Kostenlose Stellenanzeigen im Stellenmarkt - Angebote und Gesuche für Sozialpädagogen oder Sozialarbeiter in der CareLounge Jobbörseanzeige
::CareLounge
www.pflegeberufe.de
www.sozialberufe.de
www.altenarbeit.de
Mitglied werden
   
   Wissen    Qualitative Sozialforschung
  Wissenschaft und Forschung

Prinzipien der qualitativen Sozialforschung nach LAMNEK [30] Drucken

Aufgrund der omnipräsenten Diskussion hinsichtlich des Kontrastes quantitativer und qualitativer Sozialforschung, hat LAMNEK Prinzipien der qualitativen Sozialforschung herausgearbeitet, die er als „Programmatik qualitativer Sozialforschung“ [31]bezeichnet. Anhand dieser Maxime wird das grundsätzliche Wesen qualitativer Sozialforschung deutlich und vor allem in welchen Punkten sie sich methodologisch von der quantitativen Forschung unterscheidet. Diese Prinzipien (Offenheit, Forschung als Kommunikation, Forschungscharakter von Forschung und Gegenstand, Reflexivität von Gegenstand und Analyse, Explikation und Flexibilität) können als Leitlinien des qualitativen Paradigmas betrachtet werden.

(Sie werden hier nur stichpunktartig dargestellt aufgrund der Mannigfaltigkeit an Ausführungsmöglichkeiten, die den Rahmen dieser Arbeit sprengen würden.)

 

Prinzip

Offenheit

Profil

Offenheit des Forschers gegenüber

  • den Untersuchungspersonen

  • den Untersuchungssituationen

  • den Untersuchungsmethoden

  • Argument

    Vermeidung von informationsreduzierender Selektion (Bsp.: vorformulierte Antwortkategorien), vorhandene Informationsbreite wird aufgenommen, Anpassungsfähigkeit des methodischen Instrumentariums an das Untersuchungsobjekt (nicht umgekehrt)

    Funktion oder Konzept

    Explorationsfunktion; Verzicht auf Hypothesenbildung

    Vgl. Quantitative Forschung

    Vorstrukturierung des Gegenstandsbereichs, um überhaupt Hypothesen bilden zu können

     

     

    Prinzip

    Forschung als Kommunikation

    Profil

    Kommunikation und Interaktion zwischen Forscher und zu Erforschendem als Bestandteil des Forschungsprozesses

    Argument

    das informierende Gesellschaftsmitglied als prinzipiell orientierungs-, deutungs-, und theoriemächtiges Subjekt

    Funktion oder Konzept

    Kommunikationsbeziehung als Voraussetzung des Forschungsprozesses und Rahmenbildungsbedingung

    Vgl. Quantitative Forschung

    Theorieabhängige Beobachtungsaussage

     

     

    Prinzip

    Prozeßcharakter von Forschung und Gegenstand

    Profil

    Prozeßhaftigkeit des Forschungsaktes und des Forschungsgegenstandes; (Abläufe sind veränderbar)

    Argument

    Verhaltensweisen und Aussagen der Untersuchten werden als prozeßhafte Ausschnitte der Reproduktion und Konstruktion von sozialer Realität angesehen

    Funktion oder Konzept

    Prozeß der Konstitution von Wirklichkeit und Deutungs- und Handlungsmustern und die Auswirkung auf deren praktische Handhabe

    Vgl. Quantitative Forschung

    statische Repräsentationen

     

     

    Prinzip

    Reflexivität von Gegenstand und Analyse

    Profil

    Empirische Forschung ist reflexiv

  • in Gegenstand und Analyse

  • in der Sinnzuweisung von Handlungen, also auch im Analyseprozeß

    (Reagieren auf neue Konstellationen und Offenheit für unerwartete Situationsmomente)

  • Argument

    Grundannahme: Bedeutungen von Verhaltensprodukten sprachlicher (Symbole, Deutungen, Sprechakte) und nonverbaler (Geste, Handlungen, ect.) Natur wird Reflexivität unterstellt.

    Bedeutungen sind kontextgebunden und jedes Zeichen ist Index für ein umfassenderes Regelwerk. Handeln und Sprache wird nur durch die Berufung auf den Kontext verständlich

    Funktion oder Konzept

    Qualitative Forschung ist zirkulär; (Hermeneutischer Zirkel)

    Vgl. Quantitative Forschung

    lineare Strategie (Anfang und Ende sind vorab festgelegt)

     

     

    Prinzip

    Explikation

    Profil

    Einzelne Untersuchungsschritte sollen so weit als möglich offen gelegt werden, um den kommunikativen Nachvollzug zu ermöglichen

    Argument

    Offenlegung der Regeln

  • der Datenerhebung

  • der kommunikativen Erfahrung

  • Funktion oder Konzept

    Explikation ist Forderung, nicht Vorgehen und kein Garant für die Gültigkeit der Interpretation, sondern Sicherung der Nachvollziehbarkeit

    Vgl. Quantitative Forschung

    Quantifizierung, numerische Auswertung

     

     

    Prinzip

    Flexibilität

    Profil

    Flexibilität der Forschung hinsichtlich der Situation und der Relation zwischen Forscher und Beforschtem, Anpassung an Veränderungen bzgl. Bedingungen und Konstellationen

    Argument

    Flexibilität hinsichtlich

  • Beobachtungspunkte

  • Vorgehensweise

  • Definitionen (relevanter Daten)

  • Funktion oder Konzept

    Aufgrund von Elastizität und Flexibilität Titulierung der qualitativen Forschung auch als weiche Forschung

    Vgl. Quantitative Forschung

    Standardisierte und starre Vorgehensweisen, Annahme des Untersuchungsgegenstandes als bekannt





    Verfasser: © Carmen Wingenbach, 2000


    Fussnoten

    [1] K. Treumann:  Zum Verhältnis von qualitativer und quantitativer Forschung. Mit einem Ausblick auf neuere Jugendstudien. In: HEITMEYER, W. (Hrsg.): Interdisziplinäre Jugendforschung. Weinheim; München: Juventa-Verlag, 1986,  S.199

    [2] K. Treumann: Zum Verhältnis von qualitativer und quantitativer Forschung. Mit einem Ausblick auf neuere Jugendstudien. In: HEITMEYER, W. (Hrsg.): Interdisziplinäre Jugendforschung. Weinheim; München 1986

    [3] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988; S. 32ff

    [4] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988, S.32

    [5] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 15

    [6] Kunzmann/Burkard/Wiedmann: dtv-Atlas zur Philosophie, München 1991, S.99

    [7] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 16

    [8] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 18

    [9] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S. 117

    [10] Kunzmann/Burkard/Wiedmann: dtv-Atlas zur Philosophie, München 1991, S.193

    [11] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994,  S. 119

    [12] F. Banki: Wege der pädagogischen Forschung. Bad Heilbrunn/Obb. 1979, S.22

    [13] F. Banki: Wege der pädagogischen Forschung. Bad Heilbrunn/Obb. 1979, S.23

    [14] F. Banki: Wege der pädagogischen Forschung. Bad Heilbrunn/Obb. 1979, S.29

    [15] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 23

    [16] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S.109

    <[17] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S.108

    [18] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.58

    [19] Treibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart.Opladen 1994, S. 112

    [20] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S.114

    [21] H. Garfinkel: Studien über die Routinegrundlagen von Alltagshandeln. In: H. Steinert (Hg.): Symbolische Interaktion. Arbeiten zu einer reflexiven Soziologie. Stuttgart 1973, S. 290

    [22] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 22

    [23] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 23

    [24] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 26

    [25] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988

    [26] W. Wolf: Qualitative versus quantitative Forschung. In: E. König, P. Zedler (Hg.): Bilanz qualitativer Forschung. Bd I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 309-329

    [27] Vgl. S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988

    [28] W. Wolf: Qualitative versus quantitative Forschung. In: E. König, P. Zedler (Hg.): Bilanz qualitativer Forschung. Bd I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 315

    [29] aus: K. Treumann: Zum Verhältnis von qualitativer und quantitativer Forschung. Mit einem Ausblick auf neuere Jugendstudien. In: HEITMEYER, W. (Hrsg.): Interdisziplinäre Jugendforschung. Weinheim; München: Juventa-Verlag, 1986

    [30] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988

    [31] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1 Methodologie. Weinheim 1988, S.21

    [32] B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.33ff

    [33] E.König u. A. Bentler: Arbeitsschritte im qualitativen Forschungsprozeß - ein Leitfaden. In: B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.90

    [34] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 118

    [35] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 118

    [36] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 138

    [37] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 431

    [38] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 121

    [39] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 147

    [40] P. Atteslander: Methoden empirischer Sozialforschung. Berlin; New York 1984, S.145

    [41] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 434

    [42] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 433

    [43] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 441

    [44] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 163

    [45] P. Atteslander: Methoden empirischer Sozialforschung. Berlin; New York 1984, S.84

    [46] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 190

    [47] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 189ff

    [48] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 202

    [49] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.212

    [50] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.220

    [51] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.226/27

    [52] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.231

    [53] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.248

    [54] K.-E. Rogge (Hg.): Methodenatlas. Berlin Heidelberg 1995, S.143

    [55] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 255

    [56] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.280

    [57] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.283

    [58] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.285

    [59] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 287

    [60] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988; S. 32ff

    [61] B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.36

    [62] B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.36

    [63] H. Weishaupt: Qualitative Forschung als Forschungstradition. Eine Analyse von Projektbeschreibungen der Forschungsdokumentation Sozialwissenschaften (FORIS). In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 75ff

    [64] H-P. Müller: Sozialstruktur und Lebensstile. Der neuere theoretische Diskurs über soziale Ungleichheit. Frankfurt/M 1993, S.159