualitativer Forschung. Bd I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 309-329

[27] Vgl. S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988

[28] W. Wolf: Qualitative versus quantitative Forschung. In: E. König, P. Zedler (Hg.): Bilanz qualitativer Forschung. Bd I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 315

[29] aus: K. Treumann: Zum Verhältnis von qualitativer und quantitativer Forschung. Mit einem Ausblick auf neuere Jugendstudien. In: HEITMEYER, W. (Hrsg.): Interdisziplinäre Jugendforschung. Weinheim; München: Juventa-Verlag, 1986

[30] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988

[31] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1 Methodologie. Weinheim 1988, S.21

[32] B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.33ff

[33] E.König u. A. Bentler: Arbeitsschritte im qualitativen Forschungsprozeß - ein Leitfaden. In: B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.90

[34] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 118

[35] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 118

[36] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 138

[37] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 431

[38] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 121

[39] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 147

[40] P. Atteslander: Methoden empirischer Sozialforschung. Berlin; New York 1984, S.145

[41] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 434

[42] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 433

[43] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 441

[44] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 163

[45] P. Atteslander: Methoden empirischer Sozialforschung. Berlin; New York 1984, S.84

[46] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 190

[47] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 189ff

[48] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 202

[49] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.212

[50] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.220

[51] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.226/27

[52] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.231

[53] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.248

[54] K.-E. Rogge (Hg.): Methodenatlas. Berlin Heidelberg 1995, S.143

[55] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 255

[56] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.280

[57] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.283

[58] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.285

[59] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 287

[60] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988; S. 32ff

[61] B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.36

[62] B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.36

[63] H. Weishaupt: Qualitative Forschung als Forschungstradition. Eine Analyse von Projektbeschreibungen der Forschungsdokumentation Sozialwissenschaften (FORIS). In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 75ff

[64] H-P. Müller: Sozialstruktur und Lebensstile. Der neuere theoretische Diskurs über soziale Ungleichheit. Frankfurt/M 1993, S.159