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Einsatzgebiete qualitativer Forschung Drucken

Kein Forschungsgegenstand läßt sich nur qualitativ oder quantitativ erforschen. Die Entscheidung, welchen Methodentypen der Forschungsgegenstand erfordert, ist abhängig von der Absicht, auf die die Forschung abzielt. Quantitative und qualitative Methoden lassen sich kombinieren. Je unbekannter das Untersuchungsfeld ist, desto mehr bietet sich eine qualitative Exploration vor Beginn der standardisierten Untersuchung an. Zunächst werden mit Hilfe qualitativer Methoden Problembereiche eingegrenzt und Vorgehensweisen eruiert. Diese Studien können Ergebnisse liefern, die die standardisierten Untersuchung entweder nicht sinnvoll erscheinen lassen (da keine neuen Erkenntnisse gewonnen werden können) oder aber aufgrund von Häufigkeitsverteilungen und Messungen neue Ergebnisse und Erkenntnisse liefern.

Ziele qualitativer Forschung können sein:

die Erforschung fremder Lebenswelten: Geht man von der Ethnographie aus, von der Erforschung fremder Lebenswelten und Kulturen, so lautet hier das Ziel: Erkenntnisgewinnung über wenig- oder unbekannte Kulturen. Einer Forschung, die das Ziel verfolgt, Fremdes zu erforschen, bieten sich qualitative Methoden an, da sie das Ergebnis der Forschung nicht als bekannt voraussetzen.

die Erforschung unbekannter Perspektiven: Ungewöhnliche oder auch nur scheinbar gewöhnliche Lebenswelten können nicht nur durch intensive Beobachtung, Analysen und Beschreibungen erfaßt werden, sondern auch durch das Hinzuziehen anderer Quellen, wie z.B. literarische Texte. Diese bergen Aspekte der Alltagsrealität, die durch reines Beobachten nicht zu erfahren sind.

Einzelfallstudien: Eine Theorie wird mit Hilfe einer Einzelfallstudie erhärtet oder relativiert. Eine Einzelfallstudie kann aber auch bedeuten, einen bestimmten Ausschnitt aus der Realität zu untersuchen, der als typisch angenommen wird.

Die Themenbereiche, mit denen sich qualitative Forschung bis dato beschäftigt hat, lassen sich in drei Komplexen unterscheiden.[32]

Interaktion: vor Gericht, an Bankschaltern, Krankenbett, in Sterbezimmern und Intensivstationen, in Paarbeziehungen, Familien, Beratungs- und Therapiesitzungen, Kurbetrieben, bei polizeilichen Verhören, im Blick auf Telefonkommunikation, im Unterricht, in Lehrerzimmern, in sozial- und erwachsenenpädagogischen Einrichtungen, ect.

Exploration ungewöhnlicher Lebenswelten: Obdachlose, Hooligans und Fans, Schüler und Studentenkulturen, Eheanbahnungsinstitute, Berufskulturen in den unterschiedlichsten Feldern, Bodybuilder, 68’er Generation, Intensivstationen, Drogensüchtige, Heimwerkerszene, Altennachmittage, Rotlichtmilieu, Techno-Szene, rechtsradikale Jugendliche, Tupper-Parties, ect.

Interpretation von sinnhaltigen Dokumenten: Geschäftsbriefe, amtliche Bekanntmachungen, Autobiographien, Fotos, Filmsequenzen, Kunstwerke, Architekturen, Fernsehansagen, Wortzeugnissen von Grundschullehrerinnen, dienstliche Abmahnungen und Beurteilungen, Werbetexte, -bilder oder spots, verschiedene Szenezeitschriften (Jugend-, Frauen-, Computermagazine)

Vorgehensweisen und Arbeitsschritte qualitativer Projekte sind abhängig von der Art des Projekts. E. KÖNIG und A. BENTLER haben Schritte qualitativer Forschung in der Erziehungswissenschaft dargelegt, die nur einen kurzen Einblick über die Vorgehensweise von Forschungsprojekten geben sollen[33].

1. Schritt: Entwicklung einer präzisen Fragestellung

2. Schritt: Übersicht über den Forschungsgegenstand

3. Schritt: Festlegung des theoretischen Begriffsrahmens

4. Schritt: Festlegung der Methodik und Durchführung der Untersuchung

5. Schritt: Darstellung und Interpretation der Ergebnisse

6. Schritt: Pädagogische Konsequenzen



Verfasser: © Carmen Wingenbach, 2000
Fussnoten

[1] K. Treumann:  Zum Verhältnis von qualitativer und quantitativer Forschung. Mit einem Ausblick auf neuere Jugendstudien. In: HEITMEYER, W. (Hrsg.): Interdisziplinäre Jugendforschung. Weinheim; München: Juventa-Verlag, 1986,  S.199

[2] K. Treumann: Zum Verhältnis von qualitativer und quantitativer Forschung. Mit einem Ausblick auf neuere Jugendstudien. In: HEITMEYER, W. (Hrsg.): Interdisziplinäre Jugendforschung. Weinheim; München 1986

[3] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988; S. 32ff

[4] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988, S.32

[5] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 15

[6] Kunzmann/Burkard/Wiedmann: dtv-Atlas zur Philosophie, München 1991, S.99

[7] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 16

[8] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 18

[9] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S. 117

[10] Kunzmann/Burkard/Wiedmann: dtv-Atlas zur Philosophie, München 1991, S.193

[11] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994,  S. 119

[12] F. Banki: Wege der pädagogischen Forschung. Bad Heilbrunn/Obb. 1979, S.22

[13] F. Banki: Wege der pädagogischen Forschung. Bad Heilbrunn/Obb. 1979, S.23

[14] F. Banki: Wege der pädagogischen Forschung. Bad Heilbrunn/Obb. 1979, S.29

[15] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 23

[16] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S.109

<[17] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S.108

[18] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.58

[19] Treibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart.Opladen 1994, S. 112

[20] Teibel, A.: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1994, S.114

[21] H. Garfinkel: Studien über die Routinegrundlagen von Alltagshandeln. In: H. Steinert (Hg.): Symbolische Interaktion. Arbeiten zu einer reflexiven Soziologie. Stuttgart 1973, S. 290

[22] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 22

[23] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 23

[24] D. Garz: Entwicklungslinien qualitativ-empirischer Sozialforschung. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 26

[25] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988

[26] W. Wolf: Qualitative versus quantitative Forschung. In: E. König, P. Zedler (Hg.): Bilanz qualitativer Forschung. Bd I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 309-329

[27] Vgl. S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988

[28] W. Wolf: Qualitative versus quantitative Forschung. In: E. König, P. Zedler (Hg.): Bilanz qualitativer Forschung. Bd I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 315

[29] aus: K. Treumann: Zum Verhältnis von qualitativer und quantitativer Forschung. Mit einem Ausblick auf neuere Jugendstudien. In: HEITMEYER, W. (Hrsg.): Interdisziplinäre Jugendforschung. Weinheim; München: Juventa-Verlag, 1986

[30] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988

[31] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1 Methodologie. Weinheim 1988, S.21

[32] B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.33ff

[33] E.König u. A. Bentler: Arbeitsschritte im qualitativen Forschungsprozeß - ein Leitfaden. In: B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.90

[34] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 118

[35] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 118

[36] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 138

[37] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 431

[38] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 121

[39] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 147

[40] P. Atteslander: Methoden empirischer Sozialforschung. Berlin; New York 1984, S.145

[41] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 434

[42] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 433

[43] H.M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Band 1. Göttingen 1978, S. 441

[44] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 163

[45] P. Atteslander: Methoden empirischer Sozialforschung. Berlin; New York 1984, S.84

[46] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 190

[47] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 189ff

[48] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 202

[49] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.212

[50] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.220

[51] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.226/27

[52] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.231

[53] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.248

[54] K.-E. Rogge (Hg.): Methodenatlas. Berlin Heidelberg 1995, S.143

[55] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 255

[56] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.280

[57] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.283

[58] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S.285

[59] W. Spöhring: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart 1995, S. 287

[60] S. Lamnek: Qualitative Sozialforschung. Bd 1: Methodologie. Weinheim 1988; S. 32ff

[61] B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.36

[62] B. Friebertshäuser, A. Prengel (Hrsg.): Handbuch qualitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft. Weinheim, München 1997, S.36

[63] H. Weishaupt: Qualitative Forschung als Forschungstradition. Eine Analyse von Projektbeschreibungen der Forschungsdokumentation Sozialwissenschaften (FORIS). In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band I: Grundlagen qualitativer Forschung. Weinheim 1995, S. 75ff

[64] H-P. Müller: Sozialstruktur und Lebensstile. Der neuere theoretische Diskurs über soziale Ungleichheit. Frankfurt/M 1993, S.159